Wahrheit und Widerspruch muss man ertragen können. Das ist nicht jedem gegeben. In einer konzertierten Aktion zogen SPD, Grüne und Linke sich heute unter dem Hashtag #WirVerlassenX von der Plattform zurück. Alle drei Parteien samt diverser Politiker posteten dazu denselben Tweet. Offensichtlich bekennt man sich inzwischen dazu, als geschlossene Einheitsfront aufzutreten. Ist die SED wieder da?
Mehrere Partei-Accounts von SPD, Grünen und Linken sowie deren Parteimitglieder posteten heute die überwiegend gleichen Textbausteine: X sei „in den letzten Jahren im Chaos versunken“. Politische Debatten würden vom Austausch leben, der Menschen erreiche und informiere. X hingegen fördere zunehmend „Desinformation“. Deswegen werde der Account nicht mehr genutzt.
Medienberichten zufolge war die Aktion von der politischen Geschäftsführerin der Grünen, Pegah Edalatian, initiiert worden. Die einzelnen Parteigliederungen und Mitglieder könnten selbst entscheiden, ob sie sich anschließen oder auf der Plattform bleiben wollen. Bei den Grünen schlossen sich unter anderem die Fraktionsvorsitzenden Britta Hasselmann und Katharina Dröge sowie Felix Banaszak an. Doch auch SPD- und Linken-Accounts samt Politikern wie Sawsan Chebli und Jan van Aken machten mit.
Auf X wissen Nutzer sehr genau, wie sie die Aktion einzuordnen haben. „Diese konzentrierte #WirVerlassenX Aktion zeigt mal wieder, wie dermaßen fragil Linke argumentativ sind: Da hat man mal eine Plattform, die wirklich für Meinungsfreiheit einsteht, die echten Diskurs massiv pusht und Linke kommen einfach Null darauf klar, dass viele hier sind, die einfach nicht ihre Meinung teilen und das eben auch in den Antworten zeigen“, kommentierte der reichweitenstarke User Miró (@unblogd).
Besonders zu denken gibt aber der Zusammenschluss der drei Parteien. „Das ist nicht nur ein gemeinsamer Vorstoß von SPD, Grünen und Linkspartei“, kommentierte etwa der Journalist und Publizist Ulf Poschardt: „Es ist auch ein Signal, dass diese drei Parteien längst an einer gemeinsamen politischen Zukunft arbeiten.“ Die Rückkehr der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands? Auf X ist aktuell tatsächlich vielfach von einer neuen SED die Rede. Die drei Parteien haben sich danach nach Ansicht vieler selbst entlarvt.
Poschardt fuhr in seinem Video fort: Diese Linke sei es gewöhnt gewesen, auf sozialen Netzen den eigenen „sozialistischen Moral-Umerziehungsquatsch“ mit nur vereinzeltem Widerspruch verbreiten zu können. Das habe sich jedoch geändert: „Jetzt kassieren sie in jeder Debatte Niederlagen“, so Poschardt. Ihre Quellen werden dekonstruiert, „ihr Hochmut und ihre Verlogenheit, ihr doppelbödiges Agieren, ihr Moralisieren bei gleichzeitig unstetem Lebenswandel“, all das werde auf X genauso auseinandergenommen wie in allen anderen Netzwerken.
Er bezeichnet das als Offenbarungseid und ruft faktisch dazu auf, dass alle jene, die den Linken so zugesetzt haben, das nun auch in allen anderen sozialen Netzwerken tun. Passenderweise gab beispielsweise das Medium Nius heute prompt bekannt, nun ebenfalls auf BlueSky aktiv zu sein. Dringen die „Bösen“ nun etwa in die Safe Spaces und Echokammern der Linken ein? Können die Ökosozialisten sich bald gar nicht mehr in einen widerspruchsfreien Raum zurückziehen? Das wäre wohl wünschenswert – im Namen von Diskurs und echter Demokratie.