Ende April vor einem Jahr erlebten ganz Spanien und ein Großteil Portugals einen Stromausfall von beispiellosem Ausmaß. Binnen weniger Sekunden löste eine Kettenreaktion im Stromnetz eine Störung aus und führte zu Europas ernstestem „Systemausfall“ in jüngster Zeit.
Ampeln fielen aus, Mobilfunknetze funktionierten überhaupt nicht mehr, Tankstellen konnten keinen Kraftstoff mehr abgeben und Supermärkte keine Zahlungen mehr abwickeln. Die Madrider U-Bahn kam zum Stillstand, und die Menschen mussten aus den Wagen gezogen werden. „Die Leute waren fassungslos, denn so etwas war in Spanien noch nie passiert“, erklärte der 19-jährige Bauarbeiter Carlos Condori damals gegenüber AFP. „Es gibt keinen Mobilfunk-Empfang, ich kann meine Familie nicht anrufen, meine Eltern nicht, gar nichts: Ich kann nicht einmal zur Arbeit gehen.“
Die Stromversorgung wurde in den folgenden Tagen größtenteils wiederhergestellt. Doch bereits wenige Stunden nach dem Systemausfall begann die politische Debatte – sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Denn das spanische Stromnetz brach ausgerechnet zu einem Zeitpunkt zusammen, an dem Solarstromerzeugung besonders hoch war.
Das löste intensive Diskussionen über die Abkehr von fossilen Brennstoffen und auch von der Atomenergie aus. Die Medien veröffentlichten Schlagzeilen wie „Erneuerbare Energien lösten Stromausfälle aus“, „Spanien droht erneuter Netto-Null-Stromausfall“ und „Stromausfall durch Ausfälle von Solarparks verursacht“.
Kettenreaktion im ganzen Netz
Trotz einer weitverbreiteten Theorie, die den erneuerbaren Energien die Schuld für einen Mangel an „Trägheit“ gibt – dem Herzschlag des Netzes, der traditionell durch große rotierende Massen in fossilen und Atomkraftwerken gewährleistet wird –, haben nachfolgende Untersuchungen eindeutig ergeben, dass dies kein Faktor war.
Der vom paneuropäischen Netzbetreiber ENTSO-E veröffentlichte Abschlussbericht machte letztlich eine „maximale Katastrophe durch das Zusammentreffen seltener negativer Ereignisse“ für den Blackout verantwortlich: mehrere Versäumnisse in der Netzsteuerung, insbesondere im Zusammenhang mit der Spannung. Dabei handelt es sich um den Druck, den der Strom auf das Netz ausübt; ist dieser zu hoch oder zu niedrig, neigen Stromleitungen und Generatoren dazu, sich automatisch abzuschalten. Dies löst wiederum eine Kettenreaktion von Ausfällen im gesamten Netz aus.
Auch wenn manche vielleicht erwartet hätten, dass der Stromausfall zu einer Abkehr von den erneuerbaren Energien führen würde: Offensichtlich ist genau das Gegenteil eingetreten. Ein Jahr später sind Spaniens Bemühungen, seine Kohle- und Gaskraftwerke durch nicht-fossile Alternativen zu ersetzen, nicht zurückgegangen.
Nach Angaben des globalen Energie-Thinktanks Ember hat Spanien im Jahr 2025 Solarkraftwerke mit 13,8 Gigawatt neuer Leistung ans Netz gebracht, verglichen mit 12,3 Gigawatt im Jahr 2024. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im vergangenen Jahr 16,8 Gigawatt. Laut Europa-Energie-Experte Chris Rosslowe vom globalen Energie-Thinktank Ember hat Spanien seinen „Kurs hin zu einer Reduzierung der fossilen Energieerzeugung und einem Ausbau der erneuerbaren Energien sowie der dafür notwendigen Infrastruktur seit dem Stromausfall weiter gefestigt“.
Nach dem Stromausfall kam es zu einem gewissen Anstieg bei der Stromerzeugung aus Gaskraftwerken, die im „verstärkten Modus“ betrieben wurden, um die Netzspannung zu stabilisieren. Es gab jedoch laut Rosslowe kein Anzeichen dafür, dass eine Rückkehr zum Gas langfristig die beste Vorgehensweise ist.
Vielmehr „fehlten Spanien Alternativen“, darunter große Lithium-Ionen-Batteriespeicher oder der Einsatz großer rotierender Motoren, die dem Netz denselben stabilisierenden Herzschlag verleihen können wie die rotierenden Turbinen in Kohle- und Gaskraftwerken – und das ohne Emissionen. Rosslowe betonte, dass die Hälfte des Anstiegs bei der Gasnutzung im Jahr 2025 lediglich auf geringere Wind- und Wasserkraftkapazitäten zurückzuführen sei.
Seit die Straße von Hormus vom Iran und dem US-Militär gesperrt ist, sind auch die Gaspreise stark in die Höhe geschnellt. Spanien war jedoch im Vergleich zu anderen Ländern dank der Investitionen in erneuerbare Energien relativ gut geschützt. Jan Rosenow, Professor für Energie- und Klimapolitik an der Universität Oxford, sagte: „Ohne das Wachstum bei Wind- und Solarenergie in den letzten Jahren wären die Großhandelsstrompreise in der ersten Hälfte des Jahres 2024 um 40 Prozent höher gewesen.“
Der Krieg im Nahen Osten spricht auch in Spanien für den weiteren Ausbau. „Das ganze Gerede über die Unsicherheit bei den erneuerbaren Energien ist angesichts des Energieschocks zusammengebrochen“, sagte José Luis Rodríguez, Analyst am Meridiano-Institut. „Der Beitrag von Sonne und Wind ist das Einzige, was der Mehrheit relativ erschwingliche Energiepreise garantiert und unsere Wirtschaft schützt.“
Deutlich günstigerer Strom dank Wind und Sonne
2025 wurde Gas als Retter des Stromnetzes vor den erneuerbaren Energien dargestellt. Doch im Jahr 2026 schützen die erneuerbaren Energien die Verbraucher vor den akuten Auswirkungen des Gases. „Spaniens durchschnittliche Strompreise im März (43 € pro Megawattstunde) waren die drittniedrigsten in Europa, nach Finnland und Portugal, doppelt so niedrig wie in Deutschland (99 € pro Megawattstunde) und dreimal so niedrig wie in Italien (144 € pro Megawattstunde)“, zählte Rosslowe auf. „Das liegt an der geschwächten Kopplung zwischen den spanischen Strom- und Gaspreisen.“
Die Enttäuschung darüber, dass erst eine derart schwerwiegender Stromausfall nötig war, um Maßnahmen zum besseren Schutz der Stromverbraucher in Spanien vor der Gaspreiskrise anzustoßen, ist ein großes Thema unter Energieexperten und -aktivisten. Doch von einer strukturellen Rückkehr zu fossilen Brennstoffen kann keine Rede sein: Die langfristigen Trends in Spanien weisen weiterhin alle in die entgegengesetzte Richtung.
Unterdessen zeigen die politischen und gesellschaftlichen Folgen des Stromausfalls vom April 2025, dass die Bekämpfung von Desinformation ebenso wichtig ist wie die Reparatur des Stromnetzes.
Stillstand, und die Menschen mussten aus den Wagen gezogen werden. „Die Leute waren fassungslos, denn so etwas war in Spanien noch nie passiert“, erklärte der 19-jährige Bauarbeiter Carlos Condori damals gegenüber AFP. „Es gibt keinen Mobilfunk-Empfang, ich kann meine Familie nicht anrufen, meine Eltern nicht, gar nichts: Ich kann nicht einmal zur Arbeit gehen.“Die Stromversorgung wurde in den folgenden Tagen größtenteils wiederhergestellt. Doch bereits wenige Stunden nach dem Systemausfall begann die politische Debatte – sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Denn das spanische Stromnetz brach ausgerechnet zu einem Zeitpunkt zusammen, an dem Solarstromerzeugung besonders hoch war.Das löste intensive Diskussionen über die Abkehr von fossilen Brennstoffen und auch von der Atomenergie aus. Die Medien veröffentlichten Schlagzeilen wie „Erneuerbare Energien lösten Stromausfälle aus“, „Spanien droht erneuter Netto-Null-Stromausfall“ und „Stromausfall durch Ausfälle von Solarparks verursacht“. Kettenreaktion im ganzen NetzTrotz einer weitverbreiteten Theorie, die den erneuerbaren Energien die Schuld für einen Mangel an „Trägheit“ gibt – dem Herzschlag des Netzes, der traditionell durch große rotierende Massen in fossilen und Atomkraftwerken gewährleistet wird –, haben nachfolgende Untersuchungen eindeutig ergeben, dass dies kein Faktor war.Der vom paneuropäischen Netzbetreiber ENTSO-E veröffentlichte Abschlussbericht machte letztlich eine „maximale Katastrophe durch das Zusammentreffen seltener negativer Ereignisse“ für den Blackout verantwortlich: mehrere Versäumnisse in der Netzsteuerung, insbesondere im Zusammenhang mit der Spannung. Dabei handelt es sich um den Druck, den der Strom auf das Netz ausübt; ist dieser zu hoch oder zu niedrig, neigen Stromleitungen und Generatoren dazu, sich automatisch abzuschalten. Dies löst wiederum eine Kettenreaktion von Ausfällen im gesamten Netz aus.Auch wenn manche vielleicht erwartet hätten, dass der Stromausfall zu einer Abkehr von den erneuerbaren Energien führen würde: Offensichtlich ist genau das Gegenteil eingetreten. Ein Jahr später sind Spaniens Bemühungen, seine Kohle- und Gaskraftwerke durch nicht-fossile Alternativen zu ersetzen, nicht zurückgegangen.Nach Angaben des globalen Energie-Thinktanks Ember hat Spanien im Jahr 2025 Solarkraftwerke mit 13,8 Gigawatt neuer Leistung ans Netz gebracht, verglichen mit 12,3 Gigawatt im Jahr 2024. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im vergangenen Jahr 16,8 Gigawatt. Laut Europa-Energie-Experte Chris Rosslowe vom globalen Energie-Thinktank Ember hat Spanien seinen „Kurs hin zu einer Reduzierung der fossilen Energieerzeugung und einem Ausbau der erneuerbaren Energien sowie der dafür notwendigen Infrastruktur seit dem Stromausfall weiter gefestigt“. Nach dem Stromausfall kam es zu einem gewissen Anstieg bei der Stromerzeugung aus Gaskraftwerken, die im „verstärkten Modus“ betrieben wurden, um die Netzspannung zu stabilisieren. Es gab jedoch laut Rosslowe kein Anzeichen dafür, dass eine Rückkehr zum Gas langfristig die beste Vorgehensweise ist.Vielmehr „fehlten Spanien Alternativen“, darunter große Lithium-Ionen-Batteriespeicher oder der Einsatz großer rotierender Motoren, die dem Netz denselben stabilisierenden Herzschlag verleihen können wie die rotierenden Turbinen in Kohle- und Gaskraftwerken – und das ohne Emissionen. Rosslowe betonte, dass die Hälfte des Anstiegs bei der Gasnutzung im Jahr 2025 lediglich auf geringere Wind- und Wasserkraftkapazitäten zurückzuführen sei.Seit die Straße von Hormus vom Iran und dem US-Militär gesperrt ist, sind auch die Gaspreise stark in die Höhe geschnellt. Spanien war jedoch im Vergleich zu anderen Ländern dank der Investitionen in erneuerbare Energien relativ gut geschützt. Jan Rosenow, Professor für Energie- und Klimapolitik an der Universität Oxford, sagte: „Ohne das Wachstum bei Wind- und Solarenergie in den letzten Jahren wären die Großhandelsstrompreise in der ersten Hälfte des Jahres 2024 um 40 Prozent höher gewesen.“Der Krieg im Nahen Osten spricht auch in Spanien für den weiteren Ausbau. „Das ganze Gerede über die Unsicherheit bei den erneuerbaren Energien ist angesichts des Energieschocks zusammengebrochen“, sagte José Luis Rodríguez, Analyst am Meridiano-Institut. „Der Beitrag von Sonne und Wind ist das Einzige, was der Mehrheit relativ erschwingliche Energiepreise garantiert und unsere Wirtschaft schützt.“Deutlich günstigerer Strom dank Wind und Sonne2025 wurde Gas als Retter des Stromnetzes vor den erneuerbaren Energien dargestellt. Doch im Jahr 2026 schützen die erneuerbaren Energien die Verbraucher vor den akuten Auswirkungen des Gases. „Spaniens durchschnittliche Strompreise im März (43 € pro Megawattstunde) waren die drittniedrigsten in Europa, nach Finnland und Portugal, doppelt so niedrig wie in Deutschland (99 € pro Megawattstunde) und dreimal so niedrig wie in Italien (144 € pro Megawattstunde)“, zählte Rosslowe auf. „Das liegt an der geschwächten Kopplung zwischen den spanischen Strom- und Gaspreisen.“Die Enttäuschung darüber, dass erst eine derart schwerwiegender Stromausfall nötig war, um Maßnahmen zum besseren Schutz der Stromverbraucher in Spanien vor der Gaspreiskrise anzustoßen, ist ein großes Thema unter Energieexperten und -aktivisten. Doch von einer strukturellen Rückkehr zu fossilen Brennstoffen kann keine Rede sein: Die langfristigen Trends in Spanien weisen weiterhin alle in die entgegengesetzte Richtung.Unterdessen zeigen die politischen und gesellschaftlichen Folgen des Stromausfalls vom April 2025, dass die Bekämpfung von Desinformation ebenso wichtig ist wie die Reparatur des Stromnetzes.