Aktuell gilt im Irankrieg eine Waffenruhe. Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über eine dauerhafte Beilegung des Konflikts stocken, im Hintergrund gehen die diplomatischen Arbeiten weiter.
In St. Petersburg trafen sich der russische Präsident und der iranische Außenminister zu Gesprächen. Putin sagte anschließend, Russland werde alles tun, was im Interesse Irans liege und den Interessen aller Völker der Region entspreche, damit der Frieden so schnell wie möglich erreicht werde,
Gleichzeitig bleibt die Lage militärisch angespannt, besonders im Libanon. Die Hisbollah erklärte, die Ergebnisse der Verhandlungen zu ignorieren und ihren Kampf fortzusetzen.
Die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten am 29. April:
Teheran wirft der US-Regierung Piraterie vor
Teheran wirft Washington Piraterie vor, nachdem das US-Militär sanktionierte iranische Öltanker auf hoher See abgefangen hat.
„Dies ist die unverhohlene Legalisierung von Piraterie und bewaffnetem Raub auf hoher See“, schrieb der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ismail Baghai, auf der Plattform X. Es handle sich um eine „Rückkehr der Piraten – nur dass sie heute mit staatlich ausgestellten Vollmachten operieren“.
Verfassungsschutz warnt vor pro-iranischer Gruppe
Das Bundesamt für Verfassungsschutz befürchtet bei der pro-iranischen Gruppe Hayi eine neue Eskalationsstufe in Europa. „Neu ist die Warnung Hayis, sich nunmehr nicht mehr nur auf ‚einfache‘ Angriffe zu beschränken, sondern langfristig auch gefährlichere Tatmittel einzubeziehen“, erklärte die Behörde auf Anfrage des „Handelsblatts“.
Gemeint ist ein möglicher Übergang von Brandstiftungen zu Anschlägen mit Sprengstoff oder Waffen.
Hintergrund sind mehrere Anschläge auf jüdische und US-amerikanische Einrichtungen in europäischen Ländern seit dem 9. März, darunter auch in Deutschland. Zu den Angriffen habe sich die Gruppierung „Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya“ (Hayi) mittels Videos bekannt, so der Verfassungsschutz.
Die Taten erfolgten „jeweils in den Nacht- oder frühen Morgenstunden und verliefen bislang ohne Personenschäden“. Es seien „vor allem Einrichtungen in den Benelux-Staaten und Großbritannien angegriffen“ worden.
Der Verfassungsschutz vermutet hinter der Gruppierung ein irakisch-schiitisches Netzwerk. „Die Organisation nutzt unterschiedliche Kanäle aus dem schiitisch-extremistischen und pro-iranischen Bereich in verschiedenen sozialen Medien, um über ihre Aktivitäten zu berichten.“ Hayi benenne „zudem neuerdings klar ihre politische Motivation hinter den Taten und drohe offen israelischen Einrichtungen sowie den sogenannten ‚Feinden des Islams‘ in Europa“.
Rubio: Blockade von Hormus wie „wirtschaftliche Atomwaffe“
US-Außenminister Marco Rubio hat Irans Blockade der Straße von Hormus mit einer „wirtschaftlichen Atomwaffe“ verglichen. Iran versuche, die Region zu dominieren, sagte Rubio in einem Interview des TV-Senders „Fox News“.
Er führte die Blockade der Meerenge als Beleg dafür an, dass die Machthaber in Teheran keine Nuklearwaffen besitzen dürften. „Die Straße von Hormus ist im Grunde eine wirtschaftliche Atomwaffe, die sie versuchen, gegen die Welt einzusetzen – und sie geben damit an“, sagte er.
„Stellen sie sich vor, wenn diese Leute Zugriff auf eine Atomwaffe hätten, dann würden sie die ganze Region zur Geisel nehmen“, sagte der Außenminister, der auch Nationaler Sicherheitsberater ist. Rubio wollte sich nicht dazu äußern, wie Trump reagieren wird, falls Teheran auch weiterhin nicht bereit ist, über sein umstrittenes Atomprogramm zu verhandeln.
Trump sieht neuen Iran-Vorschlag skeptisch
In den Verhandlungen über eine Beilegung des Konflikts hatte der Iran zuletzt einen neuen Vorschlag unterbreitet. Der Entwurf sieht eine Öffnung der Straße von Hormus und ein Ende des Kriegs vor – über das iranische Atomprogramm soll jedoch erst im Anschluss verhandelt werden.
US-Präsident Trump soll dem Vorstoß skeptisch gegenüberstehen. Er habe den Vorschlag zwar nicht direkt abgelehnt, aber er hege Zweifel an der Aufrichtigkeit der iranischen Führung, berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die „New York Times“ berichtete ebenfalls, Trump sei mit dem Vorschlag nicht zufrieden.
Hisbollah erkennt Ergebnisse der Verhandlungen und Waffenruhe nicht an
Die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon erklärte, ihre Kämpfer hätten mehrere Angriffe auf israelische Truppen im Libanon gestartet, darunter auf einen Armeebulldozer, der Häuser in der Grenzstadt Bint Dschbeil abgerissen habe.
Die israelische Armee teilte mit, sie habe mehr als 20 Infrastrukturanlagen der Hisbollah im Süden Libanons sowie in der Bekaa-Ebene ins Visier genommen. Zu den Zielen gehörten Waffenlager und Raketenabschussstellungen.
Zuvor hatte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz vor ernsthaften Folgen der ablehnenden Haltung der Hisbollah zu Gesprächen zwischen Israel und dem Libanon gewarnt. Hisbollah-Chef Naim Kassem „spielt mit dem Feuer, und das Feuer wird die Hisbollah und den gesamten Libanon verbrennen“, sagte Katz.
Kassem hatte zuvor direkte Gespräche zwischen Israel und dem Libanon als „schwere Sünde“ bezeichnet. „Wir lehnen direkte Verhandlungen mit Israel kategorisch ab“ erklärte er. Die Hisbollah werde die Ergebnisse der Verhandlungen ignorieren und ihren Kampf fortsetzen.
Die Verhandlungen zwischen dem Libanon und Israel waren von den USA vermittelt worden. US-Präsident Donald Trump gab in der vergangenen Woche eine Verlängerung der Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon um drei Wochen bekannt.
Treffen in St. Petersburg
Russlands Präsident Wladimir Putin und der iranische Außenminister Abbas Araghchi trafen sich gestern zu Gesprächen in St. Petersburg. Putin sprach danach von seiner Hoffnung auf baldigen Frieden in der Region.

Der russische Präsident Wladimir Putin und der iranische Außenminister Abbas Araghchi trafen sich zu Gesprächen am 27. April 2026 in der Boris-Jelzin-Präsidentenbibliothek in Sankt Petersburg.
Foto: Gavriil Grigorov/POOL/AFP via Getty Images
Russland werde alles tun, was im Interesse Irans liege und den Interessen aller Völker der Region entspreche, damit der Frieden so schnell wie möglich erreicht werde, so Putin.
Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte zu dem Treffen, dass eine Rückkehr zu Kampfhandlungen weder im Interesse Teherans noch im Interesse der Weltwirtschaft sei. Russland sei zur Vermittlung in dem Konflikt bereit.
Mit Material der Nachrichtenagenturen