Die Verkehrswende hält unsere Redakteur:innen im CDU-Kulturkampf fest. Auf einem Punk-Konzert geistert ein Double von Olaf Scholz herum und immer mehr Frauen fliegen in der Ukraine Drohnen
Hallo,
ich lebe seit bald einem Jahr im sogenannten „Pollerbü“ und finde es großartig. Geprägt haben den Namen diejenigen, die das imaginierte Astrid-Lindgren-Feeling in unserem Kiez gerne sofort wieder abschaffen würden. Denn seit der Verkehrsberuhigung müssen Autos kleine Umwege fahren. Wer radelt oder läuft, hat es leichter. Mehr Ruhe für die Anwohnenden, weniger Feinstaub für die Stadt, und es wirkt: Autos fahren kaum noch durch den Kiez.
Newsletter Endlich Freitag
Placeholder image-5
Sie lesen Endlich Freitag! – der Blick auf den Tag – direkt aus der Freitag-Redaktion. Sie können Endlich Freitag! auch als Newsletter abonnieren. Hier können Sie sich registrieren
Dass der Ausbau von Fahrradinfrastruktur einen Kiez aber nicht automatisch zu Bullerbü macht,weiß mein Kollege Velten Schäfer. Als Lastenrad-Papa wohnt er an einer Fahrradstraße und beobachtet, dass Fahrradfahrer:innen nicht automatisch die besseren Verkehrsteilnehmer:innen sind.
Und so entbrennt jedes Mal, wenn es um Autos in Großstädten geht, ein regelrechter Kulturkampf. Angetrieben in Berlin aktuell von der CDU. Meine Kollegin Christine Käppeler wartet jeden Morgen im Abgas-Dunst der Hauptstraße auf den Bus, nur um sich von einem CDU-Plakat erklären zu lassen, dass die Autos, die sie in Feinstaub hüllen, in Berlin zu verbieten verboten gehört.
Zu Christine Käppelers Artikel über den CDU-Kulturkampf ➜
1. Heute wichtig
2. Made My Day
Placeholder image-1
➜ Olaf Scholz im Blank? Zum Geburtstag des ://about blank am Ostkreuz gab es Punk. Vor dem Konzert standen wir in einer Gruppe im Sektgarten. Während auf der Bühne zwei Queens die Fundkiste versteigerten, saß auf einer Couch ein Mann mit rundem Näschen, Glatze und kleinen Zwinkeraugen.
Für einen Moment hielt ich ihn für Olaf Scholz. Doch dann stand er auf und sah plötzlich ziemlich nach einem netten Mitte-50-jährigen Antifa-Typen aus. Inklusive kniehoher schwarzer Stiefel. Zu schade, dass das nicht der echte Olaf Scholz war.
3. Kultur-Tipp
Placeholder image-2
➜ Gut zu sehen: Ich habe lange keinen Film mehr so physisch gespürt wie The Drama. Ein glückliches Paar wird kurz vor seiner Hochzeit durch ein Geständnis komplett aus der Bahn geworfen: Misstrauen, Vorwürfe und Hilflosigkeit sind das Ergebnis.
Der verzweifelte Versuch von Emma (Zendaya) und Charlie (Robert Pattinson), ihre Beziehung zu retten, geht verdammt unter die Haut. Insbesondere in einem so großen Saal wie dem Kino International. Da lohnt der Besuch allein schon, um den restaurierten Pailletten-Vorhang zu bestaunen.
4. Lese-Empfehlung
Placeholder image-3
➜ In der Todeszone: Margaux Seigneur und Sitara Rajh haben die erste rein weibliche Drohnen-Einheit der Ukraine in die sogenannte „Todeszone“ an der Front begleitet. Anstelle eines Frontberichts zeichnet ihre Fotoreportage ein Porträt von vier sehr unterschiedlichen Frauen, die verschiedene Gründe hatten, sich dem Militär anzuschließen. Alle vier hat ihr Einsatz verändert und bei ihnen die Frage aufgeworfen, ob die Zukunft, die sie sich einst vorgestellt hatten, für sie überhaupt noch eine Bedeutung hat.
Placeholder image-6
Im Dunkeln eines unterirdischen Schachts an der Ost-Südost-Front, nahe der Stadt Saporischschja, flackert ein Bild auf einem Bildschirm, dann wird es plötzlich ruhig. Unter einer ukrainischen Kamikaze-Drohne driftet der Untergrund hinweg.
Auf dem Bildschirm der Soldatinnen wird die Welt zur Geometrie: Linien, Hitze-Signaturen, Distanzen. „Zwei Grad nach links“, befiehlt die Kommandantin. Die Finger bewegen einen Joystick. Ein weiteres Augenpaar verfolgt den Schatten auf dem Boden, zählt Sekunden. Eine dritte Stimme meldet eine Störung: „Wir verlieren das Signal.“
Weit jenseits des Schachts, der Decke aus Erde, Holz und Kunststoff, trägt die Drohne zwei Kilogramm tödlichen Sprengstoff zum Feind. Die Frauen, die den Sprengsatz auslösen werden, zögern nicht. Ihre Stimmen bleiben ausdruckslos, ihre Hände ruhig. Piercings, geflochtenes Haar, Nagellack, gefärbte Haarsträhnen – die Soldatinnen gehören in der Ukraine zu den Elite-Kräften des Militärs. Und doch war ihre Präsenz hier vor ein paar Jahren illegal.
Und damit sind wir auch schon wieder am Ende dieser Ausgabe. Ganz im Sinne der Verkehrswende sind Teile des Freitag-Art-Departments heute mit den Rädern in die Mittagspause. Vielleicht haben Sie ja Glück und Ihr Lieblings-Mittagspausen-Spot ist etwas näher.
Viele Grüße,
Ihre Alina Saha
Placeholder image-5
Sie lesen Endlich Freitag! – der Blick auf den Tag – direkt aus der Freitag-Redaktion. Sie können Endlich Freitag! auch als Newsletter abonnieren. Hier können Sie sich registrieren
Placeholder image-4
Hat Ihnen die Ausgabe gefallen oder haben wir etwas vergessen? Dann freuen wir uns über euer Feedback – per Mail an a.saha@freitag.de