Eines Morgens im Juli 2025 kam ich in dem kleinen, ruhigen Ort Albershausen in Baden-Württemberg an. Die Gemeinde bei Göppingen hat nur etwa 4.000 Einwohner. Ich besuchte ein Seniorenpflegeheim, in dem ein Sozialroboter namens Emma getestet wurde.

Eine Gruppe von Bewohnern saß im Kreis, während Emma in der Mitte stand. Sie ist so groß wie ein kleines Kind, hat große Kulleraugen und trug eine rote Mütze, die eine der Pflegekräfte für sie gestrickt hatte. Der erste Bewohner, dem sie vorgestellt wurde, hieß Peter, und nachdem er sich vorgestellt hatte, nahm Emma an, dass sie alle Peter hießen, was alle urkomisch fanden. Dann fiel Emma plötzlich aus, und die Illusion war zerstört.

Später war Emma wieder bei der Arbeit, und ich traf sie im Speisesaal zusammen mit Waltraud an, der Bewohnerin auf diesem Foto. Es war ein ruhigerer, konzentrierterer Moment. Ich beschloss, sie einander gegenüber auf Augenhöhe zu platzieren, während Waltraud Emma ansah. Der Raum war in ein sanftes Licht getaucht, und beide schienen ganz ineinander vertieft zu sein.

Das Bild birgt zudem einige Paradoxien: Die großen Fenster, durch die man die Landschaft draußen sieht, stehen im Kontrast zum Innenraum, der ordentlich und klinisch wirkt.

Im Mittelpunkt steht die Begegnung zwischen einer älteren Frau und einer Maschine, die dafür konzipiert ist, Gesellschaft zu leisten. Sie beginnen, über das Blumenpflücken und ihre Lieblingsblumen zu sprechen. Waltraud ist von dem Thema begeistert, und Emma verfügt dank ihrer künstlichen Intelligenz über ein unerschöpfliches Wissen dazu. Sie kann sich an vergangene Gespräche erinnern und auch Gesichter wiedererkennen.

Pflegeroboter gegen die Monotonie des Alltags

Das Bild ist Teil meiner Fotoreportage „Anthrobocene“, in der ich Begegnungen zwischen Menschen und Robotern im Alltag in Deutschland beleuchte. Ich habe bei der Recherche Pilotprojekte gefunden. Emma war einer von zwei Robotern, die in Seniorenheimen eingesetzt werden. Entwickelt hat sie ein Münchner Start-up. Sie sind für Einrichtungen konzipiert, in denen es an Fachkräften mangelt, und sollen die Bewohner dazu anregen, Gespräche zu führen. Das Leben in Seniorenheimen kann eintönig sein, und diese neue Technologie kann Abhilfe schaffen.

Waltraud erzählte mir, dass sie zunächst skeptisch war, da sie so etwas noch nie gesehen oder gehört hatte, aber mit der Zeit habe sie eine Beziehung zu Emma aufgebaut, wenn auch eher zu ihrer Unterhaltung – die Roboter können nämlich auch Witze erzählen. Waltraud betonte, dass sie den Kontakt zu Menschen nach wie vor vorziehen würde. „Du glaubst gar nicht, wie einsam die Menschen in Seniorenheimen sind“, sagte sie – eine Bemerkung, die mir im Gedächtnis geblieben ist. Dieses Bild spiegelt also ein tieferes soziales Problem wider.

Ich begann, Roboter zu fotografieren, nachdem ein Krankenhaus in meiner Heimatstadt, in dem ich und mehrere Mitglieder meiner Familie gearbeitet hatten, damit begonnen hatte, Roboter einzusetzen, um das Personal zu entlasten. Es war interessant, diese Entwicklung zu beobachten, und sie wirft die Frage auf, wie viele Roboter es mittlerweile gibt.

Es ist eine stille Veränderung, die wir gar nicht bemerken. Doch immer mehr Menschen gewöhnen sich daran, Technologie auf sozialer und emotionaler Ebene zu nutzen. Was passiert also, wenn Roboter nicht mehr nur ein praktisches Werkzeug, sondern ein Gefährte sind? Was bedeutet es, wenn Roboter menschlicher werden?

Roboter sollen ergänzen, nicht ersetzen

Ich habe viele Einrichtungen besucht, von denen die meisten unter Personalmangel litten: eine Feuerwehr, Forschungszentren, eine inklusive Tanztheatergruppe, die einen Roboter in ihren Choreografien einsetzt, und sogar eine Person, die zu Hause Roboterhunde hatte. Ich habe gelernt, dass es wirklich schwierig ist, humanoide Roboter zu bauen. Obwohl die KI rasante Fortschritte macht, braucht die Entwicklung eines Roboters Zeit.

Alle, mit denen ich gesprochen habe, waren der Meinung, dass Roboter eine Ergänzung sein sollten, kein Ersatz. Emma nutzt Daten und Wahrscheinlichkeitsrechnungen, ist stets positiv und aufmerksam. Das ist eine überzeugende Simulation von Fürsorge – doch hinter dem, was sie sagt, steckt weder Bewusstsein noch gelebte Erfahrung. Es ist interessant, wie sich das auf uns auswirkt.

Ich war überrascht, wie sehr sich die Seniorenheim-Bewohner auf Emma einließen und wie offen sie gegenüber dieser Technologie waren. Der wachsende Druck auf unsere überlasteten Pflegesysteme, erschöpfte Pflegekräfte und die grassierende Einsamkeit könnten dazu führen, dass Roboter bestimmte Aufgaben zunehmend unterstützen oder sogar übernehmen. Ich denke, dieses Bild spiegelt die Realität im Pflegesektor wider und zeigt, wie wir diese Probleme angehen wollen. Aber im weiteren Sinne veranschaulicht es auch unsere heutigen Interaktionen mit Chatbots.

Paula Hornickel

Geboren: Forst (Lausitz), Deutschland

Höhepunkt: Für den diesjährigen World Press Photo Award ausgewählt zu sein. Nachdem ich die Ausstellung jahrelang besucht habe, kommt es mir fast unwirklich vor, dort vertreten zu sein.

Bester Tipp: Fotografieist ein großartiges Mittel, um Gespräche in Gang zu bringen und Türen zu Menschen und Orten zu öffnen, die über das eigene gewohnte Umfeld hinausgehen

Paula Hornickel wurde 2026 mit dem renommierten internationalen Dokumentarfoto-Preis beim World Press Photo Award ausgezeichnet.



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