Nach Jahrzehnten des Verschweigens strahlte das zweite Programm des serbischen Staatsfernsehens (RTS 2) am orthodoxen Karfreitag eine ganze Sendung über die deutsche Minderheit im Land aus.

Positives Signal

Gesprächspartner waren Mitglieder des Deutschen Volksverbandes, der Organisation der Deutschen (Donauschwaben) mit Sitz in Subotica.

Dass diese Sendung ausgerechnet an einem großen staatlichen und religiösen Feiertag gezeigt wurde, werten die Vertreter der Minderheit als ein wichtiges, positives Signal der Anerkennung und als Aufarbeitung der Verbrechen an den Donauschwaben.

Habsburgische Siedlungspolitik

Unter dem Sammelbegriff „Donauschwaben“ fasst man jene deutschen Siedler zusammen, die im Rahmen der Habsburger Siedlungspolitik zwischen dem 17. Jahrhundert und der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in die Länder der Stephanskrone und somit auch ins heutige Serbien auswanderten.

Nach den Türkenkriegen war die pannonische Tiefebene, vor allem in der heutigen Wojwodina, weitgehend entvölkert. Mit kaiserlichen Ansiedlungspatenten – etwa unter Prinz Eugen von Savoyen, Kaiser Karl VI., Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Joseph II. – wurde eine planmäßige Wiederbesiedlung vorangetrieben.

Sicherung des Reiches

Die neuen Siedler kamen vor allem aus Lothringen, Elsass, der Pfalz, Rhein- und Mainfranken, aber auch aus Schwaben, Franken, Bayern, Hessen, Böhmen und anderen Regionen. Im gesamten mittleren Donauraum nannte man sie – ungeachtet ihrer tatsächlichen Herkunft – „Schwaben“.

Entscheidend war für die Habsburger, zahlungskräftige, loyale Untertanen zu gewinnen: Anerkennung des Kaisers, katholischer Glaube (zumindest bis zu den Reformen Josephs II.) und die Bereitschaft, die Militärgrenze gegen das Osmanische Reich zu verteidigen, gehörten zu den zentralen Bedingungen.

Halbe Million Deutsche in Serbien

In der Zwischenkriegszeit stellten die Deutschen im jugoslawischen Raum eine bedeutende Bevölkerungsgruppe dar. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten rund 500.000 Deutsche im Gebiet des späteren Jugoslawiens, davon 1931 allein 342.853 Donauschwaben in der Wojwodina – im Banat, in der Batschka und in Syrmien.

Sie waren vor allem in ländlichen Gebieten ansässig und spielten eine erhebliche wirtschaftliche Rolle: Sie verfügten über gut ein Drittel des bestellbaren Bodens, waren fast zur Hälfte an der Industrieproduktion beteiligt und stark im Handwerk vertreten. Schätzungen zufolge erbrachte die deutsche Bevölkerung etwa mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts dieser Regionen.

Grausames Ende nach 200 Jahren

Der Zweite Weltkrieg brachte die totale Vernichtung. Zunächst von der jugoslawischen Armee eingezogen, traten nach deren Kapitulation zahlreiche Männer in die ungarische Armee über oder wurden aufgefordert, sich freiwillig zur Waffen-SS zu melden.

Mit dem Vormarsch der Roten Armee und dem Sieg der Partisanen unter Josip Broz Tito wurden die Donauschwaben kollektiv unter Verdacht gestellt. Die AVNOJ-Beschlüsse vom 21. November 1944 enteigneten die deutschen Volkszugehörigen in Jugoslawien und entzogen ihnen die Bürgerrechte. Sie waren vogelfrei.

Massensterben im Dunkeln

Für die verbliebene deutsche Bevölkerung in der Wojwodina bedeutete dies Verfolgung, Entrechtung und Lagerhaft. In den ersten Wochen nach dem Einmarsch der Roten Armee und der Partisanen kam es zu Massenerschießungen, Verhaftungen, Misshandlungen, Plünderungen und Vergewaltigungen. Hunderttausende starben.

Während 1940 im jugoslawischen Raum etwa 550.000 Donauschwaben lebten, waren es 1990 nur noch rund 10.000.

Nur einzelne überlebten

Erst ab 1948 konnten kleinere Gruppen fliehen oder ausreisen; die organisierte Ausreise der Überlebenden gelang im größeren Umfang erst nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland.

Vor diesem Hintergrund erscheint die Zahl von 2.573 Deutschen, die sich heute in Serbien offiziell als Donauschwaben bekennen, als Rest einer einst großen und prägenden Bevölkerungsgruppe – aber auch als Zeichen dafür, dass die deutsche Tradition in der Region nicht völlig verschwunden ist.

Fernsehsendung mit symbolische Bedeutung

Gerade deshalb hat die Ausstrahlung der RTS-2-Sendung für den Deutschen Volksverband in Subotica eine besondere symbolische Bedeutung. Sie rückt eine Minderheit ins Licht, deren Geschichte von Ansiedlung, Aufbauleistung, Verfolgung, Flucht und Neuanfang geprägt ist – und die heute darum ringt, Sprache und Kultur lebendig zu halten.

„Es gab Deutsche in Serbien, es gibt sie heute – und es wird sie auch in Zukunft geben“, sagt der Präsident des Deutschen Volksverbandes, Rudolf Weiss. Die Fernsehsendung vom orthodoxen Karfreitag 2026 könnte ein kleiner, aber wichtiger Schritt sein, dieser Zukunft ein Gesicht zu geben.

Aufzeichnung im Verein in Maria-Theresiopolis

Die Aufzeichnung fand in den Räumlichkeiten des Deutschen Volksverbandes in Subotica statt, einer Stadt, die 1740 zu Ehren der Herrscherin Maria-Theresiopolis (so noch heute im offiziellen Wappen, deutsch Maria-Theresiopel) benannt wurde.

Vorgestellt wurden dabei nicht nur die Aktivitäten des Verbandes, sondern auch seine Bibliothek, die inzwischen mehrere tausend Titel in deutscher Sprache umfasst. Die Kamera zeigte zudem die Verbandsräume sowie die Büste Martin Luthers in Subotica, die auf einem Platz im erweiterten Stadtzentrum steht.

Ziel: Rechtliche Anerkennung

Der Präsident des Deutschen Volksverbandes, Rudolf Weiss, hob im Gespräch hervor, dass die Deutschen in Serbien heute eine gut integrierte nationale Gemeinschaft sind, die sich ihrer Wurzeln bewusst geblieben ist. Man sei entschlossen, Sprache, Kultur, Traditionen und Identität zu bewahren. Dass es diese Gemeinschaft trotz aller Brüche der Geschichte noch gibt und geben wird, bezeichnete Weiss als seine feste Überzeugung.

Als wichtiges Zeichen der rechtlichen Anerkennung nannte Weiss das gesetzlich verankerte Recht, persönliche Namen in deutscher Rechtschreibung und in lateinischer Schrift führen zu können.

Sprachrohr Österreichische Landsmannschaft

In Österreich unterstützt sie die Österreichische Landsmannschaft (ÖLM) aktiv. Sie wurde 1880 als „Deutscher Schulverein“ gegründet, um jenen Deutschen zu helfen, die außerhalb deutscher Staatsgrenzen lebten. Insbesondere die Förderung der Sprache lag und liegt ihr am Herzen.

Einst eine Massenorganisation mit prominenten Gründern und Mitgliedern wie Engelbert Pernerstorfer und Victor Adler, den späteren Gründern der SPÖ, Walzerkönig Johann Strauß, Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner und dem Dichter Peter Rosegger hilft sie bis heute unseren Landsleuten in den Ländern der ehemaligen Donau-Monarchie. Am Freitag, 24. April, begeht die ÖLM ihre jährliche Festveranstaltung um 19 Uhr im Wiener Rathauskeller.



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