Regelmäßig bewirft die Chefin einen mit Mänteln und Taschen? Der Kollege rät einem in der Mittagspause vom Eintopf ab, weil man ohnehin schon zu dick sei? That’s the job, baby. Zumindest war das der Job von Andrea Sachs (Anne Hathaway) in dem Film Der Teufel trägt Prada von 2006.

Die Komödie um die unmodische zweite Assistentin der gefürchteten Chefredakteurin Miranda Priestly (Meryl Streep) hat heute absoluten Kultstatus. Die lieferte nämlich nicht nur einen sehr humorvollen Einblick in die teils gnadenlose Welt des Hochglanzjournalismus, sondern gilt bis heute als ein ziemlich präzises Porträt der „Y2K“-Kultur der sogenannten nuller Jahre.

Damals war Body Positivity noch ein Fremdwort („Ich bin nur eine Darmgrippe von meinem Traumgewicht entfernt“) – und Ausbeutung für den Traumjob noch Teil des Deals („Millionen Mädchen würden für diesen Job töten“). Alles garniert mit einer Prise Skandal.

Denn der Film basierte auf dem 2003 erschienenen, gleichnamigen Tell-it-all-Roman von Lauren Weisberger, die darin als ehemalige Assistentin bei der US-amerikanischen Vogue ihre damalige Chefin Anna Wintour karikierte. Ein Raunen ging durch die Modebranche – und um nicht den Verdacht zu erwecken, mit dieser Diffamierung von Anna Wintour d’accord zu sein, lehnten einige namhafte Designer die Zusammenarbeit mit dem Kostümdesign des Films ab.

Funktioniert das Erfolgsrezept zwanzig Jahre später noch?

Funktioniert eine Fortsetzung so einer Momentaufnahme ganze 20 Jahre später – oder verliert sie sich in einer zitathaften Selbstbeweihräucherung wie so viele andere Sequels? Insbesondere, wo der Skandal von damals längst einer harmonischen Allianz zum Zwecke von Marketing-Synergien gewichen ist und Anna Wintour höchstselbst für die Film-Promo an der Seite von Meryl Streep auf dem Mai-Cover der amerikanischen Vogue posiert?

Ja, auch Der Teufel trägt Prada 2 ist eine Grand Tour durch die Allgemeinplätze des Vorgängerfilms. Von kleinen nostalgischen Details wie dem ersten Szenenbild, in dem Andrea Sachs nach dem Duschen das Kondenswasser vom Spiegel wischt, bis zur Eintopf-Szene (dieses Mal allerdings ohne Bodyshaming).

Miranda (Meryl Streep) hat wieder wenig Lobendes für die Produktionsstrecken ihrer Redakteure übrig, auch wenn ihre Assistentin Amari (Simone Ashley) ihr nun Tipps zu HR-konformer Sprache einflüstert. Andrea, die zum Magazin Runway zurückkehrt, um als neue Features-Editorin über einen Eklat hinwegzuhelfen, hadert erneut mit ihrem Anspruch, „echten Journalismus“ zu machen, bis bei einem Auslandstrip – dieses Mal in Mailand statt in Paris – wieder die Entscheidung zwischen Moral und korruptem Erfolg ansteht.

Die Kleidungsstücke sind diesmal Nebensache

Ach ja, und eine Liebesgeschichte (mit dem Australier Patrick Brammall aus der Dramedy-Serie Colin from Accounts) gibt es auch wieder, die ist aber für den Plot in etwa so nebensächlich wie die gezeigten Kleidungsstücke. Denn auch wenn Der Teufel trägt Prada gerne als Modefilm erinnert wird, im Kern ging es in der Geschichte schon immer um etwas sehr viel weniger Branchenspezifisches: toxische Arbeitskultur.

Und dazu hat die Fortsetzung glücklicherweise etwas Neues zu erzählen: nämlich über die extreme Krise, in die nicht nur Lifestyle-Magazine, sondern der Journalismus im Generellen in den vergangenen 20 Jahren geraten ist. Es geht um Klickraten, die für werbegesponserte Online-Medien die höchste Währung sind, und um Anzeigenpartner für Print-Publikationen, die mittlerweile selbst der so einschüchternden Miranda Priestly vorgeben können, worüber im nächsten Heft berichtet werden soll.

Auch Milliardäre aus der Tech-Branche, die ganze Medienunternehmen aufkaufen, bekommen ihr Fett weg. Die machen nämlich Wasser-Abstinenzen und wollen die Sonne bereisen. Während von einem solchen Übernahmeprozess beim Elias-Clarke-Vorbild Condé Nast bisher nur in Gerüchten zu hören war, ist er für Publikationen wie die Washington Post längst Realität – inklusive massiver Personalkürzungen.

Gleich zweimal soll ihr Job ganz wegfallen

Im Film ist Andy übrigens gleich zweimal Teil einer Redaktion, die als Ganzes wegrationalisiert werden soll. Gerade für Menschen außerhalb der Branche, die das Glück haben, noch nie etwas von SEO-Optimierung oder „Evergreens“ gehört zu haben, dürfte Der Teufel trägt Prada 2 deshalb nicht nur gute Unterhaltung, sondern auch ziemlich informativ sein.

Leider haben sich in die Kritiklogik an den neuen „Teufeln“ im Medien-Business zwei entscheidende Fehler eingeschlichen. Erstens, dass der Bösewicht in Der Teufel trägt Prada 2 gar nicht der Milliardär selbst ist, der findet, dass man Magazine doch auch ganz gut von Künstlicher Intelligenz machen lassen könnte, sondern die Frau an seiner Seite, die unbedingt Covergirl werden will. Zweitens, dass die Kreativschaffenden von Runway im Kampf gegen den Tech-Milliardär ein wenig zu selbstverständlich auf der moralisch überlegenen Seite stehen – und so darüber hinweggetäuscht wird, dass insbesondere Lifestyle-Publikationen zwischen gesponserten Hotel-Trips und exklusiven Pressedinnern seit jeher in einer moralischen Grauzone operieren.

Der Traum von Inhalten unabhängig von Klickzahlen bleibt ein Traum

Getröstet wird man von Meryl Streep, die wie üblich herausragend ist, gerade weil sie Miranda Priestly nicht so spielt, wie man sie bisher kannte. Miranda, die ihre ganze Branche bröckeln sieht, ist sehr viel durchlässiger, wärmer – und betrunkener – als im Original.

Dass am Ende, so viel sei verraten, ein kleines Team weiblicher Avengers einen waghalsigen Ausweg aus dem Dilemma der Finanzierung von wertebasiertem Journalismus findet, ist ebenso ein Wunschtraum wie das Luxus-Apartment, das Andrea vermeintlich von ihrem Runway-Gehalt finanzieren kann. Aber ein Traum, an den man nur allzu gern glaubt. Denn, um einmal für die Branche zu sprechen: Ein Arbeitsalltag, in dem man wieder die Freiheit hätte, Inhalte unabhängig von Klickzahlen auszuwählen, dafür würden nicht nur junge Frauen töten.

Der Teufel trägt Prada 2 David Frankel USA 2026, 119 Minuten

us, sondern gilt bis heute als ein ziemlich präzises Porträt der „Y2K“-Kultur der sogenannten nuller Jahre.Damals war Body Positivity noch ein Fremdwort („Ich bin nur eine Darmgrippe von meinem Traumgewicht entfernt“) – und Ausbeutung für den Traumjob noch Teil des Deals („Millionen Mädchen würden für diesen Job töten“). Alles garniert mit einer Prise Skandal.Denn der Film basierte auf dem 2003 erschienenen, gleichnamigen Tell-it-all-Roman von Lauren Weisberger, die darin als ehemalige Assistentin bei der US-amerikanischen Vogue ihre damalige Chefin Anna Wintour karikierte. Ein Raunen ging durch die Modebranche – und um nicht den Verdacht zu erwecken, mit dieser Diffamierung von Anna Wintour d’accord zu sein, lehnten einige namhafte Designer die Zusammenarbeit mit dem Kostümdesign des Films ab.Funktioniert das Erfolgsrezept zwanzig Jahre später noch? Funktioniert eine Fortsetzung so einer Momentaufnahme ganze 20 Jahre später – oder verliert sie sich in einer zitathaften Selbstbeweihräucherung wie so viele andere Sequels? Insbesondere, wo der Skandal von damals längst einer harmonischen Allianz zum Zwecke von Marketing-Synergien gewichen ist und Anna Wintour höchstselbst für die Film-Promo an der Seite von Meryl Streep auf dem Mai-Cover der amerikanischen Vogue posiert?Ja, auch Der Teufel trägt Prada 2 ist eine Grand Tour durch die Allgemeinplätze des Vorgängerfilms. Von kleinen nostalgischen Details wie dem ersten Szenenbild, in dem Andrea Sachs nach dem Duschen das Kondenswasser vom Spiegel wischt, bis zur Eintopf-Szene (dieses Mal allerdings ohne Bodyshaming).Miranda (Meryl Streep) hat wieder wenig Lobendes für die Produktionsstrecken ihrer Redakteure übrig, auch wenn ihre Assistentin Amari (Simone Ashley) ihr nun Tipps zu HR-konformer Sprache einflüstert. Andrea, die zum Magazin Runway zurückkehrt, um als neue Features-Editorin über einen Eklat hinwegzuhelfen, hadert erneut mit ihrem Anspruch, „echten Journalismus“ zu machen, bis bei einem Auslandstrip – dieses Mal in Mailand statt in Paris – wieder die Entscheidung zwischen Moral und korruptem Erfolg ansteht.Die Kleidungsstücke sind diesmal NebensacheAch ja, und eine Liebesgeschichte (mit dem Australier Patrick Brammall aus der Dramedy-Serie Colin from Accounts) gibt es auch wieder, die ist aber für den Plot in etwa so nebensächlich wie die gezeigten Kleidungsstücke. Denn auch wenn Der Teufel trägt Prada gerne als Modefilm erinnert wird, im Kern ging es in der Geschichte schon immer um etwas sehr viel weniger Branchenspezifisches: toxische Arbeitskultur.Und dazu hat die Fortsetzung glücklicherweise etwas Neues zu erzählen: nämlich über die extreme Krise, in die nicht nur Lifestyle-Magazine, sondern der Journalismus im Generellen in den vergangenen 20 Jahren geraten ist. Es geht um Klickraten, die für werbegesponserte Online-Medien die höchste Währung sind, und um Anzeigenpartner für Print-Publikationen, die mittlerweile selbst der so einschüchternden Miranda Priestly vorgeben können, worüber im nächsten Heft berichtet werden soll.Auch Milliardäre aus der Tech-Branche, die ganze Medienunternehmen aufkaufen, bekommen ihr Fett weg. Die machen nämlich Wasser-Abstinenzen und wollen die Sonne bereisen. Während von einem solchen Übernahmeprozess beim Elias-Clarke-Vorbild Condé Nast bisher nur in Gerüchten zu hören war, ist er für Publikationen wie die Washington Post längst Realität – inklusive massiver Personalkürzungen.Gleich zweimal soll ihr Job ganz wegfallen Im Film ist Andy übrigens gleich zweimal Teil einer Redaktion, die als Ganzes wegrationalisiert werden soll. Gerade für Menschen außerhalb der Branche, die das Glück haben, noch nie etwas von SEO-Optimierung oder „Evergreens“ gehört zu haben, dürfte Der Teufel trägt Prada 2 deshalb nicht nur gute Unterhaltung, sondern auch ziemlich informativ sein.Leider haben sich in die Kritiklogik an den neuen „Teufeln“ im Medien-Business zwei entscheidende Fehler eingeschlichen. Erstens, dass der Bösewicht in Der Teufel trägt Prada 2 gar nicht der Milliardär selbst ist, der findet, dass man Magazine doch auch ganz gut von Künstlicher Intelligenz machen lassen könnte, sondern die Frau an seiner Seite, die unbedingt Covergirl werden will. Zweitens, dass die Kreativschaffenden von Runway im Kampf gegen den Tech-Milliardär ein wenig zu selbstverständlich auf der moralisch überlegenen Seite stehen – und so darüber hinweggetäuscht wird, dass insbesondere Lifestyle-Publikationen zwischen gesponserten Hotel-Trips und exklusiven Pressedinnern seit jeher in einer moralischen Grauzone operieren.Der Traum von Inhalten unabhängig von Klickzahlen bleibt ein Traum Getröstet wird man von Meryl Streep, die wie üblich herausragend ist, gerade weil sie Miranda Priestly nicht so spielt, wie man sie bisher kannte. Miranda, die ihre ganze Branche bröckeln sieht, ist sehr viel durchlässiger, wärmer – und betrunkener – als im Original.Dass am Ende, so viel sei verraten, ein kleines Team weiblicher Avengers einen waghalsigen Ausweg aus dem Dilemma der Finanzierung von wertebasiertem Journalismus findet, ist ebenso ein Wunschtraum wie das Luxus-Apartment, das Andrea vermeintlich von ihrem Runway-Gehalt finanzieren kann. Aber ein Traum, an den man nur allzu gern glaubt. Denn, um einmal für die Branche zu sprechen: Ein Arbeitsalltag, in dem man wieder die Freiheit hätte, Inhalte unabhängig von Klickzahlen auszuwählen, dafür würden nicht nur junge Frauen töten.



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