Anfang April waren zwölf Personen, meist Mitglieder von NachDenkSeiten -Gesprächskreisen – aus Speyer, Weingarten, Karlsruhe, Bad Bergzabern und Umgebung – auf einer Tour durch Georgien. Man könnte sagen, es war eine Studienreise. Mit dabei und einer der Initiatoren war Roland Kern aus Speyer. Er hat viel und eine lange Erfahrung mit Reisen in den Osten Europas. Er hat zum Beispiel schon 1989 für die Speyerer SPD einen Sonderzug nach Moskau und Leningrad organisiert. Mit dabei in Georgien war auch Rainer Kaufmann aus Bruchsal, der im Jahre 1989 mehr zufällig mit (mindestens) halbem Herzen in Georgien „hängen geblieben“ ist.

Roland Kern hatte gemeinsam mit Dieter Urban – beide vom Gesprächskreis Speyer – und Rainer Kaufmann die Route der aktuellen Georgien-Reise ausgearbeitet. Wir lernten einen Teil des Landes kennen, beispielsweise den Kaukasus an der Grenze zu Russland, und dann die Hauptstadt Tiflis.

Hier war für uns auch ein besonders interessanter Gedankenaustausch organisiert worden: Eingeladen waren zwei Frauen, die ein einschneidendes und schreckliches Erlebnis der jüngeren Geschichte Georgiens persönlich miterlebt hatten: die Niederschlagung einer Demokratie- und Freiheitsbewegung im Jahre 1989, einer Bewegung, die wesentlich von Frauen getragen worden war.

Zwei Frauen, die damals an den Demonstrationen beteiligt waren, berichteten nun am Jahrestag, dem 9. April, davon und diskutierten mit den angereisten Deutschen aus Baden und der Pfalz.

Beide Frauen beschrieben die Zeit von Glasnost und Perestroika als eine Zeitspanne, in der die Georgier Chancen gesehen hatten, sich von der Sowjetunion zu lösen. Die Rote Armee habe in den orthodoxen Kirchen und Klöstern die Ikonen zerstört und auch Höhlenklöster in Kachetien beschossen. Für die sehr religiösen Georgier war dies eine besonders große psychische Belastung. – Auch der Streit um den Status Abchasiens war ein weiterer Grund für Demonstrationen. Vertreter der abchasischen Minderheit forderten, ihre autonome Republik von Georgien zu trennen. Um 4:00 Uhr in der Nacht habe eine Spezialeinheit der sowjetischen Armee begonnen, Giftgas einzusetzen und Demonstrantinnen mit Spaten zu erschlagen. Hunderte wurden verletzt, 21 Menschen getötet. Heute wird dieser Vorfall als der Beginn des Endes der Sowjetunion gewertet.

Roland Kern war zufällig einige Tage nach diesen Ereignissen in Tbilissi. Als Sohn eines Deutschen und einer Ukrainerin ist ihm seit Kindertagen die Verständigung mit den Völkern Osteuropas ein großes Anliegen. Daher auch seine frühere Initiative für den erwähnten Sonderzug von Speyer nach Leningrad und Moskau und die Initiative für die neue Reise von Anfang April.

Zum Schluss noch zwei Anmerkungen:

Zum ersten: Wer an einer Reise nach und durch Georgien interessiert ist, darf sich gerne an Roland Kern [email protected] und/oder Rainer Kaufmann (www.erka-reisen.de) wenden.

Zum zweiten: Als wir Macher der NachDenkSeiten die Möglichkeit zur Gründung von Gesprächskreisen sahen und durch Veröffentlichung des bundesweiten, ja inzwischen weltweiten Angebots förderten – siehe hier: Regionale Gesprächskreise – hatten wir noch nicht im Blick, dass die Gesprächskreise Studienreisen initiieren und organisieren könnten. Die Georgien-Reise von Anfang April ist der Beleg dafür, dass dies möglich ist – und ausgesprochen attraktiv.



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