In Berlin-Kreuzberg probt die CDU den Kulturkampf ums Auto und plakatiert ihr penetrantes „Nein“ trotzig an die Bushaltestellen. Für unsere Autorin gibt es kein Entkommen
Bei dem Gedanken an ein autofreies Berlin fließen Kurt Wansner schonmal die Tränen
Foto [M]: Joko/Imago
Morgens, an der Bushaltestelle, wartet schon Kurt Wansner von der CDU auf mich. Das geht seit einigen Wochen so. Wansner, der 78-jährige Ur-Kreuzberger in Anzug und Krawatte, ist immer schon da und schleudert mir sein vehementes Nein! entgegen.
Seit unsere Bushaltestelle wegen einer Baustelle einige Meter vorverlegt wurde, hängt das Plakat mit dem Nein! von Kurt Wansner jetzt direkt neben dem grünen Haltestellen-H. „Nein! zu ‚Berlin autofrei‘“ steht unter Wansners Foto. Darunter der Verweis auf eine Website, die klingt wie der neueste Ballermann-Hit: verbieten-verboten.de.
Das aggressive „Nein“ von CDU und FDP nervt
Verbieten-verboten ist Teil einer Kampagne der Berliner CDU gegen das Volksbegehren „Berlin autofrei“, das bis zum 8. Mai noch Unterschriften sammelt. Das Bündnis will darüber abstimmen lassen, ob private PKWs künftig nur noch in Ausnahmefällen durch die Stadtviertel innerhalb des S-Bahnrings fahren sollen. Ohne die Berliner CDU hätte ich davon, zugegeben, noch nichts gehört. Höchstens durch die Plakate der Berliner FDP, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite ebenso laut Nein dazu sagen.
Die Erfolgsaussichten des Volksbegehrens wirken überschaubar. Umso mehr nervt die Aggressivität, mit der CDU und FDP es zum Anlass nehmen, an einer vierspurigen, dicht befahrenen Straße mit guter Busanbindung zu demonstrieren, wie egal ihnen die Feinstaub- und Abgasbelastung für die Anwohner*innen sind. Oder der Zustand der handtuchbreiten Fahrradwege, über denen sie mit ihren Schildern die „Mobilitätsfreiheit“ – nicht meine Worte, sondern die der CDU – verteidigen.
Verbrenner-Aus, my ass!
Dass sie sich mehr für die Durchfahrenden in den Autos interessieren, mag angesichts von 40 Prozent für die Grünen in diesem Teil von Kreuzberg bei der letzten Abgeordnetenhauswahl logisch sein, hat aber auch etwas Revanchistisches. Dazu passt das – KI-generierte – Testimonial auf verbieten-verboten.de: eine tieftraurig in ihrer rostübersäten Karre sitzende Rentnerin, die auf dem nächsten Foto – „Mobilitätsfreiheit“ sei Dank – herzhaft lacht. Verbrenner-Aus, my ass. Und natürlich sind die Rostflecken jetzt wie weggezaubert.
Scheitert das Volksbegehren an zu wenigen Unterschriften, dann muss Kurt Wansner seinen Platz an der Bushaltestelle spätestens am 15. Mai räumen. Einen Tag später würde das Plakat ohne konkreten Anlass als unzulässige Wahlwerbung gelten.
Vielleicht wollen Kurt Wansner und die CDU, Monate vor der Berlin-Wahl im September, in Kreuzberg einfach nur ungestraft rumhängen.
n autofrei‘“ steht unter Wansners Foto. Darunter der Verweis auf eine Website, die klingt wie der neueste Ballermann-Hit: verbieten-verboten.de.Das aggressive „Nein“ von CDU und FDP nervtVerbieten-verboten ist Teil einer Kampagne der Berliner CDU gegen das Volksbegehren „Berlin autofrei“, das bis zum 8. Mai noch Unterschriften sammelt. Das Bündnis will darüber abstimmen lassen, ob private PKWs künftig nur noch in Ausnahmefällen durch die Stadtviertel innerhalb des S-Bahnrings fahren sollen. Ohne die Berliner CDU hätte ich davon, zugegeben, noch nichts gehört. Höchstens durch die Plakate der Berliner FDP, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite ebenso laut Nein dazu sagen.Die Erfolgsaussichten des Volksbegehrens wirken überschaubar. Umso mehr nervt die Aggressivität, mit der CDU und FDP es zum Anlass nehmen, an einer vierspurigen, dicht befahrenen Straße mit guter Busanbindung zu demonstrieren, wie egal ihnen die Feinstaub- und Abgasbelastung für die Anwohner*innen sind. Oder der Zustand der handtuchbreiten Fahrradwege, über denen sie mit ihren Schildern die „Mobilitätsfreiheit“ – nicht meine Worte, sondern die der CDU – verteidigen.Verbrenner-Aus, my ass!Dass sie sich mehr für die Durchfahrenden in den Autos interessieren, mag angesichts von 40 Prozent für die Grünen in diesem Teil von Kreuzberg bei der letzten Abgeordnetenhauswahl logisch sein, hat aber auch etwas Revanchistisches. Dazu passt das – KI-generierte – Testimonial auf verbieten-verboten.de: eine tieftraurig in ihrer rostübersäten Karre sitzende Rentnerin, die auf dem nächsten Foto – „Mobilitätsfreiheit“ sei Dank – herzhaft lacht. Verbrenner-Aus, my ass. Und natürlich sind die Rostflecken jetzt wie weggezaubert.Scheitert das Volksbegehren an zu wenigen Unterschriften, dann muss Kurt Wansner seinen Platz an der Bushaltestelle spätestens am 15. Mai räumen. Einen Tag später würde das Plakat ohne konkreten Anlass als unzulässige Wahlwerbung gelten.Vielleicht wollen Kurt Wansner und die CDU, Monate vor der Berlin-Wahl im September, in Kreuzberg einfach nur ungestraft rumhängen.