Grünes Wissen to go: Die großflächige Elektrifizierung setzte sich seit den 1950er Jahren weltweit durch. Aber es gibt einige Nebenwirkungen, die ausgesprochen unangenehm sind: Britische Experten fordern deshalb ein „Ministerium der Nacht“
Und das Wasser spiegelt das ganze Licht auch noch: Hier am Fluss Jangtsekiang in der chinesischen Stadt Wuhan
Foto: Wang Zhao/AFP/Getty Images
Die Erde ist heller geworden – bei Nacht. Ein internationales Forscherteam mit deutscher Beteiligung wertete Daten der US-Raumfahrtagentur NASA aus. Ergebnis: Seit 2014 hat die Dunkelheit in der Summe um 16 Prozent abgenommen. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Team, veröffentlicht im Fachmagazin Nature.
Sie setzten diesen Wert ins Verhältnis zur Erdbevölkerung, die im gleichen Zeitraum nur um 10 Prozent wuchs. Der Begriff „Lichtverschmutzung“, auch „Lichtsmog“ oder „Lichtverunreinigung“ genannt, bezeichnet die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen.
Für ihre Arbeit werteten die Forscher:innen 1,16 Millionen Satellitenbilder aus, erstmals jeden einzelnen Tag – und zwar weltweit auf 500 Quadratmeter genau. Vorherige Studien hatten lediglich monatliche Lichtwerte ermittelt. Interessant sind die Details der Studie, denn der Nachthimmel entwickelte sich unterschiedlich: Über Asien wurde er beispielsweise 34 Prozent heller, während die Nacht über Europa 4 Prozent dunkler geworden ist.
Als Gründe dafür gibt die Studie die Corona-Lockdowns, die Verdunklung im Ukraine-Krieg und den Umstieg auf LED-Technologie an: Vorreiter ist Frankreich, das im Zeitraum seinen Lichtsmog um ein Drittel reduzierte. Die Lichtverschmutzung wurde im Nachbarland gesetzlich neu geregelt, viele Kommunen schalten jetzt nach Mitternacht die Straßenbeleuchtung ab.
Größte Treiber der globalen Aufhellung waren dagegen China, Indien und Vietnam. Wenig überraschend befinden sich die dunkelsten Orte in Zentralafrika, im Amazonasbecken, in den wenig besiedelten Gebieten Nordsibiriens, Zentralaustraliens, im Himalaya, in Nordamerika mit Grönland und der Sahara.
Gesucht: Ein Minister für die Nacht
Straßenlaternen, Werbetafeln, Gebäudebeleuchtung oder die Lichter der Autos: Nächtliche Lichtverschmutzung schädigt Mensch, Tier und Ökosysteme durch Störung natürlicher Orientierung. Beispielsweise verändern heller werdende Nächte Verhaltensmuster in den Räuber-Beute-Beziehungen, nachtaktive Arten werden geblendet.
Insekten fliegen in Lampen und sterben massenhaft, Zugvögel kollidieren mit Gebäuden (Millionen Tote jährlich), jene, die nach den Sternen navigieren, kommen von ihrer Flugbahn ab. Fledermäuse meiden Jagdgründe, frisch geschlüpfte Schildkröten laufen zur Stadt statt zum Meer, der WWF listet sogar Auswirkungen auf den natürlichen Wachstumszyklus von Pflanzen auf.
In Großbritannien gibt es den „Astronomer Royal“, einen Titel, der vom britischen Königshaus seit 1675 verliehen wird – und der den Träger zum „Hofastronom“ und Direktor des „Royal Greenwich Observatory“ in Greenwich erhebt. Aufgabe früher war, die Bewegungen des Himmels und der Positionen der Fixsterne zu bestimmen, damit die Kunst der Navigation beispielsweise der britischen Flotte zulegt. Der 1942 geborene Martin John Rees war von 1995 bis 2025 königlicher Astronom, eine seiner Aufgaben war es, Vorschläge zu erarbeiten, wie der Lichtsmog gemindert werden kann.
Dafür gründete Rees eine parteiübergreifende Gruppe von Parlamentariern, die einen „politischen Plan“ für einen dunkleren Himmel erarbeitete. Der hatte offensichtlich Wirkung: Auch im Vereinigten Königreich ist die Lichtverschmutzung zurückgegangen, der Studie zufolge um 22 Prozent.
Dabei sind noch gar nicht alle Ideen der Gruppe umgesetzt, sie forderten beispielsweise die Ernennung eines „Ministers für die dunkle Nacht“. Dieser Posten ist aber immer noch nicht besetzt: Unbekannt, ob das nur dem Mangel an einem geeigneten Kandidaten gestundet ist – oder ob sich nicht einmal in Großbritannien jemand einen Dunkelminister vorstellen kann.
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