In einem kürzlich veröffentlichten Video auf dem Kanal „Daniel Davis Deep Dive“ mit dem Titel „Col Douglas Macgregor: Trump is Dangerous“ analysiert der vierfache Kampfveteran, ehemalige Berater des US-Verteidigungsministers und hochdekorierte Oberst a. D. Douglas Macgregor die aktuelle US-Politik unter Präsident Donald Trump im Iran-Konflikt.
Das Gespräch beginnt um 0:01 mit der Feststellung, dass Verteidigungsminister Pete Hegseth (im Transkript teils als „Hexith“ oder „Hegsth“ transkribiert) vor einem Kongressausschuss nicht gegen den Iran, sondern gegen kritische Abgeordnete in die Offensive geht. Macgregor zerlegt die widersprüchlichen Kriegsbegründungen, die gescheiterten Ziele und die globalen Risiken – eine schonungslose Kritik an einer Politik, die er als selbstmörderisch und destabilisierend einstuft.
Die widersprüchlichen Kriegsbegründungen: Von der „imminenten Bedrohung“ zur verpassten Chance
Macgregor beginnt mit einer scharfen Analyse der Aussage von Verteidigungsminister Pete Hegseth vor dem Kongress. Hegseth hatte argumentiert, die US-geführten Angriffe auf iranische Nuklearanlagen seien notwendig gewesen, weil diese „unterirdisch vergraben“ und rund um die Uhr beobachtet würden.
Gleichzeitig behauptete er, der Iran habe seine nuklearen Ambitionen nicht aufgegeben und baue stattdessen einen konventionellen Schutzschild auf. Macgregor nennt das ein klassisches Eigentor: Präsident Trump selbst hatte zuvor von einer „imminenten Bedrohung“ durch eine iranische Atombombe gesprochen – eine Begründung, die nun durch Hegseths eigene Worte untergraben werde.
„Sie können sich das nicht ausdenken“, sagt Macgregor. „Diese Leute wollen es auf jede erdenkliche Weise, und jetzt kommen sie nicht mehr aus dem Loch heraus, das sie sich selbst gegraben haben.“
Er vergleicht die Rhetorik mit den Talking Points des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu. Weder die US-Geheimdienste noch öffentliche Einschätzungen hätten vor dem 28. Februar Hinweise auf eine aktive iranische Atombombe gegeben. Der Iran habe vielmehr erklärt, keine solche Waffe anzustreben.
Macgregor sieht hier eine klare Linie: Die US-Regierung tanze nach Netanyahus Pfeife. Statt bei der einfachen Lüge zu bleiben – „Der Iran baut eine Atombombe“ –, habe Hegseth sich in Widersprüche verstrickt.
Das Ergebnis: Die Welt sehe nun, dass ein Land, das keine Atombombe wolle, angegriffen werde. Die logische Konsequenz, so Macgregor, sei eine massive Radikalisierung, besonders bei der jungen iranischen Generation unter 40.
„Wenn Sie nicht von den USA oder Israel angegriffen werden wollen, brauchen Sie eine Atombombe.“
Der Krieg fördere genau das, was er verhindern sollte: die Proliferation von Atomwaffen.
Gescheiterte Ziele und die Illusion der Regime-Change-Strategie
Macgregor skizziert die wechselnden Kriegsziele der USA als klassischen Fall militärischer Planlosigkeit.
Zunächst sollte der Angriff einen Aufstand im Iran unterstützen – gescheitert. Dann folgte der Versuch, das Regime zu „enthaupten“ und durch ein genehmes zu ersetzen – ebenfalls gescheitert. Schließlich sollte der iranische Staat komplett zerstört werden.
Auch das misslang: Die Munitionsvorräte der USA gingen zur Neige, und der Iran demonstrierte eine effektive Abwehr. Nun bleibe nur noch die Forderung, der Iran müsse sich Israels Bedingungen unterwerfen.
„Der Zweck war von Anfang an, den Iran so weit zu bringen, dass er sich Israels Forderungen unterordnet“, fasst Macgregor zusammen.
Stattdessen habe jeder neue Angriff den Iran nur entschlossener gemacht, „bis zum bitteren Ende zu kämpfen“ – als letzter verbliebener Akteur in der Region.
Besonders kritisch sieht er die Radikalisierung der iranischen Jugend. Viele unter 30 oder 40 Jahren würden nun zu dem Schluss kommen, dass eine Atombombe unverzichtbar sei.
Gleichzeitig verliere die US-Regierung jede Glaubwürdigkeit: Wie oft könne man seine Argumentation ändern und erwarten, dass jemand noch etwas glaubt? Macgregor vergleicht die Situation mit einem „Canary in the Coal Mine“: Die Glaubwürdigkeit der USA sei irreparabel beschädigt.
Globale Auswirkungen: Südkorea, Asien und das Ende der US-Hegemonie
Ein zentraler Punkt des Interviews ist die wachsende Distanzierung traditioneller Verbündeter.
Macgregor verweist auf die Ankündigung Südkoreas, bis 2028 die operative Kontrolle über seine Streitkräfte zurückzuerlangen – ein Schritt, der seit Jahren gewünscht, aber nun beschleunigt werde. Die südkoreanischen Streitkräfte stünden derzeit unter dem Kommando eines US-Generals (US Forces Korea und Combined Joint UN Command). Nun wolle Seoul unabhängig agieren.
Gründe: Südkorea sei wirtschaftlich und technologisch eine Großmacht mit 40–50 Millionen Einwohnern, Nordkorea werde von Moskau und Peking zurückgehalten, und Seoul mache hervorragende Geschäfte mit China.
Weder Südkorea noch Japan wollten in einen US-China-Krieg hineingezogen werden.
Macgregor sieht darin ein Symptom imperialer Überdehnung: „Die Vasallenstaaten wollen raus aus diesem Rahmen.“
Ähnliches erwarte er bald für Japan. Asiatische Staaten betrachteten die USA als „gefährlichen, ansteckenden Patienten am Ende des Flurs“. Die USA seien der einzige Akteur, der von Krieg in Asien spreche – nicht China, nicht Korea, nicht Japan.
Der Iran-Krieg beschleunige diesen Prozess: Die Welt sehe die USA als „rogue power“, als unberechenbare Macht, die Konflikte schaffe, wo keine seien.
Die drei Optionen Trumps: Sieg erklären, Blockade oder weitere Eskalation?
Macgregor analysiert die internen Debatten im Weißen Haus anhand von Leaks (u. a. Axios). Drei Wege zeichneten sich ab:
Sieg erklären und abziehen – für Macgregor die einzig vernünftige Option. Die meisten Amerikaner unterstützten den Krieg ohnehin nicht. Trump könnte als Friedensbringer gefeiert werden. Doch Israel blockiere diesen Weg.
Blockade fortsetzen – derzeit Trumps bevorzugte Linie. Macgregor warnt: Sie schade primär dem globalen Süden, Europa und den eigenen Landwirten. 47 verschiedene Erdölprodukte könnten nicht mehr aus dem Persischen Golf exportiert werden. Düngemittelausfuhren seien dramatisch eingebrochen – die „Grüne Revolution“ werde rückgängig gemacht. Farmer in den USA meldeten bereits 46 % mehr Insolvenzen.
Die Blockade treffe den Iran kaum, radikalisiere ihn aber weiter. Iran werde als „Superheld“ dastehen, während die USA globalen Hunger und Zerstörung säten.
Militärisch verdoppeln – die gefährlichste Variante. Macgregor hält sie für wahrscheinlich, weil Trump „alles auf eine Karte gesetzt“ habe. Seine Präsidentschaft stehe auf dem Spiel.
Doch weitere Angriffe würden die Infrastruktur im Golf um Jahre oder Jahrzehnte zurückwerfen. Experten sprächen von 5–10 Jahren bis zur Erholung der Ölproduktion.
Zudem drohe eine direkte Konfrontation mit China: Wenn Tanker in der Malakka-Straße abgefangen würden, könne Peking eingreifen – mit massiver Flotte, nuklearer und konventioneller Abschreckung. Russland und Indien würden folgen.
Ägypten und die Türkei (stärkste NATO-Macht nach den USA) könnten ebenfalls intervenieren. Das Szenario: regionaler Krieg, der global wird.
Macgregor warnt vor einer „Operation Economic Fury“ und der gezielten Abwertung der iranischen Währung. Selbst eine „kleine“ militärische Aktion könne von Iran als Casus Belli gewertet werden – mit Angriffen auf Golf-Energieinfrastruktur.
Die Rolle der Falken und der Verlust der US-Glaubwürdigkeit
Besonders scharf kritisiert Macgregor die Einflüsterer Trumps: Washington-Post-Kolumnist Mark Thiessen (ehemaliger Bush-Redeautor), Ex-General Jack Keane, Lindsey Graham und Benjamin Netanyahu.
Thiessen hatte gefordert, erneut „alle“ zu töten, die an Verhandlungen beteiligt sein könnten – eine „blutrünstige“ Haltung, die Macgregor als „blindwütigen Hass“ brandmarkt.
Keane fordere Kampfhandlungen plus Blockade plus Geheimdienst-Operationen, um nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch politischen Kollaps herbeizuführen.
Macgregor kontert: Wer die aktuelle iranische Führung eliminiere, bekomme eine viel radikalere, jüngere Generation, die bis zum letzten Mann kämpfen werde.
Die USA hätten sich vom „Stadt auf dem Hügel“ zur „Lepra-Kolonie“ gewandelt. Niemand wolle mehr Geschäfte mit einer Macht machen, die als „krank, gefährlich, dement und wahnsinnig“ gelte.
Nordstream-Sabotage, der Iran-Krieg, die Zerstörung globaler Lieferketten – all das werde wahrgenommen.
Die Folgen: Zusammenbruch der Finanzmärkte, Verlust von 50–60 % des Aktienmarkts, Knappheit statt Überfluss. In 3–4 Monaten könnten Amerikaner auf die Straße gehen.
Parallelen zum Ukraine-Krieg: Sinnlose Sanktionen und Eskalationsfantasien
Macgregor widmet sich auch dem zweiten großen Konflikt.
Die EU habe das 20. und plane das 21. Sanktionspaket gegen Russland – wirkungslos. Gleichzeitig werde ein 90-Milliarden-Euro-Kredit an die Ukraine genehmigt (zur Hälfte für Drohnen).
Er sieht das als reines Verschwendung: Die Hälfte lande in Offshore-Konten von Selenskyj und seiner Clique.
Die Ukraine sei de facto ein toter Staat (nur noch 18–20 Millionen Einwohner), die meisten Flüchtlinge kämen nicht zurück.
Drohnenangriffe auf russische Öl-Infrastruktur radikalisierten die russische Bevölkerung – Putin werde unter Druck geraten, Odessa und später Kiew einzunehmen.
Europa werde von „Globalisten“ und „Anti-Russen“ in den Abgrund geführt. Die Alternative für Deutschland (AfD) habe 28 % bei Wahlen erreicht – ein Zeichen, dass die Bevölkerung aufwache.
König Charles III. und Keir Starmer wirkten „völlig realitätsfern“ mit ihren Appellen für „gerechten und dauerhaften Frieden“.
Fazit: Eine Warnung vor dem Abgrund
Macgregor schließt mit einer düsteren Prognose: Trump kommuniziere per AI-generiertem Comic-Strip – „oberflächlich, unreif, ohne Diplomatie“.
Putin hingegen wirke ruhig, berechenbar und ehrlich.
Wenn Trump jetzt eskaliere, drohe ein neues Weltbild: Die USA isoliert, gehasst, wirtschaftlich am Boden.
„Wir sind dabei, uns in eine Leprakolonie zu verwandeln.“
Die einzige vernünftige Option sei, den Sieg zu erklären und abzuziehen – im eigenen Interesse und dem der Welt.
Andernfalls drohe ein globaler Konflikt, in dem „jeder beschließt, die Wahnsinnigen in Washington zu stoppen“.
Das Interview ist ein eindringliches Plädoyer für Realismus statt Ideologie. Macgregor, der seit Jahrzehnten für klare Ziele, Endzustände und realistische Mittel plädiert, sieht die aktuelle Politik als Lehrbuchbeispiel für strategisches Versagen.
Ob seine Warnung in Washington Gehör findet, bleibt offen. Die Uhr tickt – und die Folgen könnten, wie er betont, nicht nur den Nahen Osten, sondern die gesamte Weltordnung verändern.