In Kürze:
- Neues Konzept der privaten Initiative für einen Transport des gestrandeten Buckelwals wird geduldet.
- Der Wal kann sich auch schon früh am Morgen von selbst auf den Weg machen.
- Internationale Medien kritisieren Emotionalisierung und Politik
In eine Art stählernes Aquarium gesperrt, soll der vor der Ostsee-Insel Poel gestrandete Buckelwal „Timmy“ bis in die Nordsee oder gar bis in den Atlantik geschleppt werden. Dieses neue Konzept der privaten Initiative für einen Transport des Tieres kann nun starten, wie Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) im Hafen von Kirchdorf sagte.
Das Konzept werde geduldet – die Verantwortung liege weiterhin bei der Initiative. Das Land erteile keine Genehmigungen, nach den rechtlichen Vorgaben sei es grundsätzlich zulässig, einem hilflosen Wildtier zu helfen.
Der Plan sieht vor, den 12 Tonnen schweren Walbullen mit einer Art Lastkahn, einer sogenannten Barge, zu transportieren. Die an der Aktion beteiligte Kleintierärztin Kirsten Tönnies sagte, die Initiative gehe davon aus, dass der Transport des Wals mit dem Lastkahn zwischen Dienstag und Mittwoch starten könne. Derzeit befindet sich die Barge noch nicht vor Poel. Backhaus sagte, es solle am Abend bekannt gegeben werden, wann sie ankommen werde.
„Wir kriegen morgen oder jetzt in der Nacht höhere Wasserstände“, fuhr der Minister fort. Er könne nicht ausschließen, dass sich der Wal vielleicht auch schon früh am Morgen von selbst auf den Weg mache.
„Timmy“ als Medienereignis
Während in deutschen Medien der Ablauf der Rettungsbemühungen häufig detailliert und teilweise live begleitet wird, stehen in der Berichterstattung in anderen Ländern andere Aspekte im Vordergrund. Hier ist häufig nicht der Wal selbst oder dessen Schicksal das eigentliche Thema, sondern die Begleitumstände der nunmehrigen privaten Rettungsbemühungen.
Spaniens „El País“ spricht von einem „Medienphänomen“, wobei „selbst kleinste Veränderungen“ ein umfangreiches Echo auslösten. Der staatliche portugiesische Sender RTP sieht einen „hitzigen“ Landtagswahlkampf seine Schatten vorauswerfen.
Wo häufig Wale stranden
In Spanien und Portugal stranden viel häufiger Meeressäuger als in Deutschland. Eine verlässliche Statistik gibt es zwar nicht, aber nach Medienberichten dürften es zwischen 20 und 50 pro Jahr sein. Vor allem auf den zu Portugal gehörenden Azoren-Inseln im Atlantik, wo die natürlichen Wanderwege der Tiere verlaufen, werden immer wieder geschwächte oder kranke Tiere angespült.
Die meisten Strandungen betreffen Zwergwale, Pottwale und Delfine. Rettungsaktionen bleiben oft erfolglos.
Warum Helfen manchmal schadet
Zur Begründung hieß es, bei Walen mit einer Größe von mehr als 4 Metern lasse sich nichts davon „auf eine ethisch und sicherheitsmäßig verantwortliche Weise“ bewerkstelligen. Menschen, die sich näherten, würden die Situation des Wals nur verschlimmern. Vonseiten der Behörde hieß es weiter:
„Deshalb lassen wir den lebenden Pottwal am Strand von Sønderho in Ruhe, damit er friedlich sterben kann.“
Ähnlich sieht die Lage in Japan aus. Dort war 2023 ein 8 Meter langer Wal in einer Flussmündung vor Osaka gestrandet. Auch hier verendete das Tier ohne Rettungsaktion. Dem örtlichen Hafenamt zufolge starben bislang alle Wale, die in die Bucht gerieten. Das „Handelsblatt“ zitierte einen Behördenvertreter mit der Aussage:
„Das Einzige, was wir tun können, ist, im Voraus zu überlegen, wie wir die Kadaver entsorgen.“
Wal als Ventil für Unzufriedenheit mit Regierungspolitik
Die „Straits Times“ zitiert auch Beobachter wie den Oldenburger Psychologen Borwin Bandelow. Er sieht den Wal als ein Symbol der breiter und tiefer gewordenen Unzufriedenheit mit Wirtschaft und Politik in Deutschland allgemein. Gegenüber „WELT TV“ erklärte er:
„Die Regierung wird als inkompetent wahrgenommen. So wie sie viele andere Probleme des täglichen Lebens nicht lösen kann, kann sie auch dieses nicht lösen.“
(Mit Material von Nachrichtenagenturen)