Mit dem flackernden Dasein in der Asphaltblase Berlin sollte vertraut sein, wer diese Langspielplatte aus dem Regal zieht und auf sie zurückkommt wie einen lange entbehrten, womöglich schmerzhaft vermissten Gefährten. Wo der gestrandet ist und verloren ging, klingt nach Ballade d’Amour. Ist aber keine. Was nichts daran ändert, dass sich Erinnerungen überschlagen können, wenn das „Bataillon d’Amour“ auftaucht und langsam näherkommt. Schritt für Schritt, Ton für Ton, Wort für Wort.

„Wie weiße Tücher schwimmt / der Nebel durch die kalte Stadt / er macht die Pflastersteine nass / die Straßen glänzen glatt“, singt Tamara Danz, das Keyboard gurgelt wie Regen, Gitarren stimmen ein, der Bass taut auf. Bataillon d’Amour heißt der Titelsong eines Albums der DDR-Rockband Silly, das 1986 für Furore sorgt.

In sechs Wochen im Studio des DDR-Plattenlabels Amiga an der Ostberliner Brunnenstraße produziert, fasziniert der Sound aus Sehnsucht und Verlangen, Sentiment und Traurigkeit. Zuweilen wird die LP für einen Quantensprung der DDR-Rockmusik gehalten. Es sei keine Überraschung, schreiben Kritiker vom Jugendmagazin Neues Leben bis zum Zentralorgan Neues Deutschland, dass gerade diese Band dazu ansetze.

Länger schon ist Silly das intellektuelle Highlight der Szene. Hat die Formation – zunächst als „Familie Silly“ gegründet – 1981 mit dem Platten-Debüt Tanzt keiner Boogie noch Selbstfindung betrieben, setzt Mont Klamott zwei Jahre später einen mächtigen Fels Qualität in die Landschaft und wird zur „LP des Jahres“ gewählt.

Der Ruhm ist Schnee von gestern, als Bataillon d’Amour zum Plädoyer für einen expressiven und eigenwilligen DDR-Rock wird. Das Erfolgsmuster eines Jahrzehnts findet sich auf die Spitze getrieben. Silly meidet alle Schlager-Klischees und beherrscht das Morse-Alphabet der Metaphern. Man ist mit poesieversessenen Texten auf Symbolik und verkappte Botschaften für ein Publikum aus, das zuhören will und kann. Ob die Titel dabei immer gut tanzbar sind, scheint zweitrangig. Unterhaltungsmusik will die Band nicht spielen.

Nacht im Haar

Melancholie ist in Mode für die Endzeit-DDR und das Zwischen-den-Zeilen-Hören sowieso en vogue. Berlin-Hauptstadt-der-DDR-fixiert ist Silly, wie der gesamte Kulturbetrieb. Die Stadt macht manchen einsam, und sie kann düster sein, nur ein Fetzen Licht funzelt matt, um in die Dunkelheit fliehende, sich versteckt und verstohlen liebende Kinder entschwinden zu sehen – „Ich denk, das Mädel kennst du doch / die ist kaum dreizehn Jahr / und flieht schon in die Dämmerung / und hat schon Nacht im Haar / Bataillon d’Amour“.

Begonnen hat der Trend zur „sozialistischen Rock-und-Pop-Leistungsgesellschaft“ in den frühen 1970er Jahren vor und mit den X. Weltfestspielen der Jugend und Studenten im Sommer 73. Ostberlin wird zur weltoffenen, wenn auch nicht offenen Stadt. Welt und Aufbruch erfassen für ein paar irrwitzige Tage die sonst eher in sich gekehrte Gesellschaft der langsam laufenden Uhren.

Die Puhdys singen Türen öffnen sich zur Stadt und Vorn ist das Licht. Die Klaus Renft Combo entfacht die Hoffnung: „Revolution ist das Morgen schon im Heute / ist kein Bett und kein Thron / für den Arsch zufriedner Leute / Denn sie lebt in dem Sinn / dass der Mensch dem Menschen wert ist / dass der Geist der Kommune / dem Genossen Schild und Schwert ist“. Das klingt nach, ja, gewiss, bedient aber einen Idealismus, der zu urwüchsig und unschuldig ist, um dem Verdacht zu entgehen, Systemkritik zu sein.

So heftig sich Bandleader Klaus Jentzsch, Texter Gerulf Pannach und Sänger Christian „Kuno“ Kunert auch das Hemd über der Brust aufreißen und beteuern, sie würden meinen und wollen, was sie singen, umso unerbittlicher ist, was daraus folgt. 1975 wird das Verbot für Renft nicht einmal „Verbot“ genannt. Mit zynischem Hochmut teilt die Behörde mit: „Für uns existieren Sie einfach nicht mehr.“

Kein „Kraut-Rock“

Da wird ein Exempel statuiert, das nachwirkt. Alle, auch die Musiker von Silly, sind davor gewarnt, dem Staat offen in die Parade zu fahren. Besser, es mit subversiver Loyalität zu versuchen und zu testen, wie weit man gehen kann. Wie weit man kommt mit dem „Bataillon d’Amour“.

Die Texte für die zehn Titel der LP schreibt ausschließlich der Ostberliner Lyriker Werner Karma. Er sieht in der Gruppe keine Zufallsbekanntschaft, sondern die Chance für ein künstlerisches Projekt, das keinem „Deutschrock“ oder „Krautrock“ zu Diensten ist, sondern bei Open-Air-Konzerten und Fernsehauftritten die anspruchsvolle Performance sucht. Kollegen tun es ihm gleich.

Der Liedermacher Kurt Demmler schreibt für Nina Hagen Du hast den Farbfilm vergessen, Literaten wie Ulrich Plenzdorf und Wolfgang Tilgner verwenden sich für die Puhdys, der Autor Alfred Roesler-Kleint textet für die Gruppe City. Als Anfang 1989 mit Februar die nächste Silly-LP erscheint, hat sich Tamara Danz mit dem singenden und dichtenden Baggerfahrer Gerhard Gundermann zusammengetan, um die Erfolgsspur zu halten.

Ein Texter wie Werner Karma verfolgt ein ästhetisches Programm, mit dem er einer Rocklady wie Danz eine selbstbestimmte weibliche Perspektive zu eröffnen glaubt. Besonders dann, wenn mit kühlem Genuss scheiternde oder zum Scheitern verurteilte Beziehungen mit Männern besungen werden.

Bei Bataillon d’Amour liefert der Titel Josef & Maria die emblematische Folie. Maria sitzt auf ihrem Hocker an der Bar, sie wird blasphemisch und erfrischend frech – „Und Josef grinst gestresst / lass stecken, Josef / ich bin nicht bibelfest / doch eines weiß ich sicher / wir zeugen keinen Sohn / der eine kleine Jesus am Kreuz / der reicht mir schon.“

Zu sehr Frontfrau

Tabubrüche wie diese tun einer zuweilen übers Ziel hinausschießenden Rock-Poesie ausgesprochen gut. Bei Bataillon d’Amour wirken sie wie Wellenbrecher, um locker zu bleiben und moralisierender Hybris im philosophischen Stützkorsett den Stecker zu ziehen. Das gefällt nicht immer.

Zurückblickend auf die 1980er Jahre hat Tamara Danz später moniert, sie habe sich durch das progressive Frauenbild männlicher Texter vereinnahmt gefühlt. Sie sei zu sehr Frontfrau ihrer Band gewesen. Was nach Frontkämpferin klingt. Als hätten sie die „Jungs dahinter“ zur Bühnenkante geschoben, um schön in Deckung zu bleiben. Soll sie den Emanzen-Sound auf sich nehmen: Der Kerl kotzt mich an, ich werfe ihn raus, es ist mein Ding.

Schon bei der LP Mont Klamott jedochmuss dieses Klischee, wenn es überhaupt je vorhanden ist, mit dem Titel Wilde Mathilde einer schambefreiten weiblichen Ansage weichen – „Die wilde Mathilde / wenn die dich mal betrügt / führt sie nichts im Schilde / du hast halt nicht genügt“.

Es klingt so, als ob die wilde mit der über den Tresen tanzenden Mathilde verwandt sei, die der Barde Franz Josef Degenhardt mit ihrer Kneipe im Ruhrpott besungen hat („… weil bei Mutter Mathilde, da riecht es gut / nach dem und dem und gar nicht so fein / nach klarem Schnaps, nach Bouletten und Fud“).

Sängerinnen mit charakterstarken Stimmen sind es, die das Publikum im Palast der Republik ebenso schätzt wie das in der Ostberliner Parkaue. Neben Tamara Danz sind das vor allem Petra Zieger (erst Smokings, dann Petra Zieger & Band) oder Veronika Fischer, die 1981 das Land Richtung Westberlin verlässt, oder Ines Paulke (dreimal DDR-Popsängerin des Jahres). Sie werden zu Ikonen einer Selbstvergewisserung, die dem Ost-Rock an Identität gönnt, was er braucht, um authentisch und nicht selten politisch zu sein.

Wie Silly mit Bataillon d’Amour kanndie Gruppe Karat 1982 mit dem Album Der blaue Planet einen ähnlichen Triumph landen. Er fällt in die Zeit einer entgrenzten Raketenstationierung in Ost und West. „Tanzt unsre Welt mit sich selbst schon im Fieber?“, singt Herbert Dreilich, als die Zukunft Nuklearsprengköpfen und Neutronenbomben geopfert zu werden droht. In welche Finsternis, welche Nacht sollen sie dann fliehen, die Kinder von Berlin, die „verführ’n sich in die Liebe wie in ein Labyrinth“ und nur noch Schatten sind?

Asyl im Paradies

Im Frühherbst 1989 verliest Tamara Danz vor jedem Auftritt eine „Resolution von Rockmusikern und Liedermachern der DDR“, mit der die gestörten Beziehungen zwischen Regierung und Gesellschaft beklagt werden. Es brauche Reformen, wolle das Land überleben. Die Stimme der Opposition müsse gehört, das „Neue Forum“ zugelassen werden.

Im kurz zuvor herausgebrachten Silly-Album Februar tauchen die „blassen Kindsgesichter“ wieder auf. Sie gehören nun Verlornen Kindern, die so gern „in die warmen Länder fliehen“ würden: „Zu den alten Linden / die nur in der Ferne blühn / die sie nicht mehr finden / in den Straßen von Berlin.“

Auch Tamara Danz bittet um Asyl im Paradies. Sie tut es mit ihrem letzten Titel, den sie 1996 in der Gewissheit aufnimmt, so schwer erkrankt zu sein, dass sie das Jahr nicht überleben wird. „Meine Uhr ist eingeschlafen / ich hänge lose in der Zeit / ein Sturm hat mich hinausgetrieben / auf das Meer der Ewigkeit.“

, singt Tamara Danz, das Keyboard gurgelt wie Regen, Gitarren stimmen ein, der Bass taut auf. Bataillon d’Amour heißt der Titelsong eines Albums der DDR-Rockband Silly, das 1986 für Furore sorgt.In sechs Wochen im Studio des DDR-Plattenlabels Amiga an der Ostberliner Brunnenstraße produziert, fasziniert der Sound aus Sehnsucht und Verlangen, Sentiment und Traurigkeit. Zuweilen wird die LP für einen Quantensprung der DDR-Rockmusik gehalten. Es sei keine Überraschung, schreiben Kritiker vom Jugendmagazin Neues Leben bis zum Zentralorgan Neues Deutschland, dass gerade diese Band dazu ansetze.Länger schon ist Silly das intellektuelle Highlight der Szene. Hat die Formation – zunächst als „Familie Silly“ gegründet – 1981 mit dem Platten-Debüt Tanzt keiner Boogie noch Selbstfindung betrieben, setzt Mont Klamott zwei Jahre später einen mächtigen Fels Qualität in die Landschaft und wird zur „LP des Jahres“ gewählt.Der Ruhm ist Schnee von gestern, als Bataillon d’Amour zum Plädoyer für einen expressiven und eigenwilligen DDR-Rock wird. Das Erfolgsmuster eines Jahrzehnts findet sich auf die Spitze getrieben. Silly meidet alle Schlager-Klischees und beherrscht das Morse-Alphabet der Metaphern. Man ist mit poesieversessenen Texten auf Symbolik und verkappte Botschaften für ein Publikum aus, das zuhören will und kann. Ob die Titel dabei immer gut tanzbar sind, scheint zweitrangig. Unterhaltungsmusik will die Band nicht spielen.Nacht im HaarMelancholie ist in Mode für die Endzeit-DDR und das Zwischen-den-Zeilen-Hören sowieso en vogue. Berlin-Hauptstadt-der-DDR-fixiert ist Silly, wie der gesamte Kulturbetrieb. Die Stadt macht manchen einsam, und sie kann düster sein, nur ein Fetzen Licht funzelt matt, um in die Dunkelheit fliehende, sich versteckt und verstohlen liebende Kinder entschwinden zu sehen – „Ich denk, das Mädel kennst du doch / die ist kaum dreizehn Jahr / und flieht schon in die Dämmerung / und hat schon Nacht im Haar / Bataillon d’Amour“.Begonnen hat der Trend zur „sozialistischen Rock-und-Pop-Leistungsgesellschaft“ in den frühen 1970er Jahren vor und mit den X. Weltfestspielen der Jugend und Studenten im Sommer 73. Ostberlin wird zur weltoffenen, wenn auch nicht offenen Stadt. Welt und Aufbruch erfassen für ein paar irrwitzige Tage die sonst eher in sich gekehrte Gesellschaft der langsam laufenden Uhren.Die Puhdys singen Türen öffnen sich zur Stadt und Vorn ist das Licht. Die Klaus Renft Combo entfacht die Hoffnung: „Revolution ist das Morgen schon im Heute / ist kein Bett und kein Thron / für den Arsch zufriedner Leute / Denn sie lebt in dem Sinn / dass der Mensch dem Menschen wert ist / dass der Geist der Kommune / dem Genossen Schild und Schwert ist“. Das klingt nach, ja, gewiss, bedient aber einen Idealismus, der zu urwüchsig und unschuldig ist, um dem Verdacht zu entgehen, Systemkritik zu sein.So heftig sich Bandleader Klaus Jentzsch, Texter Gerulf Pannach und Sänger Christian „Kuno“ Kunert auch das Hemd über der Brust aufreißen und beteuern, sie würden meinen und wollen, was sie singen, umso unerbittlicher ist, was daraus folgt. 1975 wird das Verbot für Renft nicht einmal „Verbot“ genannt. Mit zynischem Hochmut teilt die Behörde mit: „Für uns existieren Sie einfach nicht mehr.“Kein „Kraut-Rock“Da wird ein Exempel statuiert, das nachwirkt. Alle, auch die Musiker von Silly, sind davor gewarnt, dem Staat offen in die Parade zu fahren. Besser, es mit subversiver Loyalität zu versuchen und zu testen, wie weit man gehen kann. Wie weit man kommt mit dem „Bataillon d’Amour“.Die Texte für die zehn Titel der LP schreibt ausschließlich der Ostberliner Lyriker Werner Karma. Er sieht in der Gruppe keine Zufallsbekanntschaft, sondern die Chance für ein künstlerisches Projekt, das keinem „Deutschrock“ oder „Krautrock“ zu Diensten ist, sondern bei Open-Air-Konzerten und Fernsehauftritten die anspruchsvolle Performance sucht. Kollegen tun es ihm gleich.Der Liedermacher Kurt Demmler schreibt für Nina Hagen Du hast den Farbfilm vergessen, Literaten wie Ulrich Plenzdorf und Wolfgang Tilgner verwenden sich für die Puhdys, der Autor Alfred Roesler-Kleint textet für die Gruppe City. Als Anfang 1989 mit Februar die nächste Silly-LP erscheint, hat sich Tamara Danz mit dem singenden und dichtenden Baggerfahrer Gerhard Gundermann zusammengetan, um die Erfolgsspur zu halten.Ein Texter wie Werner Karma verfolgt ein ästhetisches Programm, mit dem er einer Rocklady wie Danz eine selbstbestimmte weibliche Perspektive zu eröffnen glaubt. Besonders dann, wenn mit kühlem Genuss scheiternde oder zum Scheitern verurteilte Beziehungen mit Männern besungen werden.Bei Bataillon d’Amour liefert der Titel Josef & Maria die emblematische Folie. Maria sitzt auf ihrem Hocker an der Bar, sie wird blasphemisch und erfrischend frech – „Und Josef grinst gestresst / lass stecken, Josef / ich bin nicht bibelfest / doch eines weiß ich sicher / wir zeugen keinen Sohn / der eine kleine Jesus am Kreuz / der reicht mir schon.“Zu sehr FrontfrauTabubrüche wie diese tun einer zuweilen übers Ziel hinausschießenden Rock-Poesie ausgesprochen gut. Bei Bataillon d’Amour wirken sie wie Wellenbrecher, um locker zu bleiben und moralisierender Hybris im philosophischen Stützkorsett den Stecker zu ziehen. Das gefällt nicht immer.Zurückblickend auf die 1980er Jahre hat Tamara Danz später moniert, sie habe sich durch das progressive Frauenbild männlicher Texter vereinnahmt gefühlt. Sie sei zu sehr Frontfrau ihrer Band gewesen. Was nach Frontkämpferin klingt. Als hätten sie die „Jungs dahinter“ zur Bühnenkante geschoben, um schön in Deckung zu bleiben. Soll sie den Emanzen-Sound auf sich nehmen: Der Kerl kotzt mich an, ich werfe ihn raus, es ist mein Ding.Schon bei der LP Mont Klamott jedochmuss dieses Klischee, wenn es überhaupt je vorhanden ist, mit dem Titel Wilde Mathilde einer schambefreiten weiblichen Ansage weichen – „Die wilde Mathilde / wenn die dich mal betrügt / führt sie nichts im Schilde / du hast halt nicht genügt“.Es klingt so, als ob die wilde mit der über den Tresen tanzenden Mathilde verwandt sei, die der Barde Franz Josef Degenhardt mit ihrer Kneipe im Ruhrpott besungen hat („… weil bei Mutter Mathilde, da riecht es gut / nach dem und dem und gar nicht so fein / nach klarem Schnaps, nach Bouletten und Fud“).Sängerinnen mit charakterstarken Stimmen sind es, die das Publikum im Palast der Republik ebenso schätzt wie das in der Ostberliner Parkaue. Neben Tamara Danz sind das vor allem Petra Zieger (erst Smokings, dann Petra Zieger & Band) oder Veronika Fischer, die 1981 das Land Richtung Westberlin verlässt, oder Ines Paulke (dreimal DDR-Popsängerin des Jahres). Sie werden zu Ikonen einer Selbstvergewisserung, die dem Ost-Rock an Identität gönnt, was er braucht, um authentisch und nicht selten politisch zu sein.Wie Silly mit Bataillon d’Amour kanndie Gruppe Karat 1982 mit dem Album Der blaue Planet einen ähnlichen Triumph landen. Er fällt in die Zeit einer entgrenzten Raketenstationierung in Ost und West. „Tanzt unsre Welt mit sich selbst schon im Fieber?“, singt Herbert Dreilich, als die Zukunft Nuklearsprengköpfen und Neutronenbomben geopfert zu werden droht. In welche Finsternis, welche Nacht sollen sie dann fliehen, die Kinder von Berlin, die „verführ’n sich in die Liebe wie in ein Labyrinth“ und nur noch Schatten sind?Asyl im ParadiesIm Frühherbst 1989 verliest Tamara Danz vor jedem Auftritt eine „Resolution von Rockmusikern und Liedermachern der DDR“, mit der die gestörten Beziehungen zwischen Regierung und Gesellschaft beklagt werden. Es brauche Reformen, wolle das Land überleben. Die Stimme der Opposition müsse gehört, das „Neue Forum“ zugelassen werden.Im kurz zuvor herausgebrachten Silly-Album Februar tauchen die „blassen Kindsgesichter“ wieder auf. Sie gehören nun Verlornen Kindern, die so gern „in die warmen Länder fliehen“ würden: „Zu den alten Linden / die nur in der Ferne blühn / die sie nicht mehr finden / in den Straßen von Berlin.“Auch Tamara Danz bittet um Asyl im Paradies. Sie tut es mit ihrem letzten Titel, den sie 1996 in der Gewissheit aufnimmt, so schwer erkrankt zu sein, dass sie das Jahr nicht überleben wird. „Meine Uhr ist eingeschlafen / ich hänge lose in der Zeit / ein Sturm hat mich hinausgetrieben / auf das Meer der Ewigkeit.“



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