Hallo,

herzlich willkommen zu Endlich Freitag! Ich bin Michael Angele, leite das Debatten-Ressort beim Freitag und schreibe die Freitagsausgabe dieses Newsletters.

Liebe Leserinnen und Leser,

Eigentlich ist Wissenschaft eine wunderbare Erfindung der Menschheit. Wissenschaft bringt Licht ins Dunkel der Welt, bekämpft Mythen und schafft Wissen, hat einen praktischen Nutzen und fördert die besten Eigenschaften in denen, die sie betreiben: Neugierde und Demut, analytischer Verstand und Einfühlungsvermögen, kritischer Geist und Leidenschaft, Verantwortungsgefühl und Freiheit der Forschung, you name it.

Aber leider tobt gerade auch um die Wissenschaft ein Kulturkampf. Diese Woche gab es auf Antrag der AfD eine Debatte über „Wissenschafts- und Meinungsfreiheit“.

Mal abgesehen davon, dass das zwei verschiedene Dinge sind, sieht die AfD diese Freiheit durch Selbstzensur und Einschüchterung von nicht genehmen Positionen in Gefahr, etwa wenn man in den Genderstudies auf zwei phänotypischen Geschlechtern besteht oder Fragen nach den Ursachen der Erderwärmung laut werden lässt.

„Wissenschaft lebt vom offenen Streit der Argumente […] Sie lebt davon, dass auch Unbequemes gesagt werden darf“, sagt Ingo Hahn, Professor für Geografie und Abgeordneter der AfD. Wer wollte da widersprechen?

Es hat etwas Bedrückendes, wenn ausgerechnet eine politische Kraft die Wissenschaftsfreiheit hochhält, von der man befürchten muss, dass unter ihrer Herrschaft für sie „Unbequemes“ (im Grunde fast die kompletten heutigen Geistes- und Sozialwissenschaften) gnadenlos verfolgt werden würde.

Was kann man dem entgegnen, wenn man schon auch der Meinung ist, dass allzu oft Wissenschaft statt Engagement in Aktivismus verfällt, ohne sich aber mit den Reaktionären gemein machen zu wollen? Eine einfache Antwort habe ich nicht, aber Hinweise dazu finden sich in diesem Artikel von Björn Hayer.

Apropos: Licht ins Dunkle der Welt bringen: Gerade online gegangen ist ein Interview mit den Investigativjournalisten Oliver Schröm und Ulrich Thiele, die die Anschläge auf die Nord-Stream-Pipelines 2022 detailliert aufgearbeitet haben und nun ihrem Kritiker Holger Stark von der Zeit antworten.

1. Heute wichtig

2. Made My Day

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➜ Heimat: Wenn ich zur Arbeit radele, überquere ich kurz vor dem Hegelplatz die Monbijou-Brücke. Heute Morgen habe ich wieder einmal kurz innegehalten und die Stadt auf mich wirken lassen. Berlin ist für mich am Wasser am schönsten („Spree-Athen“). Vielleicht auch, weil ich an einem Fluss aufgewachsen bin, das prägt.

Mein Lieblingsfilm über Berlin ist Unter den Brücken von Helmut Käutner. Und nun lese ich auch noch in einem Newsletter, dass kommenden Montag der 1932 in Berlin gedrehte Film Schleppzug M 17 im Kino gezeigt wird. Die Handlung ist Kolportage, aber die Hafenaufnahmen sollen betörend sein.

3. Kultur-Tipp

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➜ Gut zu beherzigen: Bleiben wir kurz bei der Berliner Stadtgeschichte. Gestern wohnte ich einem sehr interessanten Vortrag über das „Palästinaamt“ bei, das in der Meineckestraße 10 war. Das Amt organisierte bis Oktober 1941 die Ausreise nach Palästina.

In vielen Wortmeldungen während der Veranstaltung kam eine tiefe Verunsicherung der Juden im heutigen Deutschland zum Ausdruck. Viele sitzen mindestens gefühlt auf gepackten Koffern. Das darf doch nicht sein!

Mein Tipp deshalb: Suchen Sie die Begegnung mit jüdischen Mitbürgern, wo immer sich die Gelegenheit bietet. Und zwar auch, wenn sie die aktuelle israelische Politik eine Katastrophe finden.

4. Lese-Empfehlung

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Nach dem fulminanten Abgesang von Ulrike Baureithel auf die SPD dachten wir, dass es an der Zeit für eine Verteidigung der geschundenen Partei ist. Wir haben dazu unsere Autorin Katharina Körting beauftragt, die einfaches SPD-Mitglied ist.

So richtig ist es zwar dann doch keine Verteidigung geworden, aber ihre Erfahrungen in der Partei lesen sich einfach köstlich, und last but not least gibt es dann doch einen Grund, warum sie ihr nicht den Rücken gekehrt hat.

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Eine Liebesheirat war das mit der SPD bei mir nie. Für Verliebtheit gibt es keinen Spiegelstrich, und in dieser Partei geht es strikt nach Vorschrift, da wird abgearbeitet, in einer Sprache, die von Romantik so weit entfernt ist wie die Partei vom Wahlsieg. Spätestens bei der ersten Sitzung des Ortsvereins beginnt der Alltag: Vereinsarbeit.

Es gibt einen Schriftführer, einen Vorsitzenden (neuerdings auch zwei, männlich und weiblich), einen oder mehrere stellvertretende Vorsitzende, eine Tagesordnung, einen Kassenwart samt Kassenprüfern, alle möglichen Beisitzer für diverse „Themen“ und dazu all die anderen Worte, die sich einem im Munde herumdrehen, bis sie ihre magere Substanz ganz verlieren.

zum ganzen Text

Ich wünsche ein schönes Wochenende

Ihr Michael Angele

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