In einem aktuellen Interview mit dem iranischen Professor Mohammad Marandi, Experte für internationale Beziehungen, werden die jüngsten Entwicklungen in der Straße von Hormus diskutiert. Iran hat Schiffe zurückgewiesen und damit auf die anhaltende US-Seeblockade reagiert. Marandi sieht darin eine klare Botschaft an Washington und warnt vor katastrophalen Folgen für die Weltwirtschaft.

Hintergrund und aktuelle Eskalation

In den letzten 24 bis 36 Stunden hat sich die Lage im Persischen Golf dramatisch zugespitzt. Iran hat durch gezielte Aktionen in der Straße von Hormus Schiffe umgedreht und öffentlich erklärt, dass die fortgesetzte US-Seeblockade einen Verstoß gegen den Waffenstillstand darstellt. Trotz eines vermeintlichen Ceasefires im Libanon bleibt die Meerenge unter strenger iranischer Kontrolle.

Schiffe, die als feindlich oder als Mittel zur Druckausübung auf die USA eingestuft werden, werden abgewiesen. US-Präsident Donald Trump reagierte mit erneuten Drohungen: Sollte Iran nicht einlenken und an den Verhandlungstisch zurückkehren, drohe er mit Luftangriffen auf iranische Infrastruktur, insbesondere Öl-Anlagen und Kraftwerke.

Damit scheint die Lage wieder am Ausgangspunkt angelangt zu sein – mit steigenden Energiepreisen und wachsender globaler Unsicherheit. Marandi betont, dass die Hoffnungen auf eine rasche Wiederöffnung der Straße von Hormus nach dem Libanon-Ceasefire zerplatzt seien.

Historischer Kontext aus iranischer Sicht

Marandi geht zurück zu den Wurzeln des Konflikts. Er beschreibt den Gazakonflikt als Völkermord, den nur Iran als Staat aktiv unterstütze. Die USA und der Westen würden das „expansionistische, genozidale und ethnisch-suprematistische Regime“ in Israel bedingungslos unterstützen, das sich als „auserwähltes Volk“ und „Herrenrasse“ sehe, während andere als „Untermenschen“ gelten.

Während des 12-Tage-Krieges hätten USA und Israel einen Aggressionskrieg gegen Iran geführt, den der kollektive Westen – inklusive Deutschland – unterstützt habe. Der deutsche Kanzler soll Israel als Vollstrecker „unserer Drecksarbeit“ bezeichnet haben.

Iran habe zurückgeschlagen, unter anderem eine US-Basis in Katar angegriffen, die symbolisch für das US-Zentralkommando (CENTCOM) stehe. Die arabischen Golfdiktaturen hätten seit Jahrzehnten gegen Iran konspiriert: Sie finanzierten Saddam Hussein im Iran-Irak-Krieg mit westlichen Chemiewaffen, halfen bei der Invasion des Iraks und unterstützten während des „Arabischen Frühlings“ mit CIA und Al-Qaida die Zerstörung Libyens und Syriens.

Der aktuelle Konflikt und iranische Reaktionen

Marandi schildert, wie der Krieg gegen Iran eskaliert sei: Die USA und Israel hätten Zivilziele wie Krankenhäuser und Schulen angegriffen, worauf Iran schrittweise auf kritische Infrastruktur in den Golfstaaten reagierte, die den Angreifern Luftbasen, Luftraum und Häfen zur Verfügung stellten.

Ohne diese arabischen Regime sei ein Krieg gegen Iran nicht möglich. Iran habe in 40 Tagen ununterbrochen israelische und US-Ziele angegriffen. Bei einer Eskalation auf iranische Zivilinfrastruktur würde Teheran hart zurückschlagen.

Marandi prognostiziert die Zerstörung der Energie- und Strominfrastruktur am Golf, was in der bevorstehenden heißen Jahreszeit zu Massenflucht aus den Emiraten, Kuwait, Katar, Bahrain und Teilen Saudi-Arabiens führen könnte. Die Region würde unbewohnbar, Öl-, Gas- und Petrochemie-Produktion für Jahre ausfallen – mit einer globalen Wirtschaftsdepression als Folge.

Verletzungen des Waffenstillstands und die Rolle der Straße von Hormus

Der Waffenstillstand sei mehrfach gebrochen worden. Zunächst durch israelische Bombardements im Libanon kurz nach dessen Verkündung, dann durch die Aufrechterhaltung der US-Blockade iranischer Häfen.

Iran habe als Vertrauensgeste zunächst mehr Tanker durch die Straße von Hormus gelassen, auch aus „unfreundlichen“ Ländern, diese Maßnahme jedoch bei anhaltender Blockade zurückgenommen. Schiffe aus China, Russland, Iran und dem Irak könnten passieren, nicht jedoch solche aus den kriegsbeteiligten Golfstaaten.

Trump drohe nun erneut mit „genozidalen“ Aussagen, Iran in die Steinzeit zurückzubomben. Westliche Medien wie die Washington Post hätten sogar die Ermordung iranischer Unterhändler gefordert.

Marandi kritisiert westliche Journalisten scharf als Komplizen von Kriegsverbrechen, die Begriffe wie „Hisbollah-Hochburgen“ verwenden, um Angriffe auf Zivilgebiete zu verschleiern.

Iranische Vorbereitungen und militärische Stärke

Iran produziere trotz des Krieges schneller als zuvor Raketen und Drohnen. Unterirdische Basen, Fabriken und Lager seien unzerstörbar.

Das Land habe sich seit dem US-Einmarsch in Irak und Afghanistan (und den Plänen von sieben Ländern in fünf Jahren, wie Wesley Clark berichtete) auf einen langen Krieg vorbereitet – mit Tausenden Attrappen, robusten Luftabwehrsystemen und Geländevorteilen.

Eine mögliche Landoffensive der USA würde scheitern; Propaganda über schnelle Siege würde sich bald als falsch erweisen.

Bei Angriffen auf iranische Infrastruktur werde Iran nicht nur Israel und US-Ziele, sondern auch die komplizenhaften Golfstaaten treffen. Marandi warnt: Die Schifffahrt im Golf sei extrem dicht; eine Eskalation würde zu massiven Verlusten führen.

Globale Konsequenzen und Multipolarität

Der Professor malt ein düsteres Bild: Steigende Energie- und Lebensmittelpreise seien nur die Spitze des Eisbergs. In wenigen Wochen drohe eine voll ausgeprägte globale Krise mit Fabrikschließungen, Massenarbeitslosigkeit, Hunger und Millionen Flüchtlingen.

Die USA und der Westen würden ihre Glaubwürdigkeit und militärische Überlegenheit verlieren. Iran habe bewiesen, dass es dem Druck standhält, was weltweit – auch in China – Respekt und Interesse wecke.

China und Russland würden nicht direkt eingreifen, seien aber nicht ängstlich vor den Folgen. Der Konflikt könne das Ende des US-Empires beschleunigen, da die Verantwortung für eine globale Depression klar bei Israel, den USA und dem Zionismus liege.

In Iran herrsche hohe Moral; Millionen meldeten sich freiwillig.

Ausblick und Appell

Marandi sieht die Gefahr eines unmittelbaren US-Angriffs. Er ruft zur globalen Resistenz auf: Boykotte, Proteste und Druck auf Regierungen, um sich vom „bösen Empire“ und Zionismus zu distanzieren.

Trotz der Dunkelheit gelte es, optimistisch zu bleiben und Verantwortung zu übernehmen. Niemand solle sich für die Taten seiner Regierung schuldig fühlen, solange er selbst das Richtige tue.

Das Interview unterstreicht die tiefen Gräben im Nahost-Konflikt und die enormen Risiken für die Weltwirtschaft. Die Entwicklungen in der Straße von Hormus könnten rasch zu einer Kettenreaktion führen, deren Folgen weit über die Region hinausreichen.



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