Manchmal lassen Schüsse eine Hoffnung zerplatzen. Oder in diesem Fall wohl eher eine Illusion. Die Illusion, dass das Totalversagen ein deutsches, ja schlimmstenfalls westeuropäisches Phänomen ist – insbesondere das Totalversagen des Staates. Und dann kommt die Nachricht aus den USA, dass bei einem Dinner mit dem Präsidenten Schüsse fielen. Dass ein schwer bewaffneter Mann es in das Hotel geschafft hat, in dem sich Donald Trump zum traditionellen „Correspondents‘ Dinner“ mit Journalisten traf.

Die gute Nachricht kennen Sie schon – niemand wurde verletzt. Zumindest nicht physisch. Eine schusssichere Weste rettete einen Sicherheitsbeamten, auf den der Attentäter schoss. Möglich wurde die Tat offenbar durch strukturelles Versagen: Der Metalldetektor, mit dem Gäste auf Waffen durchsucht werden, stand nicht etwa am Eingang des Hilton Hotels, wo die Veranstaltung stattfand. Sondern erst am Eingang zum Ballsaal. Wer hat das so geplant? Wer hat das genehmigt? Wer hat da versagt?

Dass es sich um strukturelles Versagen handelt, belegt ein Augenzeugenbericht des Bild-Reporters Tim Röhn, der selbst beim Dinner anwesend war. Er schreibt, ein Screenshot einer Einladung habe gereicht, um aufs Gelände und ins Hotel zu gelangen. Jacke ausziehen beim Metalldetektor? Nicht nötig. Ausweis zeigen? Auch nicht. Zwischendurch verschafften sich sogar Aktivisten Zugang zum roten Teppich, um gegen Trump zu demonstrieren. So kam der Täter auf nur 45 Meter an den Präsidenten heran. Zum Vergleich: Beim knapp gescheiterten Attentat in Butler, wo Trump am Ohr verletzt wurde und nur durch eine zufällige Kopfbewegung am Leben blieb, betrug die Schussdistanz 140 Meter.