Wir beschäftigen uns mit Demos zum 1. Mai, Zufallsfunden auf dem Flohmarkt und damit, wie der Osten auf den Westen schaut
Hallo,
auf einer 1.-Mai-Demo in der DDR saßen mein Bruder und ich auf den Schultern meiner Eltern, er mit Budjonny-Mütze. Auf der Karl-Marx-Allee liefen wir wie alle anderen an der Tribüne vorbei. Es sah so aus, als würden die Herrschenden den Arbeitern zuwinken, aber eigentlich war es umgekehrt. Meine Eltern gingen zu ihrer Betriebsgruppe, jeder zu seiner, das wurde so organisiert. Die Werktätigen sollten im Kollektiv erscheinen.
Ich war überrascht, als ich später merkte, wie organisiert dieser Tag auch im Westen ablief. Die 1.-Mai-Demos in Berlin-Kreuzberg, der „Schwarze Block“, alles folgte einem genauen Plan.
Volksfest war am Ende auf beiden Seiten.
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Der 1. Mai hat seinen Ursprung übrigens in Chicago, wo vor 140 Jahren deutsche Auswanderer die Idee des Sozialismus mitbrachten: Freiheit nicht nur für Fabrikbesitzer. Gerechtigkeit. Solidarität. Eine Arbeiter-Zeitung rief einen landesweiten Streik aus, forderte die Einführung des Achtstundentags.
In Chicago haben die Aktionstage mit der Kundgebung auf dem Heumarkt (Haymarket) begonnen. Der friedlichen Kundgebung am 1. Mai 1886 folgen Streiks und weitere Versammlungen, dann kam es zu einem Massaker. Die Ideen der Arbeiterbewegung gingen um die Welt. Wer rettet sie?
1. Heute wichtig
2. Made My Day
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➜ Stühle vom Flohmarkt: Wenn irgendwo Flohmarkt ist, will ich hin. Streunen, Stöbern, Zufallsfunde. Zuletzt konnte ich Stühle für unseren Küchentisch erstehen, schlichtes Holz, harmonisch. Heute Morgen wurden sie mir sogar nach Hause gebracht!
Mir gefällt es, wenn Alltagsdinge eine Geschichte haben. Der Möbelhändler, der die Vintage-Stühle auf dem Flohmarkt vertreibt, erzählte mir, er habe jahrelang in Kalabrien gelebt, war auf Märkten überall in Italien. Ich konnte herrlich mit ihm feilschen.
3. Kultur-Tipp
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➜ Gut zu lesen:Im letzten Newsletter habe ich über Porträts von Ostfrauen geschrieben. Diesmal geht es um den Westen. Der Blick auf Ost-West und wie unterschiedlich er sein kann, diese Debatte geht immer weiter. Der Westen habe den Osten erfunden, empörte sich im Jahr 2023 Dirk Oschmann in seinem Bestseller.
Cornelia Geißler dreht den Blick um. In ihrem Band Westen. Eine ostdeutsche Empfindung versammelt die renommierte Literaturkritikerin verschiedene Texte von ostdeutschen Schriftstellern und Schriftstellerinnen, die sich mit ihrem Verhältnis zum Westen auseinandersetzen. Sie erzählen Geschichten, jede ist anders, aber alle haben irgendein Verhältnis zum Westen. Und sei es, dass man die Werbung in- und auswendig kannte, wie Annett Gröschner schreibt.
4. Lese-Empfehlung
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➜ Wie viel Nähe dürfen Journalisten zu Politikern haben?
Was bedeutet das neudeutsche Wort Access Journalism? Es geht um Nähe und Distanz zwischen Medienleuten und der Politikerszene. Freitag-Autor und Medienjournalist Steffen Grimberg macht es in seinem Artikel an einem Beispiel fest: Darf eine RTL-Moderatorin beim Bundespresseball am Tisch des Bundespräsidenten sitzen und mit ihm feiern? Wie viel Zugang ist erlaubt, ohne dass man dazugehört? Und was, wenn der Zugang für Journalisten und Journalistinnen, etwa zu Pressekonferenzen, unter fragwürdigen Bedingungen gewährt wird? Sie erfahren es im ganzen Text!
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„Es gibt den Vorwurf, auf dem Bundespresseball gebe es eine zu große Nähe zwischen Politik und Medien. Haben Sie ein Unbehagen als Journalistin, mit Politikerinnen und Politikern zu feiern?“, hatte das Magazin des Bundespresseballs 2024 ganz unschuldig die frühere ARD- und heutige RTL-Journalistin Pinar Atalay gefragt.
„Das wird gerne von Leuten so dargestellt, die noch nie auf dem Bundespresseball waren“, gab sie zur Antwort – und dass sie am Tisch des Bundespräsidenten gesessen habe. „Ich finde es in einer Demokratie nicht schlimm, mal mit dem Bundespräsidenten anzustoßen oder sich über etwas Privates auszutauschen. Nur weil man zusammen feiert und sich unterhält, bedeutet das ja nicht, dass man die notwendige Distanz verliert oder klüngelt.“
Feedback
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Das war’s von mir für heute, die Woche feiert Bergfest. Und wie verbringen Sie den 1. Mai? Hoffentlich in der Sonne.
Viele Grüße,
Ihre Maxi Leinkauf
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