In autoritären Staaten exekutieren meist Geheimdienste den Terror gegen „Abweichler“, bis diese kapitulieren – oder im Kerker verschwinden. In der Bundesrepublik 35 Jahre nach der Wiedervereinigung sind solche Institutionen nicht nötig: Es gelang, eine Atmosphäre zu schaffen, in der „Abweichler“ auch ohne Geheimdienste eingeschüchtert werden. Genau wie die DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley einst vorhersagte – dazu unten mehr.

Das waren meine ersten Gedanken, als ich die neueste Nachricht aus Nienburg las. Ein 74-jähriger Rentner kandidierte dort legal für eine legal zugelassene Partei für ein lokales Gremium. Sie dürfen dreimal raten, für welche. Und nicht irgendwo auf der Liste: als Spitzenkandidat. Was passierte? Seine Söhne werden bestraft. Nicht er – sie. Kunden stornieren Reservierungen in ihren Restaurants, obwohl diese mit der Kandidatur des Vaters rein gar nichts zu tun haben. Das ist kein spontaner Boykott aus Überzeugung – das ist existenzbedrohende soziale Disziplinierung, um den Vater über die Vernichtung der Kinder zu brechen.

Enzo Vazzano, dritter von links, im Kreise von AfD-Parteifreunden.

Und es hat funktioniert. Perfekt.