Im US-Staat Vermont sind die Patrouillen der Einwanderungsbehörde unablässig unterwegs. Milchbauern aus Mexiko wagen nicht einmal mehr den Weg zum Arzt – aus Angst vor drohender Abschiebung


Mit Felsbarrieren und Patrouillen schottet die US-Regierung die Grenze zu Kanada immer rigider ab

Foto: Polaris/laif


José Edilberto Molina-Aguilar ruhte sich gerade in seinem Schlafzimmer aus, als ein Kollege durch die Tür stürmte. Durch das Fenster sah der 37-jährige Farmarbeiter aus Chiapas in Mexiko die olivgrünen Uniformen der Einwanderungsbeamten, die sich Zutritt zum Betriebsgelände verschafft hatten.

Die Rede ist von Pleasant Valley Farms in Berkshire, dem größten Milchviehbetrieb im Nordosten des Bundesstaates Vermont, keine fünf Kilometer von der kanadischen Grenze entfernt. Der Betriebsleiter forderte Molina-Aguilar und fünf seiner Kollegen auf, nach draußen zu kommen. „Sie riefen uns zu, wir sollten einfach tun, was sie sagen. Es werde kein Problem geben, aber wir sollten das Haus verlassen“, erzählt Molina-Aguilar über einen Dolmetscher von Migrant Justice, einer Organisation für Migrantenrechte.

Beamte der US-Zoll-und-Grenzschutz-Behörde fragten, ob sie sich rechtmäßig im Land aufhielten. Molina-Aguilar zeigte Unterlagen vor, aus denen hervorging, dass er vor einem Jahr, nachdem er die Grenze im Süden überquert hatte, Asyl beantragt hatte. Prompt wurden seine Unterlagen beschlagnahmt, er und die anderen Männer mit Handschellen gefesselt, in Fahrzeuge der Bundesbehörde gesetzt und von der Farm weggebracht.

Razzien werden bestritten

Nachdem er mehr als einen Monat lang erst in Vermont, dann in Texas inhaftiert war, wurde Molina-Aguilar gegen eine Kaution von 10.000 Dollar freigelassen. Seine Kollegen mussten ausnahmslos das Land verlassen. Aktivisten bezeichnen diese Festnahmen als gravierendsten repressiven Akt in der jüngeren Geschichte Vermonts. Einen Tag später erklärte Gouverneur Phil Scott: „Wanderarbeiter sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Gemeinden“, und bezeichnete sie als „Nachbarn und Freunde“.

Pleasant Valley Farms lehnte jede Stellungnahme ab, vermutlich in dem Bewusstsein, dass dadurch nur ausdrücklich darauf hingewiesen würde, wie dramatisch sich unter der Trump-Regierung der Alltag von Landarbeitern in der Milchwirtschaft von Vermont verändert hat. Die Betriebe wurden zu Orten, an denen sie arbeiten, aber auch gefangen sind. Die Betroffenen schildern ein Klima der Angst, sie seien auf den Bauernhöfen isoliert und hielten selbst kurze Ausflüge – etwa zum Arzt oder zum Einkaufen – für zu gefährlich. Als Konsequenz haben sich für Leute wie Molina-Aguilar die Lebensumstände drastisch verschlechtert.

Die Zahl der Festnahmen von Migranten in Vermont ist sprunghaft gestiegen. Im Vorjahr waren es 110, das Zehnfache im Vergleich zu 2024. Diese Bilanz spart Personen aus, die illegal die Nordgrenze von Kanada aus überquert haben oder wegen einer Straftat festgenommen wurden. Dazu befragt, erklärt Hilton Beckham, Kommissarin der Zoll-und-Grenzschutz-Behörde, dass es sich bei „einer Maßnahme“ wie der auf der Milchfarm um keine Razzia handele. Man habe lediglich auf den Hinweis eines besorgten US-Bürgers reagiert. „Wenn unsere Beamten dabei auf Personen stoßen, die sich illegal im Land aufhalten, nehmen sie diese in Gewahrsam und entscheiden über deren rechtliche Behandlung. Das kann zur Übergabe dieser Personen an andere Behörden führen.“

Auf die Migranten angewiesen

Fest steht: Der Staat Vermont ist Teil eines „Hochdruckkessels“ im Nordosten. Die Hälfte der sechs Bundesstaaten in Neuengland taucht in einer Liste des Justizministeriums auf, in der Orte aufgeführt sind, denen vorgeworfen wird, den Einwanderungsgesetzen nicht genügend Geltung zu verschaffen. Aufgeführt sind Connecticut, Rhode Island und Vermont, dazu die Stadt Boston und Bezirke, die Migranten eine Zuflucht bieten.

Mehr als 1.400 Menschen wurden im September 2025 bei einer Razzia in Massachusetts festgenommen, etwa 200 während der Operation „Catch of the Day“ im Januar 2026 in Maine. Zwar handelte es sich dabei eher um „Maßnahmen“ in städtischen Gebieten, doch laut einer Aufstellung der auf Landwirtschaft spezialisierten Publikation Civil Eats fanden seit Juni 2025 mindestens 50 Razzien auf Farmen, in Betrieben der Lebensmittelverarbeitung und in Restaurants des gesamten Landes statt, darunter auch in Kalifornien, Florida und New York.

„Sie spielen eine essenzielle Rolle in der Milchwirtschaft“, sagte Vermonts Agrarminister Anson Tebbetts über Farmarbeiter ohne permanenten Aufenthaltsstatus. „Es mangelt nun einmal an Arbeitskräften, die Anforderungen an die Branche sind hoch.“ In Vermont seien im zurückliegenden Jahrzehnt Hunderte von Milchviehbetrieben verschwunden, während die Produktion gleichzeitig gesteigert wurde. Letztlich hat für viele Landarbeiter entlang der Grenze das hohe Risiko einer Festnahme dazu geführt, dass sie auf den Farmen festsitzen.

Wenn er in seiner Küche hantiere, sagt in Franklin County einer von ihnen, der aus Angst um seine Sicherheit anonym bleiben möchte, sehe er oft Fahrzeuge der Einwanderungsbehörde in der Nähe der Betonpfeiler patrouillieren, mit denen die Grenze zwischen den USA und Kanada markiert ist. „Bevor Donald Trump regierte, habe ich das Gelände häufig verlassen, um Freunde zu besuchen. Aber inzwischen vermeide ich das. Die Gefahr ist zu groß, nicht mehr zurückkehren zu können.“ In der Regel heiße das, kurzerhand abgeschoben zu werden.

Dieser Mann kam nach Vermont, weil ihm ein Onkel 20.000 Dollar zukommen ließ, um einen Schlepper zu bezahlen. So hoch ist der Preis, der dafür fällig werden kann, die US-Grenze abseits eines legalen Übergangs auf einer halbwegs sicheren Route zu überqueren. Um nach Vermont zu gelangen, lief er tagelang durch die Gegend und schlief in den Nächten unter Bäumen oder Büschen.

Die Tochter noch nie gesehen

Er landete schließlich in Houston, wo er auf der Ladefläche eines Trucks mitgenommen wurde. Mit anderen auf engstem Raum zusammengepfercht, ging es nach Nordosten. Gut ein Jahr habe es gedauert, bis er seine Schulden abzahlen konnte. In der Zeit danach ließ sich Geld sparen, um eines Tages so weit zu sein, in Mexiko eigenes Land zu kaufen. Er habe dort eine Tochter, die er noch nie sehen konnte. Sie wurde geboren, nachdem er in die USA gegangen war.

Der Betrieb zu dieser Geschichte ist die „Milk With Dignity“-Farm, die maßgeblich der Hilfsorganisation Migrant Justice zu verdanken ist. Deren Programm sieht vor, dass Unternehmen wie Ben & Jerry’s einen Aufpreis für an sie verkaufte Milch zahlen, sodass für die Mitarbeiter bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen möglich werden. Die können in einem kleinen Schlafzimmer bestehen, mit dem jeder über einen eigenen privaten Raum verfügt. Außerdem wurde es bisher Freunden und Familienangehörigen erleichtert, auf die Farm zu kommen. Eine Anstellung auf den „Milk With Dignity“-Farmen ist deshalb begehrt und schwer zu bekommen. Das erzielte Einkommen von 950 Dollar pro Woche liegt deutlich über dem, was Landarbeiter aus Mexiko in dieser Branche ansonsten verdienen. Dazu werden fünf Urlaubstage im Jahr, ein Ruhetag pro Woche und – wenn nötig – bezahlte Krankentage gewährt.

Auch wer als Dienstleister Milchfarmen in Vermont aufsucht, kann als migrantischer Arbeiter gefährdet sein. Im Sommer 2025 lieferte der 30-jährige José Ignacio „Nacho“ De La Cruz mexikanische Gerichte wie Birria und Pozole an Farmen im Norden des Bundesstaates aus, darunter auch in Franklin County. Als De La Cruz und seine 18-jährige Stieftochter auf der Route 105 unterwegs waren, hielten Beamte der Grenzschutzbehörde CBP sie an, zertrümmerten mit einem Schlagstock die Scheiben des Wagens und legten De La Cruz wie der schockierten Begleiterin Handschellen an. Den Grund der Festnahme erfuhren sie nicht. Erst auf wiederholte Anfragen hin teilte ein CBP-Mitarbeiter per E-Mail mit: „Die Personen weigerten sich, den rechtmäßigen Anweisungen der Beamten Folge zu leisten. Das führte dazu, dass sie gewaltsam aus dem Fahrzeug geholt wurden.“ Nähere Erläuterungen unterblieben.

„Die beiden waren nur 15 Minuten hier. Wir gingen gerade los, um die nächste Herde Kühe zu holen, als ich eine Nachricht auf meinem Handy erhielt, die darüber informierte, dass sie festgenommen wurden“, erinnert sich ein Landarbeiter aus Franklin County. Der Anwalt Brett Stokes, der De La Cruz vertrat, sprach von einem rassistisch motivierten Profiling, das den Ausschlag für die Kontrolle gegeben habe. Diese sei allein auf äußerliche Merkmale seines Mandanten zurückzuführen gewesen, keineswegs auf ein verdächtiges Verhalten.

Es drohen 15 Jahre Haft

Die CBP hat das umgehend bestritten: „Ich weiß, dass es da draußen viel Gerede gibt, aber so gehen die Beamten nicht vor. Sie betreiben kein Profiling dieser Art, nein, keineswegs“, erklärte im Januar CBP-Deputy-Patrol-Agent Paul Allen in seinem Büro in Swanton, Vermont. Dagegen stand die Aussage von De La Cruz, dass er während der Verhöre in der CBP-Station in Richford bedroht und körperlich angriffen worden sei. Er zahlte schließlich eine Kaution in Höhe von 14.000 Dollar, die ihm der Vermont Freedom Fund, eine unabhängige, von Migrant Justice gegründete Organisation, zukommen ließ. Bald darauf war er wieder auf freiem Fuß.

Als Essenslieferant wäre er mehr denn je eine moralische Stütze für seine Landsleute, weil die meisten von ihnen das Gelände ihrer Farmen nur noch selten verlassen. De La Cruz hat sie schließlich mit mexikanischem Essen versorgt, das sie an ihre Heimat erinnert. Er verkörperte die Verbindung zur Welt draußen vor der Tür. De La Cruz weiß das und hat Schuldgefühle, wenn er bestimmte Orte wegen der damit verbundenen Risiken nicht mehr anfährt. Es habe sie für seinen Lieferservice gestrichen. „Es ist schwer, weil die Leute fragen: ‚Lässt du mich im Stich?‘“, so De La Cruz, der allen Grund hat, vorsichtig zu sein.

Denn im März wurde er erneut von Bundesbeamten festgenommen und bekam den Vorwurf zu hören, Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis bei der Grenzpassage geholfen und sie mit gefälschten Dokumente ausgestattet zu haben. De La Cruz plädierte auf „nicht schuldig“ und wurde gegen eine Kaution von 5.000 Dollar freigelassen. Ein Prozess wird ihm nicht erspart bleiben. In dem anstehenden Verfahren drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Austyn Gaffney stammt aus Kentucky. Sie arbeitet als Reporterin für die New York Times , den Guardian und andere Blätter

Übersetzung: Carola Torti

r über einen Dolmetscher von Migrant Justice, einer Organisation für Migrantenrechte.Beamte der US-Zoll-und-Grenzschutz-Behörde fragten, ob sie sich rechtmäßig im Land aufhielten. Molina-Aguilar zeigte Unterlagen vor, aus denen hervorging, dass er vor einem Jahr, nachdem er die Grenze im Süden überquert hatte, Asyl beantragt hatte. Prompt wurden seine Unterlagen beschlagnahmt, er und die anderen Männer mit Handschellen gefesselt, in Fahrzeuge der Bundesbehörde gesetzt und von der Farm weggebracht.Razzien werden bestrittenNachdem er mehr als einen Monat lang erst in Vermont, dann in Texas inhaftiert war, wurde Molina-Aguilar gegen eine Kaution von 10.000 Dollar freigelassen. Seine Kollegen mussten ausnahmslos das Land verlassen. Aktivisten bezeichnen diese Festnahmen als gravierendsten repressiven Akt in der jüngeren Geschichte Vermonts. Einen Tag später erklärte Gouverneur Phil Scott: „Wanderarbeiter sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Gemeinden“, und bezeichnete sie als „Nachbarn und Freunde“.Pleasant Valley Farms lehnte jede Stellungnahme ab, vermutlich in dem Bewusstsein, dass dadurch nur ausdrücklich darauf hingewiesen würde, wie dramatisch sich unter der Trump-Regierung der Alltag von Landarbeitern in der Milchwirtschaft von Vermont verändert hat. Die Betriebe wurden zu Orten, an denen sie arbeiten, aber auch gefangen sind. Die Betroffenen schildern ein Klima der Angst, sie seien auf den Bauernhöfen isoliert und hielten selbst kurze Ausflüge – etwa zum Arzt oder zum Einkaufen – für zu gefährlich. Als Konsequenz haben sich für Leute wie Molina-Aguilar die Lebensumstände drastisch verschlechtert.Die Zahl der Festnahmen von Migranten in Vermont ist sprunghaft gestiegen. Im Vorjahr waren es 110, das Zehnfache im Vergleich zu 2024. Diese Bilanz spart Personen aus, die illegal die Nordgrenze von Kanada aus überquert haben oder wegen einer Straftat festgenommen wurden. Dazu befragt, erklärt Hilton Beckham, Kommissarin der Zoll-und-Grenzschutz-Behörde, dass es sich bei „einer Maßnahme“ wie der auf der Milchfarm um keine Razzia handele. Man habe lediglich auf den Hinweis eines besorgten US-Bürgers reagiert. „Wenn unsere Beamten dabei auf Personen stoßen, die sich illegal im Land aufhalten, nehmen sie diese in Gewahrsam und entscheiden über deren rechtliche Behandlung. Das kann zur Übergabe dieser Personen an andere Behörden führen.“Auf die Migranten angewiesenFest steht: Der Staat Vermont ist Teil eines „Hochdruckkessels“ im Nordosten. Die Hälfte der sechs Bundesstaaten in Neuengland taucht in einer Liste des Justizministeriums auf, in der Orte aufgeführt sind, denen vorgeworfen wird, den Einwanderungsgesetzen nicht genügend Geltung zu verschaffen. Aufgeführt sind Connecticut, Rhode Island und Vermont, dazu die Stadt Boston und Bezirke, die Migranten eine Zuflucht bieten.Mehr als 1.400 Menschen wurden im September 2025 bei einer Razzia in Massachusetts festgenommen, etwa 200 während der Operation „Catch of the Day“ im Januar 2026 in Maine. Zwar handelte es sich dabei eher um „Maßnahmen“ in städtischen Gebieten, doch laut einer Aufstellung der auf Landwirtschaft spezialisierten Publikation Civil Eats fanden seit Juni 2025 mindestens 50 Razzien auf Farmen, in Betrieben der Lebensmittelverarbeitung und in Restaurants des gesamten Landes statt, darunter auch in Kalifornien, Florida und New York.„Sie spielen eine essenzielle Rolle in der Milchwirtschaft“, sagte Vermonts Agrarminister Anson Tebbetts über Farmarbeiter ohne permanenten Aufenthaltsstatus. „Es mangelt nun einmal an Arbeitskräften, die Anforderungen an die Branche sind hoch.“ In Vermont seien im zurückliegenden Jahrzehnt Hunderte von Milchviehbetrieben verschwunden, während die Produktion gleichzeitig gesteigert wurde. Letztlich hat für viele Landarbeiter entlang der Grenze das hohe Risiko einer Festnahme dazu geführt, dass sie auf den Farmen festsitzen.Wenn er in seiner Küche hantiere, sagt in Franklin County einer von ihnen, der aus Angst um seine Sicherheit anonym bleiben möchte, sehe er oft Fahrzeuge der Einwanderungsbehörde in der Nähe der Betonpfeiler patrouillieren, mit denen die Grenze zwischen den USA und Kanada markiert ist. „Bevor Donald Trump regierte, habe ich das Gelände häufig verlassen, um Freunde zu besuchen. Aber inzwischen vermeide ich das. Die Gefahr ist zu groß, nicht mehr zurückkehren zu können.“ In der Regel heiße das, kurzerhand abgeschoben zu werden.Dieser Mann kam nach Vermont, weil ihm ein Onkel 20.000 Dollar zukommen ließ, um einen Schlepper zu bezahlen. So hoch ist der Preis, der dafür fällig werden kann, die US-Grenze abseits eines legalen Übergangs auf einer halbwegs sicheren Route zu überqueren. Um nach Vermont zu gelangen, lief er tagelang durch die Gegend und schlief in den Nächten unter Bäumen oder Büschen.Die Tochter noch nie gesehenEr landete schließlich in Houston, wo er auf der Ladefläche eines Trucks mitgenommen wurde. Mit anderen auf engstem Raum zusammengepfercht, ging es nach Nordosten. Gut ein Jahr habe es gedauert, bis er seine Schulden abzahlen konnte. In der Zeit danach ließ sich Geld sparen, um eines Tages so weit zu sein, in Mexiko eigenes Land zu kaufen. Er habe dort eine Tochter, die er noch nie sehen konnte. Sie wurde geboren, nachdem er in die USA gegangen war.Der Betrieb zu dieser Geschichte ist die „Milk With Dignity“-Farm, die maßgeblich der Hilfsorganisation Migrant Justice zu verdanken ist. Deren Programm sieht vor, dass Unternehmen wie Ben & Jerry’s einen Aufpreis für an sie verkaufte Milch zahlen, sodass für die Mitarbeiter bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen möglich werden. Die können in einem kleinen Schlafzimmer bestehen, mit dem jeder über einen eigenen privaten Raum verfügt. Außerdem wurde es bisher Freunden und Familienangehörigen erleichtert, auf die Farm zu kommen. Eine Anstellung auf den „Milk With Dignity“-Farmen ist deshalb begehrt und schwer zu bekommen. Das erzielte Einkommen von 950 Dollar pro Woche liegt deutlich über dem, was Landarbeiter aus Mexiko in dieser Branche ansonsten verdienen. Dazu werden fünf Urlaubstage im Jahr, ein Ruhetag pro Woche und – wenn nötig – bezahlte Krankentage gewährt.Auch wer als Dienstleister Milchfarmen in Vermont aufsucht, kann als migrantischer Arbeiter gefährdet sein. Im Sommer 2025 lieferte der 30-jährige José Ignacio „Nacho“ De La Cruz mexikanische Gerichte wie Birria und Pozole an Farmen im Norden des Bundesstaates aus, darunter auch in Franklin County. Als De La Cruz und seine 18-jährige Stieftochter auf der Route 105 unterwegs waren, hielten Beamte der Grenzschutzbehörde CBP sie an, zertrümmerten mit einem Schlagstock die Scheiben des Wagens und legten De La Cruz wie der schockierten Begleiterin Handschellen an. Den Grund der Festnahme erfuhren sie nicht. Erst auf wiederholte Anfragen hin teilte ein CBP-Mitarbeiter per E-Mail mit: „Die Personen weigerten sich, den rechtmäßigen Anweisungen der Beamten Folge zu leisten. Das führte dazu, dass sie gewaltsam aus dem Fahrzeug geholt wurden.“ Nähere Erläuterungen unterblieben.„Die beiden waren nur 15 Minuten hier. Wir gingen gerade los, um die nächste Herde Kühe zu holen, als ich eine Nachricht auf meinem Handy erhielt, die darüber informierte, dass sie festgenommen wurden“, erinnert sich ein Landarbeiter aus Franklin County. Der Anwalt Brett Stokes, der De La Cruz vertrat, sprach von einem rassistisch motivierten Profiling, das den Ausschlag für die Kontrolle gegeben habe. Diese sei allein auf äußerliche Merkmale seines Mandanten zurückzuführen gewesen, keineswegs auf ein verdächtiges Verhalten.Es drohen 15 Jahre HaftDie CBP hat das umgehend bestritten: „Ich weiß, dass es da draußen viel Gerede gibt, aber so gehen die Beamten nicht vor. Sie betreiben kein Profiling dieser Art, nein, keineswegs“, erklärte im Januar CBP-Deputy-Patrol-Agent Paul Allen in seinem Büro in Swanton, Vermont. Dagegen stand die Aussage von De La Cruz, dass er während der Verhöre in der CBP-Station in Richford bedroht und körperlich angriffen worden sei. Er zahlte schließlich eine Kaution in Höhe von 14.000 Dollar, die ihm der Vermont Freedom Fund, eine unabhängige, von Migrant Justice gegründete Organisation, zukommen ließ. Bald darauf war er wieder auf freiem Fuß.Als Essenslieferant wäre er mehr denn je eine moralische Stütze für seine Landsleute, weil die meisten von ihnen das Gelände ihrer Farmen nur noch selten verlassen. De La Cruz hat sie schließlich mit mexikanischem Essen versorgt, das sie an ihre Heimat erinnert. Er verkörperte die Verbindung zur Welt draußen vor der Tür. De La Cruz weiß das und hat Schuldgefühle, wenn er bestimmte Orte wegen der damit verbundenen Risiken nicht mehr anfährt. Es habe sie für seinen Lieferservice gestrichen. „Es ist schwer, weil die Leute fragen: ‚Lässt du mich im Stich?‘“, so De La Cruz, der allen Grund hat, vorsichtig zu sein.Denn im März wurde er erneut von Bundesbeamten festgenommen und bekam den Vorwurf zu hören, Migranten ohne Aufenthaltserlaubnis bei der Grenzpassage geholfen und sie mit gefälschten Dokumente ausgestattet zu haben. De La Cruz plädierte auf „nicht schuldig“ und wurde gegen eine Kaution von 5.000 Dollar freigelassen. Ein Prozess wird ihm nicht erspart bleiben. In dem anstehenden Verfahren drohen bis zu 15 Jahre Haft.



Source link

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert