Der Flughafenverband ADV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen) sieht in dem geplanten Abzug der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair vom Hauptstadtflughafen BER ein Alarmsignal für den Luftverkehrsstandort Deutschland. „Deutschland schaut nach der Ryanair-Ankündigung auf den Flughafen BER, aber eigentlich ist es keine Entscheidung gegen Berlin, sondern gegen den Luftverkehrsstandort Deutschland insgesamt“, erklärte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel am Samstag.
„Die angekündigte deutliche Reduzierung des Angebots am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) zeigt exemplarisch, unter welchem Druck Airlines in Deutschland stehen – und welche strukturellen Wettbewerbsnachteile bestehen“, betonte er. Das Problem liege dabei weniger bei den Flughafenentgelten als vor allem bei den Standortkosten in Deutschland, also den Kosten für Luftverkehrsteuer, Luftsicherheitsgebühr und Flugsicherungsgebühren.
Diese Kosten werden laut ADV sowohl im konkreten Vergleich einzelner Strecken als auch im generellen Kostenvergleich der Standorte deutlich: Während ein Flug von Berlin nach Palma Airlines rund 7.600 Euro kostet, sind es ab Warschau nur etwa 4.400 Euro. Ein Flug nach New York kostet von einem deutschen Flughafenstandort rund 25.300 Euro, während an einem vergleichbaren europäischen Standort lediglich etwa 13.900 Euro anfallen.
Ryanair halbiert Winterflugplan in Berlin
Die Fluggesellschaft Ryanair reduziert die Zahl ihrer Flüge von und nach Berlin im Winterflugplan ab Ende Oktober um die Hälfte. Ryanair begründete dies am Freitag mit den hohen Gebühren am Flughafen Berlin, die ab 2027 erneut um zehn Prozent angehoben würden. Die Abgabenlast sei seit der Corona-Pandemie bereits um die Hälfte gestiegen. Ryanair kritisierte die Luftverkehrspolitik der Bundesregierung insgesamt scharf – sie gehe zu Lasten der Verbraucher.
Konkret wird Ryanair den Standort Berlin schließen, wie das Unternehmen ankündigte. Die sieben am Hauptstadtflughafen BER stationierten Maschinen würden umverteilt auf Flughäfen in europäischen Ländern, „die Luftverkehrsteuern gestrichen haben“ – wie Schweden, die Slowakei, Albanien und Italien. (afp/red)