Die Wiederaufnahme direkter Gespräche mit Kiew ohne Beteiligung der USA wird nicht in Erwägung gezogen, berichtete Russlands Außenministerium dem Blatt „Iswestija“. Eine der Voraussetzungen für den bilateralen Dialog könnte Kiews Antwort auf das noch in Istanbul unterbreitete Memorandum sein.
Die Verhandlungen zum Ukraine-Konflikt, die sich Anfang des Jahres nach den Gesprächsrunden in Abu Dhabi und Genf intensiviert haben, ruhen aufgrund des Nahostkonflikts. Wegen des Krieges in Iran ist Washington nicht in der Lage, dem Konflikt in der Ukraine Aufmerksamkeit zu schenken.
Russland warte jedoch auf die Rückkehr der USA zur Ukraine-Frage, denn ein direkter Dialog zwischen Moskau und Kiew sei ohne Vermittler in der aktuellen Lage unwahrscheinlich, teilte die Zeitung Iswestija mit. „Ich glaube nicht, dass es derzeit die Bereitschaft gibt, direkt […] ohne Vermittlung Verhandlungen durchzuführen“, erklärte Rodion Miroschnik, der für die Verbrechen des Kiewer Regimes zuständige Sonderbotschafter des russischen Außenministeriums, gegenüber dem Blatt. Ihm zufolge gibt es keine Gründe zu sagen, dass Kiew seine Position „ernsthaft und wesentlich“ geändert habe. „Zumindest, wenn man ihre Rhetorik betrachtet“, so Miroschnik.
Er betonte, dass die Seiten viele Bemühungen unternommen hätten, um einen Dialog in parallelen Formaten zwischen Moskau und Washington sowie zwischen Kiew und Washington aufzubauen. In dieser Hinsicht sollte der Dialog zum Ukraine-Konflikt nicht getrennt von den russisch-US-amerikanischen Beziehungen betrachtet werden, sagte Miroschnik im Gespräch mit der Iswestija. Deswegen sei Moskau an der Fortsetzung des Dialogs sowohl mit den USA als auch mit der Ukraine unter Vermittlung der USA interessiert. Er sagte:
„Ohne zusätzlichen Druck auf die Ukraine halte ich es nicht für aussichtsreich, auf einen direkten Dialog zu hoffen, da wir bislang noch keine Dokumente ausgearbeitet haben. Vor mehr als einem halben Jahr, als das letzte Treffen im Istanbul-Format stattfand, hat Russland den Entwurf eines Memorandums unterbreitet, und bis heute haben wir noch keine Antwort bekommen.“
Miroschnik bezog sich dabei auf das bilaterale Treffen in Istanbul, das am 2. Juni 2025 stattgefunden hatte. Die Seiten hatten damals vereinbart, Gefangenenaustausche sowie Austausche von Leichnamen gefallener Soldaten weiter durchzuführen. Darüber hinaus habe Moskau bei diesem Treffen der ukrainischen Delegation ein Memorandum über einen Waffenstillstand und eine langfristige Beilegung übergeben, so die Iswestija.
Am 23. Juli 2025 fand in Istanbul die dritte Runde bilateraler Verhandlungen statt. Im Iswestija-Beitrag wird darauf hingewiesen, dass die bilateralen Treffen in der Türkei ebenfalls ein Ergebnis der Bemühungen Washingtons gewesen seien.
Was den Zustand der Verhandlungen betrifft, bleibe die Frage der Territorien eines der schwierigsten Themen, schrieb das Blatt weiter. Kiew weigere sich, Gebiete abzutreten. Moskau verfolge seine Ziele derzeit mit militärischen Mitteln, weil Kiew sich weigere, am Verhandlungstisch Zugeständnisse zu machen.

Gleichzeitig rechne der Westen und die Ukraine damit, durch die Erschöpfung Moskaus zu gewinnen. Diese Meinung vertritt der Leiter des Instituts für moderne Staatsentwicklung Dmitri Solonnikow. In einem Gespräch mit dem Blatt betonte der Experte, dass die Verhandlungen aus diesem Grund in eine Sackgasse geraten seien. Ihm zufolge trete Washington eher als ein Organisator des Prozesses auf, denn als eine Kraft, die die Ukraine dazu drängen könne, russische Bedingungen zu akzeptieren. „Die USA sind die treibende Kraft des Verhandlungsprozesses zur Ukraine. Auch ihre Interessen werden von niemandem verheimlicht: Sie wollen möglichst großen Einfluss auf die Situation gewinnen, die sich nach Abschluss des Prozesses ergeben wird,“ sagte der Experte abschließend.
Die ungekürzte Fassung des Artikels ist auf Russisch am 17. April 2026 auf der Website der Zeitung Iswestija erschienen.
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