Der Tweet des AfD-Politikers Maximilian Krahs ging viral: Sein Bild mit der obersten Rüstungsbeschafferin in Deutschland wurde auf X fast 400.000 Mal angezeigt und bekam mehr als 8.000 Likes:

Ich musste lachen, und mein erster Gedanke war – böse, aber mit wahrem Kern. Warum funktioniert das Bild? Nicht wegen böser Absicht — sondern wegen eines Erkennungseffekts, den viele sofort spüren, aber kaum jemand benennen will. Lehnigk-Emden sieht aus wie das Musterbild eines bestimmten Milieus: die runde Brille, die entspannte Körpersprache vor der Deutschlandfahne, die Ausstrahlung von jemandem, dem Karriere nie Kampf bedeutet hat, sondern Beförderung durch Wohlverhalten. Wer in deutschen Behörden, Redaktionen oder NGOs unterwegs war, kennt diesen Typus.

Harmlos ist er nicht. Er kämpft — aber nicht offen, nicht mit Argumenten, sondern mit den Mitteln des Apparats: mit Netzwerken, mit Akten, mit selektiver Transparenz, mit dem leisen Aussortieren von Unbequemen. Wer nicht ins Milieu passt, merkt es nicht durch Konfrontation, sondern durch Türen, die sich nie ganz öffnen. Das ist die eigentliche Gefährlichkeit dieses Typus — nicht Bosheit, sondern Systemtreue als Waffe. Und dieser Typus ist in Deutschland allgegenwärtig, seit Politik und Medien zu einem rot-grünen Biotop wurden. Es sind diese Lehnigk-Emdens an den Schalthebeln der Macht in Politik, Medien und Wirtschaft, die dieses Land dysfunktional machen. Sie mögen Naturschutzvereins-Sitzungen und Selbstfindungsgruppen bereichern – aber sie sind Bremsflüssigkeit, ja Gift in einem System, das Leistung braucht, um zu funktionieren, statt nur gut auszusehen und sich moralisch anzufühlen.

Aber das zu denken verbieten sich die meisten nicht nur selbst — sie dulden es auch bei anderen nicht. Was prompt den erwartbaren Reflex auslöste: Ein User namens Theo konterte mit der Berufsbiografie von Kornelia Annette Lehnigk-Emden und fragte spitz, ob Krah „konkrete inhaltliche Kritik an ihrer Arbeit vorzuweisen“ habe oder ob es ihm „intellektuell ausreichend sei, digital zu pöbeln.“ Das ist die eigentliche Tragödie — und sie ist allgegenwärtig.

Krah provoziert. Theo doziert. Beide verpassen den Punkt.

Denn Theos vermeintliche Widerlegung — sie ist seit 1991 durchgängig mit Rüstungsaufgaben betraut — ist nicht das Gegenteil von Krahs Kritik. Es ist ihre Bestätigung.

35 Jahre im selben Apparat. Keine Privatwirtschaft. Kein internationaler Posten. Keine Führungserfahrung außerhalb des eigenen Hauses. Referentin, Teamleiterin, Referatsleiterin, Justitiariat, Vizepräsidentin, Präsidentin — alles in Koblenz, alles im selben Haus, das heute BAAINBw heißt und früher BWB hieß und in beiden Inkarnationen vor allem durch eines aufgefallen ist: spektakuläres, hochdekoriertes Versagen bei der Rüstungsbeschaffung.

Theo hält das für ein Qualitätsmerkmal. Das ist die eigentliche Tragik in diesem Diskurs.