Es gibt Momente, da traut man seinen Augen nicht mehr, auch wenn man glaubt, alles erlebt zu haben. Aber dass sich ein Bundeskanzler, der von der rot-grünen Presse gemobbt wird wie ein pickliger, übergewichtiger Pendler in einer schlechten Schule, ausgerechnet bei seinen Peinigern ausweint – das ist schon so grotesk, dass es eher wie Laienspiel wirkt denn wie Realität.

Genau das ist aber geschehen.

Friedrich Merz gab dem Zentralorgan des rot-grünen Kulturkampfes, dem „Spiegel“, ein Interview. Mit dem weinerlichen Titel: „Kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen.“

Sorry, aber ist der Mann noch bei Trost? Konrad Adenauer ließ sich als „Kanzler der Alliierten“ beschimpfen. Helmut Schmidt musste linksextremen Terror ertragen, Angst um sein Leben haben. Helmut Kohl wurde jahrelang verspottet – tief unter der Gürtellinie, täglich, systematisch. Etwa als „Birne“. Keiner von ihnen hat sich öffentlich ausgeweint. Schon gar nicht beim Intimfeind. Merz hingegen hat jahrzehntelang für diesen Job gekämpft, ist zweimal gescheitert, hat gewartet, gebettelt, manövriert – und nun, da er das Kanzleramt endlich hat, jammert er auf X. Wer so lange für einen Stuhl kämpft, sollte wissen, dass er nicht nur Dienstwagen, Regierungsflieger und Bauchpinselei bringt, sondern auch Gegenwind.

Keine Sorge, ich werde Ihnen das Therapiegespräch des Kanzlers bei den Ideologen aus Hamburg nicht im Detail wiederkäuen. Nur ein paar Kostproben.