Belgien hat seinen geplanten Ausstieg aus der Kernenergie faktisch gestoppt und will künftig stärker auf Atomkraft setzen.

Für leistbare Energie

Die Regierung verhandelt mit dem französischen Energiekonzern Engie über eine vollständige Übernahme der belgischen Kernkraftwerke. Während dieser Gespräche wurde der Rückbau bereits stillgelegter Reaktoren ausgesetzt, um „alle Optionen offenstehen“ zu lassen.

Premierminister Bart De Wever verteidigte den Kurswechsel deutlich:

Diese Regierung entscheidet sich für sichere, bezahlbare und nachhaltige Energie. Mit weniger Abhängigkeit von fossilen Importen und mehr Kontrolle über unsere eigene Versorgung.

Fünf von sieben Reaktoren vor Wiederinbetriebnahme

Konkret geht es um sieben Reaktoren – darunter zwei noch aktive Anlagen in Doel und Tihange sowie fünf bereits stillgelegte Blöcke.

Kernenergie liefert derzeit rund ein Drittel des belgischen Stroms und gilt als stabiler Baustein im Energiemix. Trotzdem setzten sich die Klimabewegten durch und erreichten den Atomausstieg. Fünf Reaktoren wurden bereits still gelegt, die letzten sollten bald folgen. Ihre Laufzeit wurde jedoch bereits bis 2035 verlängert.

Energiekrise als Treiber der Wende

Die neue Strategie ist eng mit geopolitischen Entwicklungen verknüpft. Unsichere Energieimporte und steigende Preise haben den politischen Druck erhöht, die eigene Stromversorgung stärker abzusichern.

Auch andere europäische Länder verfolgen ähnliche Ansätze: Staaten wie Frankreich, Polen oder Schweden bauen ihre Kernkraftkapazitäten aus oder planen neue Reaktoren. Nur Deutschland verharrt in seinem Klimawahn und bleibt bei der umstrittenen Energiewende.

Breite Unterstützung – mit wirtschaftlichen Vorbehalten

In Belgien selbst findet der Kurswechsel breite Unterstützung in Politik und Wirtschaft. Energieminister Mathieu Bihet bezeichnete die Pläne als Teil einer „kohärenten Strategie“, um die Kontrolle über das nationale Energiesystem zurückzugewinnen.

Auch Vertreter mehrerer Parteien sowie Industrieverbände sehen in der Kernkraft einen Garant für Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. Der flämische Arbeitgeberverband Voka etwa erwartet stabile Strompreise, warnt jedoch gleichzeitig vor möglichen Mehrkosten für die Gesellschaft.

Kritik von linken Nichtregierungsorganisationen

Deutlichen Widerstand gibt es hingegen von Klimaorganisationen und der grünen Opposition. Organisationen wie Greenpeace sprechen von einer finanziell riskanten Entscheidung und warnen vor milliardenschweren Belastungen für den Staat. Zudem könnten Investitionen in alte Reaktoren den Ausbau erneuerbarer Energien bremsen.

Alte Reaktoren, neue Debatte

Ein zentraler Kritikpunkt ist das Alter der Anlagen: Die meisten Reaktoren stammen aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Besonders der Reaktor Tihange 2 war wegen technischer Mängel und Sicherheitsbedenken lange umstritten.

Dennoch sieht die Regierung in der Kernkraft eine Brückentechnologie, um die Energieversorgung zu stabilisieren. Parallel soll der Ausbau erneuerbarer Energien – etwa Offshore-Windkraft – weiter vorangetrieben werden.



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