Zuerst traf es nur Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, jetzt sollen Medienberichten zufolge auch zwei Bundesministerinnen von dem Angriff auf den verschlüsselten Instant-Messenger betroffen sein. Der Generalbundesanwalt ermittelt wegen Spionageverdachts.
Am vergangenen Mittwoch hatte das Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel die Meldung veröffentlicht, dass das Signal-Konto von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) durch einen Phishing-Angriff gehackt wurde. Seit Monaten läuft eine Angriffswelle gegen die Signal-Konten von Journalisten, Politikern, Beamten und Militärs. Und das nicht nur in Deutschland, sondern beispielsweise auch in den Niederlanden.
Bei Julia Klöckners Account waren die Hacker erfolgreich. Brisant: Klöckner ist als Bundestagspräsidentin rangmäßig die Nummer 2 im Staat und hat außerdem einen Sitz im CDU-Präsidium, das ebenfalls über einen Signal-Gruppenchat kommuniziert. Eines der Chat-Mitglieder: Bundeskanzler Friedrich Merz – ein Umstand, der bei den deutschen Sicherheitsbehörden für Unruhe sorgte. Eine Untersuchung des Kanzler-Smartphones durch Mitarbeiter des Bundesverfassungsschutzes soll jedoch keine Auffälligkeiten ergeben haben.

Während sich Regierungssprecher und Bundesverfassungsschutz zu dem Sachverhalt nicht konkret äußern wollten, bestätigte eine CDU-Sprecherin, dass die Chatgruppe des Parteipräsidiums Opfer eines Hacks geworden ist. Äußerungen aus Sicherheitskreisen zufolge sollen mittlerweile 300 Personen in Deutschland von Angriffen auf „Signal“ betroffen sein. Der Bundesverfassungsschutz geht von einer hohen Dunkelziffer an Fällen aus.
„Es ist davon ausgegangen, dass so zahlreiche Signal-Gruppen im parlamentarischen Raum derzeit von den Angreifern nahezu unbemerkt ausgelesen werden“, hieß es in einer zwanzigseitigen Warnung dieser geheimdienstlichen Behörde, die sie vergangenen Dienstag an die Fraktionsstellen und Parteigeschäftsstellen der im Bundestag vertretenen Parteien herausgegeben hatte.
Julia Klöckner war bisher nur das prominenteste Opfer. Auch die Signal-Konten mehrerer Bundestagsabgeordneter sollen betroffen sein. Offen zugegeben haben das aber bisher nur die Fraktionen von SPD und der Linken. Bündnis 90/Die Grünen sowie die AfD gaben an, keine Kenntnis über Fälle innerhalb ihrer Fraktionen zu besitzen. Die Unionsparteien wollten sich nicht dazu äußern.

Die Angreifer geben sich für gewöhnlich als Support-Team von Signal aus und treten über eine Chatnachricht mit ihrem potenziellen Opfer in Kontakt. Meist wird damit gedroht, dass ein sofortiger Verlust privater Daten bevorsteht, sofern der Nutzer nicht die Sicherheits-PIN übermittelt. Wer dieser Aufforderung Folge leistet, ermöglicht den Hackern die Übernahme seines Signal-Kontos – samt Zugriff auf private Chats und der Möglichkeit des Identitätsdiebstahls.
Gestern gab die Bundesanwaltschaft bekannt, dass wegen des Anfangsverdachts auf Spionage ermittelt werde. Laut Aussage der Sprecherin des Generalbundesanwalts Jens Rommel sollen die Untersuchungen bereits seit Februar laufen. Auch andere deutsche Behörden sind offenbar alarmiert: Wie deutsche Medien erst vergangene Woche verlautbarten, herrscht im Bundesministerium für Verteidigung – ebenfalls seit Februar – ein Verbot von Privathandys. Der Grund: Abhörgefahr bei geheimen Besprechungen.
Doch die Angriffswelle geht trotz aller Gegenmaßnahmen weiter, bis hinein in die Bundesregierung. Laut Informationen des Spiegel sollen nun auch die Signal-Inhalte von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) und Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) erfolgreich angegriffen worden sein. Die Sprecher beider Ministerinnen verweigerten jedoch eine Bestätigung oder Auskunft über das Ausmaß der Vorfälle.
Andere Stellen sind dagegen weitaus auskunftsfreudiger: So erklärte der CDU-Abgeordnete Marc Henrichmann, der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums zur Kontrolle der Nachrichtendienste des Bundes, am Freitag, er vermute Russland hinter den Angriffen auf die Signal-Konten. „Der jüngste Phishing-Versuch aus Russland gegen deutsche Politiker und Journalisten ist ein Weckruf für uns alle“, erklärte Henrichmann. Worauf er seine Beschuldigung äußerte, erläuterte der CDU-Politiker nicht.
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