Der traditionelle Kanzler-Messerundgang ist anders als geplant verlaufen: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sind getrennt über das Gelände gegangen. Bereits kurz nach dem Eröffnungsstatement am Stand des Partnerlandes Brasilien trennten sich die beiden. Während sich Lula weitere Stände brasilianischer Aussteller anschaute, zog Merz ohne ihn weiter.
Polizei und Verantwortliche der Messe zeigten sich überrascht: „Das haben wir noch nie erlebt“, hieß es. Merz absolvierte seinen Rundgang dann ohne den Staatsgast aus Brasilien. Eigentlich war geplant, dass die beiden Politiker den Rundgang gemeinsam absolvieren.
Auch das gemeinsame Abschlussstatement fiel aus. Präsident Lula blieb derweil bei den brasilianischen Ständen, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur berichtete. Zu den Gründen machte die Messe auf Anfrage zunächst keine Angaben.
Merz sieht Mercosur-Abkommen als Zeichen gegen Machtpolitik
Merz (CDU) sieht in dem Freihandelsabkommen der EU mit den lateinamerikanischen Mercosur-Staaten einen Gegenentwurf zu einer neuen Großmachtpolitik.
Bei dem gemeinsamen Auftritt mit dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva hatte er gesagt: „Das ist unsere Antwort auf die großen Verwerfungen, die wir gegenwärtig erleben“
„Es ist eine Antwort an all diejenigen, die heute Machtpolitik auf der Welt mit militärischen Mitteln an die Stelle von regelbasierter Ordnung, Verträgen und Verlässlichkeit setzen wollen“, sagte Merz. Das Abkommen, mit dem eine Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Menschen entstehen soll, tritt am 1. Mai vorläufig in Kraft.
Auch Lula warb dafür, die Zusammenarbeit Europas und Lateinamerikas „immer produktiver, immer effektiver und immer besser“ zu machen. Wie Merz verteidigte er eine auf Regeln und internationalen Institutionen basierende Weltordnung. Lula hatte am Sonntagabend bei der Eröffnung der Hannove Messe den Krieg der USA und Israels gegen den Iran als „Wahnsinn“ bezeichnet.
Regierungskonsultationen am Nachmittag
Nach ihrem Messebesuch kommen Merz und Lula am Nachmittag mit insgesamt 15 Ministern beider Seiten zu Regierungskonsultationen im Schloss Herrenhausen zusammen.
Dabei wird es um die ganze Bandbreite der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern gehen. Deutschland führt Regierungskonsultationen mit besonders engen Partnern wie Frankreich, Polen und Italien oder besonders wichtigen Ländern wie Brasilien oder Indien durch.