In Kürze:
- In seiner fünften Aufgabe muss der griechische Held Herakles die Reinigung von hartnäckig verdreckten Rinderställen meistern.
- Das Heldenhafte dabei ist die Erkenntnis, dass sich Schmutz nicht allein durch Anstrengung beseitigen lässt, sondern eine Neuausrichtung der Energie erfordert.
- Säuberung ist daher nicht nur ein Akt der Hygiene, sondern bedeutet auch kreative Erneuerung in verkommenen Zeiten.
Auf den ersten Blick wirkt seine neue Aufgabe, die Reinigung der Augiasställe, als wenig heroisch. Hier ist rohe Gewalt nutzlos und stattdessen kreative Intelligenz gefragt. Mit einem Geniestreich und einer neuen Herangehensweise an das Problem selbst schafft es Herakles schließlich, die unmögliche Aufgabe ehrenvoll zu lösen.
Ein Triumph und eine bedeutungsschwere Zahl
König Augias von Elis besaß riesige Viehherden, aber 30 Jahre lang hatte er es versäumt, ihre Ställe zu reinigen. Das Ergebnis war ein Berg von Dreck, der so riesig war, dass niemand glaubte, er könne jemals beseitigt werden.
König Eurystheus, der Herakles demütigen und brechen wollte, übertrug ihm diese Aufgabe in der Erwartung, dass der Held scheitert. Doch innerhalb eines einzigen Tages erledigte Herakles diese Aufgabe.
Allerdings tat er dies nicht durch das Schaufeln von Mist, sondern indem er zwei große Flüsse durch die Ställe umleitete und so Jahrzehnte des Verfalls in einem Strom der Erneuerung wegspülte.

Künstlerische Darstellung von Herakles bei der kreativen Umsetzung seiner fünften Aufgabe.
Reinigung durch ganzheitliches Denken
Die Aufgabe von Herakles bestand also nicht nur darin, sich mit Schmutz zu befassen, sondern auch mit dem moralischen und psychologischen Schlamm, der sich ansammelt, wenn das Gewissen schläft.
Jeder Mensch, jede Gesellschaft, jede Institution hat ihre Augiasställe. Es sind die vernachlässigten Ecken, in denen sich Lügen, Gleichgültigkeit und Verleugnung anhäufen, bis sie unüberwindbar erscheinen.

Herakles sollte die seit 30 Jahren nicht gereinigten Augiasställe binnen eines Tages säubern.
Hierin verbirgt sich die tiefste Bedeutung des Mythos. Herakles kanalisiert die beiden Flüsse Alpheus und Peneus, die symbolisch für die beiden Hemisphären des menschlichen Geistes stehen.
Hier wird Herakles zum Archetyp des umfassenden Geistes. Er verbindet das Praktische mit dem Visionären, das Disziplinierte mit dem Waghalsigen. Seine Lösung verkörpert das, was wir heute als ganzheitliches Denken bezeichnen. Zielgerichtet gelenkt werden selbst die hartnäckigsten und schwierigsten Probleme weggespült.
Den Gordischen Knoten lösen
Und Alexander der Große löste mit dem Durchschneiden des Gordischen Knotens ein ähnlich „unmögliches Rätsel“. Damit wiederholte Alexander der Große in gewisser Weise die Erkenntnis des Herakles.
Angesichts einer unmöglichen Aufgabe hatte Herakles bereits gezeigt, dass wahre Meisterhaftigkeit nicht immer in mühsamer Arbeit liegen muss, sondern auch darin, die Bedingungen zu ändern.

Das Gemälde „Alexander durchtrennt den Gordischen Knoten“ von Jean-Simon Berthélemy aus dem Jahr 1767.
Heldenhaftes undankbar abgetan
Aber zurück zu Herakles selbst, denn die Geschichte hat auch eine moralische Ironie. Nachdem Herakles mit Augias eine Vergütung für seine Arbeit vereinbart hatte, verwehrte der Stallbesitzer ihm diese später. Darüber hinaus erklärte König Eurystheus die Arbeit für ungültig, weil der Held zu seinem eigenen Vorteil gehandelt habe.
Astrologisch gesehen gehört diese Aufgabe zu dem Sternzeichen Wassermann und dem Element Luft. Der Wassermann, auch als Wasserträger dargestellt, ist ein Zeichen der Erneuerung, der Reform und der humanitären Vision. Er bringt frischen Wind in verstaubte Systeme und stößt oft auf Widerstand von denen, die an der alten Ordnung festhalten.

Die fünfte Aufgabe des Herakles steht mit dem Sternzeichen Wassermann und dem Element Luft in Verbindung.
Herakles ist somit sowohl Held als auch Reformer. Er leitete das Wasser der Wahrheit durch die verfallenen Kammern der Welt. An dieser Stelle ist es wichtig, zu erwähnen, dass seine Waffe, sein Instrument der Erneuerung, Wasser war. In gewisser Weise könnte man sagen, dass die Ställe zu neuem Leben getauft wurden. Das ist die Eigenschaft des Wassers.
Die Augiasställe unserer modernen Welt

Die Reinigung der Rinderställe soll zeigen, dass es in verkommenen Zeiten manchmal kreativer Erneuerung bedarf.
Die Reinigung der Ställe ist also kein Akt der Hygiene, sondern der kreativen Erneuerung. Sie zeigt, dass Reinigung mit Vorstellungskraft verbunden und Intelligenz selbst eine Art moralisches Wasser ist. Wenn die beiden Flüsse des Geistes in Einklang gebracht werden, wird das, was unmöglich schien, ganz natürlich. Der Schmutz, der uns einst geprägt hat, wird weggefegt, und wir tauchen in Klarheit auf.
Herakles’ Arbeit endet dort, wo alle großen Reformen enden: in einer stillen Verwandlung. Die Ställe glänzen wieder, die Rinder atmen saubere Luft. Aber die tiefere Reinigung findet im Inneren statt, in einem Geist, der die Kraft der Einheit entdeckt hat, und in einer Welt, die, wenn auch nur für einen Moment, neu geworden ist.
In seiner sechsten Aufgabe begegnet Herakles dem Chaos erneut und muss terrorisierende Vögel zum Wohl der Menschen vertreiben.
Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers oder des Interviewpartners dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.