Er lässt sich heiligsprechen und mimt den wütenden Weltenvernichter. Doch der US-Präsident ist nicht nur am Durchdrehen. Er verkörpert die Struktur der populistischen Welle unserer Jahre: Über die düstere Seite von Kämpfen um Anerkennung


Würde, Demütigung und Anerkennung sind Begriffe, die in den heutigen Konflikten von allen Seiten verwendet und missbraucht werden, schreibt Slavoj Žižek

Collage: der Freitag; Material: Leonhard Simon/SZ Photo/dpa (links), Donald Trump/Truth Social


Am 1. April 2026 – dem einzig passenden Datum – verglich Donald Trumps spirituelle Beraterin Paula White-Cain den Präsidenten während eines Osteressens im Weißen Haus mit Jesus Christus: „Jesus lehrte uns durch seinen Tod, sein Begräbnis und seine Auferstehung so viele Lektionen. Er zeigte uns, dass große Führung und große Veränderung große Opfer erfordern. Und Herr Präsident, niemand hat einen so hohen Preis bezahlt wie Sie. Es hätte Sie beinahe das Leben gekostet“, sagte White-Cain, während der Präsident hinter ihr stand. „Sie wurden verraten, verhaftet und fälschlicherweise beschuldigt. Es ist ein bekanntes Muster, das uns unser Herr und Erlöser gezeigt hat. Aber für ihn war es damit nicht vorbei, und auch für Sie war es damit nicht vorbei.“

Der Heilige der Gossensprache

In der Vergangenheit hat White-Cain auch schon verkündet, das Weiße Haus sei „heiliger Boden“ und: „Nein zu Präsident Trump zu sagen, hieße, Nein zu Gott zu sagen“. Es ist wichtig, diese lächerliche Erhebung Trumps in einen quasi-göttlichen Status als Kehrseite seines Rückfalls in die öffentliche Vulgarität zu lesen. Bei einem von Saudi-Arabien unterstützten Investitionsforum in Florida sagte Trump unlängst, der saudische Kronprinz MbS, der faktische Herrscher des Landes, habe nicht erwartet, dass die USA unter seiner Präsidentschaft ein starkes Comeback erleben würden: „Er dachte nicht, dass das passieren würde (…). Er dachte nicht, dass er mir in den Arsch kriechen müsste (…). Er dachte, es wäre nur ein weiterer amerikanischer Präsident, der ein Verlierer ist (…). Aber jetzt muss er nett zu mir sein.“ Trump lobte MbS weiterhin als Freund. Doch mit Freunden wie Trump braucht es keine Feinde.

Und so weiter: Am Sonntag, dem 5. April 2026, schrieb Trump: „Dienstag ist im Iran Tag des Kraftwerks und Tag der Brücken, alles in einem. So etwas gibt es nicht!!! Macht endlich die verdammte Meerenge auf, ihr verrückten Bastarde, sonst lebt ihr in der Hölle – wartet nur ab! Lob sei Allah. Präsident DONALD J. TRUMP.“

Die allgemeine Reaktion auf diesen extrem vulgären Ausbruch war, dass Trump jetzt die Nerven verliere und seine geistige Stabilität gefährdet sei. Kein Wunder, dass einige Politiker wie Chuck Schumer fordern, ihn seines Amtes zu entheben. Es geht hier jedoch nicht nur um den geistigen Zustand einer Einzelperson. Die Frage ist, wie eine solche Person in einem öffentlichen Amt aktiv sein kann.

Und Trump bildet hier keine Ausnahme: Der israelische Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir, stets von Trump verteidigt, trägt seit Kurzem eine goldene, schlingenförmige Anstecknadel als Zeichen seiner Unterstützung für das neue Gesetz, das Militärgerichten im Westjordanland erlaubt, Palästinenser, die des „Terrorismus“ beschuldigt werden, ohne ordentliches Verfahren und ohne Verteidigungsrecht zum Tode zu verurteilen – ein Gesetz, das offen rassistisch ist und nur für Palästinenser gilt.

Wie konnten wir an diesen Punkt gelangen, an dem dem Führer des mächtigsten Landes der Welt gleichzeitig ein göttlicher Status verliehen wird und er sich wie ein vulgärer, obszöner Rüpel benimmt? Die Antwort liegt in der Struktur der populistischen Welle der Gegenwart.

Solche Entäußerungen beweisen, dass unsere Gesellschaften einem „Weltuntergang“ entgegensteuern. So idealistisch das auch klingen mag: Der Verfall der wirtschaftlichen und sozialen Ordnung, den wir erleben, wurzelt letztlich in diesem kulturellen Niedergang. Wir bekommen, was wir verdienen. In diesem Sinne können wir erwarten, dass Trump einen Ring in Form seines Hinterns trägt und von ausländischen Besuchern verlangt, ihn respektvoll zu küssen.

Heute über Terrorismus zu sprechen, ohne die USA, Israel und die Länder, die deren Taten tolerieren, als Hauptterroristen zu benennen, ist die ultimative Heuchelei. Wie konnten wir an diesen Punkt gelangen, an dem dem Führer des mächtigsten Landes der Welt gleichzeitig ein göttlicher Status verliehen wird und er sich wie ein vulgärer, obszöner Rüpel benimmt? Die Antwort liegt in der Struktur der populistischen Welle der Gegenwart.

Sergio Benvenuto analysiert in Anlehnung an das kürzlich erschienene Buch Vent’anni di Rabbia („Zwanzig Jahre des Zorns“) des politischen Philosophen Carlo Invernizzi-Accetti die Ursprünge dieser Welle, sowohl links als auch rechts. Er sieht sie als Folge des Scheiterns liberal-demokratischer Versprechen: Da die einfachen Menschen – die Abgehängten – das Gefühl haben, in der modernen Gesellschaft keine Rolle mehr zu spielen, ist ein tiefer Groll gegen die politischen Eliten und vor allem gegen jenen Teil der Bevölkerung entstanden, den der Autor als die „Vorreiter“ bezeichnet: die kulturell fortgeschrittenen Schichten, die die großen Metropolen bewohnen.

Zwanzig Jahre Wut: Populismus ist ein „Kampf um Anerkennung“

Kurz gesagt: Die Betonung liegt hier auf „Gefühl“. Der neue Populismus ist keine primär von wirtschaftlicher Not getriebene Revolte, selbst bei Leuten, denen es wirtschaftlich tatsächlich nicht gut geht. Es handelt sich eher um einen „Kampf um Anerkennung“ im Hegelschen Sinne. Diese Frustration über mangelnde Anerkennung führt zum Niedergang der Demokratie und beschwört die Gefahr einer demagogischen Autokratie herauf.

Hier ist ein längeres Zitat angebracht: „Invernizzi hat eine neue soziopolitische Kategorie vorgeschlagen, die mehr Aufmerksamkeit verdient: den ‚Lo Sfigato‘, den Verlierer, etwas zwischen dem Verfluchten und dem Uncoolen. Diese kosmisch-historische Figur ist der Protagonist der letzten zwei Jahrzehnte Politik und das Thema seines Buches ‚Zwanzig Jahre Wut: Wie Groll die Politik ersetzt hat‘“.

Verlierer werden dabei – ich paraphrasiere Sergio Benvenuto – auch als Zurückgelassene bezeichnet, selbst wenn sie heute politische Gewinner sind – zumal nach Trumps Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten und den spektakulären Wahlerfolgen von Populisten in ganz Europa. Aus dieser sind diese Verlierer die Subjekte dessen, was wir Populismus nennen.

Er konzentriert sich auf populistische Vorreiter wie die Globalisierungskritiker um die Jahrtausendwende: Occupy Wall Street sowie Beppe Grillo und die Grillini – die Fünf-Sterne-Bewegung in Italien. Auch die Aufstände in den französischen Vorstädten zählt er hinzu, die spanischen Indignados, radikale Umweltschützer, #MeToo, die Gelbwesten, die immer stärker werdende extreme Rechte (Le Pen, Salvini, Meloni, AfD, Farage, Trump usw.) und andere Wahl- oder Straßenbewegungen, die er durch einen gemeinsamen Faden verbunden sieht.

Die Links-Rechts-Einteilung verliert an Erklärungskraft

Dabei ist es sekundär, ob diese Bewegungen als links oder rechts gelten. Invernizzis Analyse schließt auch Parteien wie Sahra Wagenknechts Allianz in Deutschland ein. Tatsächlich scheint die Links-Rechts-Einteilung heute nicht mehr der relevanteste Ansatz zu sein, um die Polarisierung in unseren Gesellschaften zu verstehen. Invernizzi kommt direkt zur Sache: Der Treibstoff des Populismus ist nicht primär Armut oder wirtschaftlicher Abstieg als solcher.

Er weist darauf hin, dass die Wählerschaft der Fünf-Sterne-Bewegung, die Italien von 2018 bis 2022 regierte, auf ihrem Höhepunkt alle sozialen und Einkommensgruppen umfasste. Ähnlich verhält es sich mit den Gelbwesten; auch die waren in der Regel nicht arm, eher Angehörige der Mittelschicht in städtischen Randgebieten oder ländlichen Regionen. Nach dieser Analyse beziehen sich populistische Bewegungen „selten auf materielle Forderungen, sondern beschwören stattdessen oft Begriffe wie ‚Wert‘, ‚Größe‘ und ‚Würde‘ und deuten damit auf eine hypothetische universelle Prestigehierarchie hin.“

Populistische Bewegungen von heute stellen selten auf rein materielle Forderungen ab, selbst wenn ihr Publikum solche hätte. Es geht ihnen um „Wert“, „Würde“, „Größe“. Schon Ernst Bloch wusste, dass der Mensch nicht vom Brot alleine lebt – besonders dann, wenn er keins hat.

Kurz gesagt: Das in weiten Teilen der Politikwissenschaft von rechts bis links vertretene Dogma, dass wirtschaftliche Faktoren stets der Schlüssel zu politischen Phänomenen seien, steht in dieser Form infrage. Bis heute gehen viele Intellektuelle davon aus, dass man, um die seltsamen Gefühle hinter solcher Feindseligkeit zu verstehen, nur wissen muss, wer Geld verdient oder verliert und warum. Doch wie Ernst Bloch einst sagte: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein – besonders dann nicht, wenn er keins hat.

Solche Wut ist abstrakt und wird nicht durch ein konkretes Programm ausgelöst. In der Regel konzentriert sie sich auf detaillierte Handlungen oder Forderungen, die leicht durch andere ersetzt werden können – sie besitzen keinen inhärenten Wert. Man sollte auch bedenken, dass die Proteste von 1968 genau in dem Moment ausbrachen, als der Wohlfahrtsstaat seinen Höhepunkt erreichte, also als die materiellen Lebensbedingungen der breiten Bevölkerung am besten waren. In diesem Sinne schlägt schon Peter Sloterdijk eine alternative Geschichte des Westens als Geschichte des Zorns vor.

Die Geschichte des Westens ist eine Geschichte des Zorns

Schon die Ilias, der Gründungstext des Abendlandes, beginnt mit dem Wort „Zorn“: Homer bittet die Göttin um Hilfe, um das Lied vom Zorn des Achill und seinen verheerenden Folgen zu singen. Obwohl der Streit zwischen Achill und Agamemnon auch erotische Aspekte berührt – Agamemnon nahm Achill die Sklavin Briseis weg –, ist sie nicht Gegenstand intensiver erotischer Anziehung, sondern an sich völlig irrelevant: Was zählt, ist nicht die frustrierte sexuelle Befriedigung, sondern der verletzte Stolz.

Und es erscheint durchaus passend, dass in unserem Moment, dem Moment, der als das „Ende der Geschichte“ wahrgenommen wird, die Wut erneut entbrannte und das Ende sich mit dem Anfang vereinte. Bereits Ende der 1960er Jahre gab es zwei Formen der Wut: die westlichen Studentenproteste und die chinesische Kulturrevolution; vor ein oder zwei Jahrzehnten, mit den großen linken Protesten gegen das Establishment in der Türkei, Griechenland und im Arabischen Frühling, bestanden die protestierenden Menschenmengen auf Würde statt Brot, obwohl viele von ihnen in extremer Armut lebten.

Und gilt das nicht auch für den Krieg zwischen den USA/Israel und dem Iran, der im März 2026 begann? Während Iran unter Armut und Zerstörung leidet, macht seine politische Elite deutlich, dass es nicht wirklich um Öl geht, sondern um die Würde des Landes, um die Weigerung, einen demütigenden Frieden zu akzeptieren. Deshalb hatte Bloch vollkommen recht: Gerade wenn die Menschen kein Brot haben, wollen sie deutlich machen, dass es nicht wirklich um Brot geht. Und auch die Gegenseite will nicht nur höhere Gewinne. Haben die Nazis wirklich bis 1945 nur wegen der Profite ihrer Schwerindustrie durchgehalten? Nein, ihr Durchhalten, als der Krieg offensichtlich verloren war, war in einem perversen Sinne „ethisch“.

Sein Vernichtungs-Tweet ist kein Einzelfall: Trump und die „Auschlöschung“

Doch was ist nun mit diesem Moment, als Trump drohte, den Iran in die Steinzeit zurückzuversetzen – handelt er angesichts der drohenden Katastrophe eines größeren Krieges und einer unvorhersehbaren Wirtschaftskrise wirklich nur, um dem militärisch-industriellen Komplex neuen Auftrieb zu geben? Natürlich nicht: Er handelt mit dem klaren Ziel, eine Zivilisation auszulöschen.

Im November 2025 präsentierten die USA in dem 33-seitigen Dokument „Nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten von Amerika“, das vom Weißen Haus stillschweigend veröffentlicht wurde, eine globale ideologische Vision, die im Grunde genau das ist, was er Europa vorwirft: die Auslöschung von Zivilisationen.

Das Dokument stellt zwar wirtschaftliche Probleme Europas fest, betont aber, dass diese „von der realen und viel düstereren Aussicht auf den Untergang unserer Zivilisation“ innerhalb der nächsten 20 Jahre „überschattet werden“: „Zu den größeren Herausforderungen Europas zählen die Aktivitäten der Europäischen Union und anderer transnationaler Organisationen, die die politische Freiheit und Souveränität untergraben, Migrationspolitiken, die den Kontinent verändern und Konflikte schüren, die Zensur der Meinungsfreiheit und die Unterdrückung der politischen Opposition, sinkende Geburtenraten sowie der Verlust nationaler Identitäten und des Selbstbewusstseins.“

Trump meint, was er sagt. Und was er sagt, schafft Fakten

Am Morgen des 7. April 2026 schrieb Trump: „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen und nie wiederkehren. Ich will nicht, dass das passiert, aber es wird wahrscheinlich so kommen. Doch jetzt, da wir einen vollständigen Regimewechsel erleben, bei dem andere, klügere und weniger radikalisierte Köpfe die Oberhand gewinnen, kann vielleicht etwas revolutionär Wunderbares geschehen, wer weiß? Heute Abend werden wir einen der wichtigsten Momente in der langen und komplexen Geschichte der Welt erleben. 47 Jahre Erpressung, Korruption und Tod werden endlich ein Ende finden. Gott segne das großartige Volk des Iran!“

Trotz der gut dokumentierten Gewalt des iranischen Regimes steht Iran im jetzigen Krieg als Opfer des US-israelischen Angriffs für die Zivilisation an sich.

Um es klarzustellen: Es geht hier nicht um den sogenannten „Kampf der Zivilisationen“. Trotz der gut dokumentierten Gewalt des iranischen Regimes steht Iran hier als Opfer des US-israelischen Angriffs für die Zivilisation an sich. Die USA und Israel agieren wie unzivilisierte Barbaren, die die Zivilisation als solche zerstören wollen. Auf die Frage, ob er sich Sorgen über die Einstufung von Angriffen auf die Infrastruktur als Kriegsverbrechen mache, entgegnet Trump: „Das beunruhigt mich nicht. Wissen Sie, was ein Kriegsverbrechen das ist? Das Kriegsverbrechen ist, dem Iran den Besitz von Atomwaffen zu ermöglichen.“

Hier gibt es zwei bittere Ironien. Derselbe Mann, der „Gott segne das großartige Volk des Iran“ schreibt, droht mit der Auslöschung. Es ist, als würde Netanjahu nach dem, was die israelischen Streitkräfte dort angerichtet haben, das „großartige Volk von Gaza“ preisen. Der Präsident einer Atommacht, der gemeinsam mit einer anderen Atommacht Israel ein Land bombardiert, das (zumindest vorerst) keine Atomwaffen besitzt, deutet vage an, er sei bereit, Atomwaffen gegen Iran einzusetzen. Hier haben wir es also mit einem Land zu tun, das sich selbst als hochzivilisiert betrachtet und eine andere Zivilisation auslöscht.

Das Ende der Zivilisation: in einem neuen, magischen Universum

Was wir hier unbedingt vermeiden sollten, ist die Behauptung, Trump habe lediglich übertriebene, absurde Ausdrücke im Rahmen einer langfristigen Strategie verwendet, um sein Ziel zu erreichen. Nein – wie Timothy Snyder bereits feststellte: Wenn der Anführer der mächtigsten Nation der Welt von der Vernichtung einer Zivilisation spricht, bedeutet das bereits deren Ende.

Allein die Tatsache, dass wir nicht sicher sind, wie Trump es genau gemeint hat, ist ein klares Zeichen für das Ende der Zivilisation: Wir befinden uns in einer Sphäre, in der Lüge und Wahrheit, Worte und Fakten ununterscheidbar werden, in einem neuen, vormodernen, magischen Universum, das von Mythen und Erzählungen geprägt ist und dem weder Fakten noch Argumente etwas anhaben können.

Es herrschte große Erleichterung, als am Morgen des 8. April ein 14-tägiger Waffenstillstand zwischen dem Iran und den USA verkündet wurde. Inzwischen sind wir zurück im Spiel der Eskalation. Trumps Drohung mit der Auslöschung der Zivilisation ist jedoch ein Vorbote der Zukunft, ein Hinweis darauf, wohin sich unsere Welt bewegt. Eine solche Bedrohung lässt sich also nicht allein mit wirtschaftlichen Interessen erklären.

Deshalb ist es – um die andere Front zu besuchen – absurd zu behaupten, wie es manche Linke tun, der Westen unterstütze die Ukraine in ihrem Krieg gegen Russland, um die Profite seiner Rüstungsindustrie zu sichern. Die zugrundeliegende Logik beruht auf Würde, Demütigung und Anerkennung – Begriffe, die in den heutigen Konflikten von allen Seiten verwendet und missbraucht werden.

es damit nicht vorbei, und auch für Sie war es damit nicht vorbei.“Der Heilige der Gossensprache In der Vergangenheit hat White-Cain auch schon verkündet, das Weiße Haus sei „heiliger Boden“ und: „Nein zu Präsident Trump zu sagen, hieße, Nein zu Gott zu sagen“. Es ist wichtig, diese lächerliche Erhebung Trumps in einen quasi-göttlichen Status als Kehrseite seines Rückfalls in die öffentliche Vulgarität zu lesen. Bei einem von Saudi-Arabien unterstützten Investitionsforum in Florida sagte Trump unlängst, der saudische Kronprinz MbS, der faktische Herrscher des Landes, habe nicht erwartet, dass die USA unter seiner Präsidentschaft ein starkes Comeback erleben würden: „Er dachte nicht, dass das passieren würde (…). Er dachte nicht, dass er mir in den Arsch kriechen müsste (…). Er dachte, es wäre nur ein weiterer amerikanischer Präsident, der ein Verlierer ist (…). Aber jetzt muss er nett zu mir sein.“ Trump lobte MbS weiterhin als Freund. Doch mit Freunden wie Trump braucht es keine Feinde.Und so weiter: Am Sonntag, dem 5. April 2026, schrieb Trump: „Dienstag ist im Iran Tag des Kraftwerks und Tag der Brücken, alles in einem. So etwas gibt es nicht!!! Macht endlich die verdammte Meerenge auf, ihr verrückten Bastarde, sonst lebt ihr in der Hölle – wartet nur ab! Lob sei Allah. Präsident DONALD J. TRUMP.“Die allgemeine Reaktion auf diesen extrem vulgären Ausbruch war, dass Trump jetzt die Nerven verliere und seine geistige Stabilität gefährdet sei. Kein Wunder, dass einige Politiker wie Chuck Schumer fordern, ihn seines Amtes zu entheben. Es geht hier jedoch nicht nur um den geistigen Zustand einer Einzelperson. Die Frage ist, wie eine solche Person in einem öffentlichen Amt aktiv sein kann.Und Trump bildet hier keine Ausnahme: Der israelische Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir, stets von Trump verteidigt, trägt seit Kurzem eine goldene, schlingenförmige Anstecknadel als Zeichen seiner Unterstützung für das neue Gesetz, das Militärgerichten im Westjordanland erlaubt, Palästinenser, die des „Terrorismus“ beschuldigt werden, ohne ordentliches Verfahren und ohne Verteidigungsrecht zum Tode zu verurteilen – ein Gesetz, das offen rassistisch ist und nur für Palästinenser gilt.Wie konnten wir an diesen Punkt gelangen, an dem dem Führer des mächtigsten Landes der Welt gleichzeitig ein göttlicher Status verliehen wird und er sich wie ein vulgärer, obszöner Rüpel benimmt? Die Antwort liegt in der Struktur der populistischen Welle der Gegenwart.Solche Entäußerungen beweisen, dass unsere Gesellschaften einem „Weltuntergang“ entgegensteuern. So idealistisch das auch klingen mag: Der Verfall der wirtschaftlichen und sozialen Ordnung, den wir erleben, wurzelt letztlich in diesem kulturellen Niedergang. Wir bekommen, was wir verdienen. In diesem Sinne können wir erwarten, dass Trump einen Ring in Form seines Hinterns trägt und von ausländischen Besuchern verlangt, ihn respektvoll zu küssen.Heute über Terrorismus zu sprechen, ohne die USA, Israel und die Länder, die deren Taten tolerieren, als Hauptterroristen zu benennen, ist die ultimative Heuchelei. Wie konnten wir an diesen Punkt gelangen, an dem dem Führer des mächtigsten Landes der Welt gleichzeitig ein göttlicher Status verliehen wird und er sich wie ein vulgärer, obszöner Rüpel benimmt? Die Antwort liegt in der Struktur der populistischen Welle der Gegenwart.Sergio Benvenuto analysiert in Anlehnung an das kürzlich erschienene Buch Vent’anni di Rabbia („Zwanzig Jahre des Zorns“) des politischen Philosophen Carlo Invernizzi-Accetti die Ursprünge dieser Welle, sowohl links als auch rechts. Er sieht sie als Folge des Scheiterns liberal-demokratischer Versprechen: Da die einfachen Menschen – die Abgehängten – das Gefühl haben, in der modernen Gesellschaft keine Rolle mehr zu spielen, ist ein tiefer Groll gegen die politischen Eliten und vor allem gegen jenen Teil der Bevölkerung entstanden, den der Autor als die „Vorreiter“ bezeichnet: die kulturell fortgeschrittenen Schichten, die die großen Metropolen bewohnen.Zwanzig Jahre Wut: Populismus ist ein „Kampf um Anerkennung“ Kurz gesagt: Die Betonung liegt hier auf „Gefühl“. Der neue Populismus ist keine primär von wirtschaftlicher Not getriebene Revolte, selbst bei Leuten, denen es wirtschaftlich tatsächlich nicht gut geht. Es handelt sich eher um einen „Kampf um Anerkennung“ im Hegelschen Sinne. Diese Frustration über mangelnde Anerkennung führt zum Niedergang der Demokratie und beschwört die Gefahr einer demagogischen Autokratie herauf.Hier ist ein längeres Zitat angebracht: „Invernizzi hat eine neue soziopolitische Kategorie vorgeschlagen, die mehr Aufmerksamkeit verdient: den ‚Lo Sfigato‘, den Verlierer, etwas zwischen dem Verfluchten und dem Uncoolen. Diese kosmisch-historische Figur ist der Protagonist der letzten zwei Jahrzehnte Politik und das Thema seines Buches ‚Zwanzig Jahre Wut: Wie Groll die Politik ersetzt hat‘“.Verlierer werden dabei – ich paraphrasiere Sergio Benvenuto – auch als Zurückgelassene bezeichnet, selbst wenn sie heute politische Gewinner sind – zumal nach Trumps Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten und den spektakulären Wahlerfolgen von Populisten in ganz Europa. Aus dieser sind diese Verlierer die Subjekte dessen, was wir Populismus nennen.Er konzentriert sich auf populistische Vorreiter wie die Globalisierungskritiker um die Jahrtausendwende: Occupy Wall Street sowie Beppe Grillo und die Grillini – die Fünf-Sterne-Bewegung in Italien. Auch die Aufstände in den französischen Vorstädten zählt er hinzu, die spanischen Indignados, radikale Umweltschützer, #MeToo, die Gelbwesten, die immer stärker werdende extreme Rechte (Le Pen, Salvini, Meloni, AfD, Farage, Trump usw.) und andere Wahl- oder Straßenbewegungen, die er durch einen gemeinsamen Faden verbunden sieht.Die Links-Rechts-Einteilung verliert an ErklärungskraftDabei ist es sekundär, ob diese Bewegungen als links oder rechts gelten. Invernizzis Analyse schließt auch Parteien wie Sahra Wagenknechts Allianz in Deutschland ein. Tatsächlich scheint die Links-Rechts-Einteilung heute nicht mehr der relevanteste Ansatz zu sein, um die Polarisierung in unseren Gesellschaften zu verstehen. Invernizzi kommt direkt zur Sache: Der Treibstoff des Populismus ist nicht primär Armut oder wirtschaftlicher Abstieg als solcher.Er weist darauf hin, dass die Wählerschaft der Fünf-Sterne-Bewegung, die Italien von 2018 bis 2022 regierte, auf ihrem Höhepunkt alle sozialen und Einkommensgruppen umfasste. Ähnlich verhält es sich mit den Gelbwesten; auch die waren in der Regel nicht arm, eher Angehörige der Mittelschicht in städtischen Randgebieten oder ländlichen Regionen. Nach dieser Analyse beziehen sich populistische Bewegungen „selten auf materielle Forderungen, sondern beschwören stattdessen oft Begriffe wie ‚Wert‘, ‚Größe‘ und ‚Würde‘ und deuten damit auf eine hypothetische universelle Prestigehierarchie hin.“Populistische Bewegungen von heute stellen selten auf rein materielle Forderungen ab, selbst wenn ihr Publikum solche hätte. Es geht ihnen um „Wert“, „Würde“, „Größe“. Schon Ernst Bloch wusste, dass der Mensch nicht vom Brot alleine lebt – besonders dann, wenn er keins hat.Kurz gesagt: Das in weiten Teilen der Politikwissenschaft von rechts bis links vertretene Dogma, dass wirtschaftliche Faktoren stets der Schlüssel zu politischen Phänomenen seien, steht in dieser Form infrage. Bis heute gehen viele Intellektuelle davon aus, dass man, um die seltsamen Gefühle hinter solcher Feindseligkeit zu verstehen, nur wissen muss, wer Geld verdient oder verliert und warum. Doch wie Ernst Bloch einst sagte: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein – besonders dann nicht, wenn er keins hat.Solche Wut ist abstrakt und wird nicht durch ein konkretes Programm ausgelöst. In der Regel konzentriert sie sich auf detaillierte Handlungen oder Forderungen, die leicht durch andere ersetzt werden können – sie besitzen keinen inhärenten Wert. Man sollte auch bedenken, dass die Proteste von 1968 genau in dem Moment ausbrachen, als der Wohlfahrtsstaat seinen Höhepunkt erreichte, also als die materiellen Lebensbedingungen der breiten Bevölkerung am besten waren. In diesem Sinne schlägt schon Peter Sloterdijk eine alternative Geschichte des Westens als Geschichte des Zorns vor.Die Geschichte des Westens ist eine Geschichte des ZornsSchon die Ilias, der Gründungstext des Abendlandes, beginnt mit dem Wort „Zorn“: Homer bittet die Göttin um Hilfe, um das Lied vom Zorn des Achill und seinen verheerenden Folgen zu singen. Obwohl der Streit zwischen Achill und Agamemnon auch erotische Aspekte berührt – Agamemnon nahm Achill die Sklavin Briseis weg –, ist sie nicht Gegenstand intensiver erotischer Anziehung, sondern an sich völlig irrelevant: Was zählt, ist nicht die frustrierte sexuelle Befriedigung, sondern der verletzte Stolz.Und es erscheint durchaus passend, dass in unserem Moment, dem Moment, der als das „Ende der Geschichte“ wahrgenommen wird, die Wut erneut entbrannte und das Ende sich mit dem Anfang vereinte. Bereits Ende der 1960er Jahre gab es zwei Formen der Wut: die westlichen Studentenproteste und die chinesische Kulturrevolution; vor ein oder zwei Jahrzehnten, mit den großen linken Protesten gegen das Establishment in der Türkei, Griechenland und im Arabischen Frühling, bestanden die protestierenden Menschenmengen auf Würde statt Brot, obwohl viele von ihnen in extremer Armut lebten. Und gilt das nicht auch für den Krieg zwischen den USA/Israel und dem Iran, der im März 2026 begann? Während Iran unter Armut und Zerstörung leidet, macht seine politische Elite deutlich, dass es nicht wirklich um Öl geht, sondern um die Würde des Landes, um die Weigerung, einen demütigenden Frieden zu akzeptieren. Deshalb hatte Bloch vollkommen recht: Gerade wenn die Menschen kein Brot haben, wollen sie deutlich machen, dass es nicht wirklich um Brot geht. Und auch die Gegenseite will nicht nur höhere Gewinne. Haben die Nazis wirklich bis 1945 nur wegen der Profite ihrer Schwerindustrie durchgehalten? Nein, ihr Durchhalten, als der Krieg offensichtlich verloren war, war in einem perversen Sinne „ethisch“. Sein Vernichtungs-Tweet ist kein Einzelfall: Trump und die „Auschlöschung“Doch was ist nun mit diesem Moment, als Trump drohte, den Iran in die Steinzeit zurückzuversetzen – handelt er angesichts der drohenden Katastrophe eines größeren Krieges und einer unvorhersehbaren Wirtschaftskrise wirklich nur, um dem militärisch-industriellen Komplex neuen Auftrieb zu geben? Natürlich nicht: Er handelt mit dem klaren Ziel, eine Zivilisation auszulöschen. Im November 2025 präsentierten die USA in dem 33-seitigen Dokument „Nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten von Amerika“, das vom Weißen Haus stillschweigend veröffentlicht wurde, eine globale ideologische Vision, die im Grunde genau das ist, was er Europa vorwirft: die Auslöschung von Zivilisationen. Das Dokument stellt zwar wirtschaftliche Probleme Europas fest, betont aber, dass diese „von der realen und viel düstereren Aussicht auf den Untergang unserer Zivilisation“ innerhalb der nächsten 20 Jahre „überschattet werden“: „Zu den größeren Herausforderungen Europas zählen die Aktivitäten der Europäischen Union und anderer transnationaler Organisationen, die die politische Freiheit und Souveränität untergraben, Migrationspolitiken, die den Kontinent verändern und Konflikte schüren, die Zensur der Meinungsfreiheit und die Unterdrückung der politischen Opposition, sinkende Geburtenraten sowie der Verlust nationaler Identitäten und des Selbstbewusstseins.“ Trump meint, was er sagt. Und was er sagt, schafft FaktenAm Morgen des 7. April 2026 schrieb Trump: „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen und nie wiederkehren. Ich will nicht, dass das passiert, aber es wird wahrscheinlich so kommen. Doch jetzt, da wir einen vollständigen Regimewechsel erleben, bei dem andere, klügere und weniger radikalisierte Köpfe die Oberhand gewinnen, kann vielleicht etwas revolutionär Wunderbares geschehen, wer weiß? Heute Abend werden wir einen der wichtigsten Momente in der langen und komplexen Geschichte der Welt erleben. 47 Jahre Erpressung, Korruption und Tod werden endlich ein Ende finden. Gott segne das großartige Volk des Iran!“ Trotz der gut dokumentierten Gewalt des iranischen Regimes steht Iran im jetzigen Krieg als Opfer des US-israelischen Angriffs für die Zivilisation an sich.Um es klarzustellen: Es geht hier nicht um den sogenannten „Kampf der Zivilisationen“. Trotz der gut dokumentierten Gewalt des iranischen Regimes steht Iran hier als Opfer des US-israelischen Angriffs für die Zivilisation an sich. Die USA und Israel agieren wie unzivilisierte Barbaren, die die Zivilisation als solche zerstören wollen. Auf die Frage, ob er sich Sorgen über die Einstufung von Angriffen auf die Infrastruktur als Kriegsverbrechen mache, entgegnet Trump: „Das beunruhigt mich nicht. Wissen Sie, was ein Kriegsverbrechen das ist? Das Kriegsverbrechen ist, dem Iran den Besitz von Atomwaffen zu ermöglichen.“ Hier gibt es zwei bittere Ironien. Derselbe Mann, der „Gott segne das großartige Volk des Iran“ schreibt, droht mit der Auslöschung. Es ist, als würde Netanjahu nach dem, was die israelischen Streitkräfte dort angerichtet haben, das „großartige Volk von Gaza“ preisen. Der Präsident einer Atommacht, der gemeinsam mit einer anderen Atommacht Israel ein Land bombardiert, das (zumindest vorerst) keine Atomwaffen besitzt, deutet vage an, er sei bereit, Atomwaffen gegen Iran einzusetzen. Hier haben wir es also mit einem Land zu tun, das sich selbst als hochzivilisiert betrachtet und eine andere Zivilisation auslöscht.Das Ende der Zivilisation: in einem neuen, magischen Universum Was wir hier unbedingt vermeiden sollten, ist die Behauptung, Trump habe lediglich übertriebene, absurde Ausdrücke im Rahmen einer langfristigen Strategie verwendet, um sein Ziel zu erreichen. Nein – wie Timothy Snyder bereits feststellte: Wenn der Anführer der mächtigsten Nation der Welt von der Vernichtung einer Zivilisation spricht, bedeutet das bereits deren Ende.Allein die Tatsache, dass wir nicht sicher sind, wie Trump es genau gemeint hat, ist ein klares Zeichen für das Ende der Zivilisation: Wir befinden uns in einer Sphäre, in der Lüge und Wahrheit, Worte und Fakten ununterscheidbar werden, in einem neuen, vormodernen, magischen Universum, das von Mythen und Erzählungen geprägt ist und dem weder Fakten noch Argumente etwas anhaben können.Es herrschte große Erleichterung, als am Morgen des 8. April ein 14-tägiger Waffenstillstand zwischen dem Iran und den USA verkündet wurde. Inzwischen sind wir zurück im Spiel der Eskalation. Trumps Drohung mit der Auslöschung der Zivilisation ist jedoch ein Vorbote der Zukunft, ein Hinweis darauf, wohin sich unsere Welt bewegt. Eine solche Bedrohung lässt sich also nicht allein mit wirtschaftlichen Interessen erklären.Deshalb ist es – um die andere Front zu besuchen – absurd zu behaupten, wie es manche Linke tun, der Westen unterstütze die Ukraine in ihrem Krieg gegen Russland, um die Profite seiner Rüstungsindustrie zu sichern. Die zugrundeliegende Logik beruht auf Würde, Demütigung und Anerkennung – Begriffe, die in den heutigen Konflikten von allen Seiten verwendet und missbraucht werden.



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