In Kürze:

  • Hessen führt zum 80-jährigen Bestehen ein neues Logo ein
  • Ursprünglich veranschlagte Kosten deutlich überschritten
  • Opposition kritisiert Ausgaben als falsches Signal
  • Regierung verweist auf Modernisierung und Tradition

 

In Hessen sorgt derzeit eine Änderung an der optischen Außendarstellung des Bundeslandes für Irritationen. Die Landesregierung hat dem Land anlässlich seines 80-jährigen Jubiläums ein neues sogenanntes Corporate Design verpasst. Hessens bisheriges Logo und speziell der Löwe als Wappentier seien nicht mehr in optimaler Weise digital darstellbar.

Deshalb beauftragte die Staatskanzlei die Agentur Ogilvy mit der Entwicklung des neuen visuellen Erscheinungsbildes, das „digitaler und moderner“ sein solle. Zentrales Element soll nun das „modernisierte Volksstaatswappen von 1919“ sein, das auf das demokratische Erbe verweise. Dazu soll der Schriftzug „Hessen“ künftig in einer „kraftvollen, ruhigen Typografie“ erscheinen.

Hessen erhält sogar eine eigene Hausschrift

An die Stelle der stark in Rot und Weiß gehaltenen alten Farbgebung tritt eine in den Farben Blau und Weiß gehaltene Gestaltung. Mit „Hessen Gellix“ erhielt das Bundesland sogar seine eigene Hausschrift. Damit habe man, wie Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) betont, „ein Design entwickelt, das in die Zukunft weist, ohne unsere Wurzeln zu vergessen“.

Anlässlich der Präsentation der neuen Außendarstellung am 23. März im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main erklärte der Regierungschef: „Mit dem neuen Erscheinungsbild wird sichtbar, wofür Hessen steht: für eine starke Verbindung aus Tradition und Fortschritt, aus Identität und Weltoffenheit, aus Herkunft und Zukunft.“
Das neue Design gilt grundsätzlich für alle Dienststellen des Landes, heißt es vonseiten der Staatskanzlei. Zuerst stellten diese selbst und die Ministerien auf dieses Design um. Später sollen sich die oberen Landesbehörden und danach auch alle anderen Behörden bis zu den Finanzämtern anschließen.

Zuletzt hatte es im Jahr 2004 eine grundlegende Umstellung der Außendarstellung gegeben. Für die Kampagne zur Vorstellung der Neugestaltung hatte man sogar einen bekannten Modedesigner für eine Modenschau gewonnen.

Ursprünglich angekündigte Kosten umfassten nur die Entwicklung des Logos

Während die Präsentation selbst ohne Misstöne vonstattenging, gibt es mittlerweile deutliche Kritik aus der Opposition an der Erneuerung. Grund dafür ist, dass offenbar die Kosten, die damit verbunden sind, zuvor gemachte Ankündigungen deutlich überragen.

Ursprünglich sprach die Hessische Staatskanzlei von rund 290.000 Euro, die für die Entwicklung des neuen Auftritts erforderlich wären. Diese deckten Strategie, Konzeption und Designentwicklung ebenso ab wie die Typografie inklusive Hausschrift.

Die Umsetzung sollte dabei schrittweise erfolgen. Vorhandene Bestände an Briefpapier und Materialien seien zunächst aufzubrauchen.

Mittlerweile ist jedoch von Kosten die Rede, die sich für den Steuerzahler auf rund 800.000 Euro belaufen könnten. Der „hessenschau“ zufolge deckte die zuvor genannte Summe nur die Gestaltungskosten ab.

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Kritik bei Grünen und FDP in Hessen – Lob aus der Kommunikationsbranche

Der Chef der Staatskanzlei, Benedikt Kuhn, erklärte, neben der Logoentwicklung selbst habe man auch das Design von Merchandising-Artikeln wie Tassen und Fahnen neu gestaltet. Dies habe zusammen die Kosten auf 525.000 Euro gesteigert. Weitere 250.000 Euro seien für die Umgestaltung aller Websites der Landesverwaltung dazugekommen.

Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Miriam Dahlke, sprach von einem „verheerenden Signal“. Es sei nicht vermittelbar, „so viel Geld für den Außenauftritt der Landesregierung inklusive Modeschau auszugeben, während an der Bildung für Schülerinnen und Schüler gekürzt wird“.

Auch FDP-Haushaltssprecherin Marion Schardt-Sauer wirft laut „hessenschau“ der Landesregierung einen Mangel an Gespür vor: „Teure und pompös inszenierte PR-Aktionen helfen nicht gegen Politikverdrossenheit. Im Gegenteil: Sie lösen sie aus.“

Angetan zeigt sich hingegen der Berliner Kommunikationsberater Armin Petschner-Multari. Er schreibt auf X:

„Politik und Regierungshandeln sind eben mehr als reines Verwalten. Gerade die Anknüpfung an den Volksstaat Hessen finde ich sehr gelungen. Es braucht in Deutschland mehr staatliche Symbolik, nicht weniger.“





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