Wie gefährlich ist unser Strahlenmüll? Wann wird es endlich ein sicheres Endlager geben? Und warum dauert die Suche nach einem Standort so lange? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Ende der Atomkraft in Deutschland
Protest im Wendland gegen die Kernenergie und die unsichere Endlagerung des Atommülls (Archivbild 2011)
Foto: Anemel/Imago Images
1. Wie gefährlich ist unser Strahlenmüll?
Wenn er von der Umwelt nicht korrekt abgeschirmt wird, ist die Strahlung beispielsweise von abgebrannten Brennstäben aus Atomkraftwerken nach wenigen Minuten tödlich. Deshalb muss garantiert werden, dass solcher Müll 1.000.000 Jahre sicher verwahrt wird. Wahnsinn!
Die Technologie der atomaren Stromerzeugung wurde in Deutschland gerade einmal 57 Jahre genutzt. Zum Vergleich: Der Homo sapiens lebt seit 45.000 Jahren in Mitteleuropa.
2. Seit wann wird ein Lagerkonzept für diesen Müll gesucht?
Praktisch seit 1977. Damals erklärte der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) den Salzstock von Gorleben für geeignet. Die Atomkonzerne begannen deshalb dort ein unterirdisches Erkundungsbergwerk einzurichten, das in 840 und 870 Metern Tiefe Hohlräume für den Müll schuf.
Die Eignung stand frühzeitig im Zweifel, unter anderem weil das unterirdische Deckgebirge des Salzstocks zu dünn ist, um den Müll dauerhaft vor Wasserzuflüssen zu schützen. Trotzdem investierten die Konzerne bis zur Stilllegung 2012 mehr als 1,6 Milliarden Euro. Seit 2021 werden die Hohlräume wieder zugeschüttet.
3. Um welche Müllmengen handelt es sich?
Das kommt auf die Stärke der Strahlung an: Es wird in hoch- und in schwach- bis mittelradioaktiven Müll unterschieden. Beim hochradioaktiven handelt es sich um abgebrannte Brennelemente aus den AKWs, die aktuell in fast 1.500 Lagerbehältern – sogenannten „Castoren“ – in 16 Zwischenlagern aufbewahrt werden. Jeder dieser Behälter hat eine Bruttomasse von bis zu 125 Tonnen, insgesamt handelt es sich also um 187.000 Tonnen hochradioaktiven Müll.
Das Problem: Etliche dieser Castoren sind in die Jahre gekommen, die dickwandigen zylindrischen Körper aus Sphäroguss oder Schmiedestahl sind aber nur für 40 Jahre sicher. Beim schwachradioaktiven Müll handelt es sich um Reste von AKWs, verstrahlter Beton beispielsweise. Solcher Müll fällt auch in Medizin und Forschung an: Dafür wird seit 2008 im „Schacht Konrad“ ein Endlager mit gut 303.000 Kubikmetern Kapazität gebaut: Das ehemalige Eisenerz-Bergwerk liegt nahe Salzgitter.
4. Wie wird denn jetzt nach einem Endlager gesucht?
Nach dem Aus von Gorleben begann der Deutsche Bundestag 2013 ein neues Suchverfahren: mit einer weißen Landkarte. Seit 2020 war klar: 54 Prozent des bundesdeutschen Untergrunds sind prinzipiell geeignet. Seitdem werden 90 sogenannte „Teilgebiete“ untersucht. Einige davon konnten mittlerweile ausgeschlossen werden, aktuell kommen noch 44 Prozent des Untergrunds der Republik als Atomklo infrage.
5. Wann wird denn nun das Endlager in Deutschland fertig sein?
„Prognosen sind schwierig“, sagte Karl Valentin, „besonders wenn sie die Zukunft betreffen“. Ursprünglich war im „Standortauswahlgesetz“ von 2014 geplant, im Jahr 2031 den Bauplatz gefunden zu haben. Weil die Materie aber extrem komplex ist – es geht um ein Bauwerk, dass 1.000.000 Jahre bestehen muss – verzögert sich das nun: Einem Gutachten zufolge wird der Standort frühestens 2074 gefunden sein. Dann muss aber noch gebaut werden.
6. Und wer zahlt das Ganze?
Theoretisch die Atomkonzerne. Allerdings haben die die Politik übers Ohr gehauen und sich freigekauft: Sie zahlten 24 Milliarden Euro im Jahr 2017 in den „Fonds zur Entsorgung kerntechnischer Anlagen“ ein, der theoretisch alle Kosten abdeckt. Dass diese Summe ausreicht, ist allerdings schwer vorstellbar: Für Schacht Konrad für den schwachradioaktiven Müll waren ursprünglich 900 Millionen Euro kalkuliert, bislang wurden für den Bau aber 6,4 Milliarden Euro ausgegeben.
Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) den Salzstock von Gorleben für geeignet. Die Atomkonzerne begannen deshalb dort ein unterirdisches Erkundungsbergwerk einzurichten, das in 840 und 870 Metern Tiefe Hohlräume für den Müll schuf.Die Eignung stand frühzeitig im Zweifel, unter anderem weil das unterirdische Deckgebirge des Salzstocks zu dünn ist, um den Müll dauerhaft vor Wasserzuflüssen zu schützen. Trotzdem investierten die Konzerne bis zur Stilllegung 2012 mehr als 1,6 Milliarden Euro. Seit 2021 werden die Hohlräume wieder zugeschüttet. 3. Um welche Müllmengen handelt es sich?Das kommt auf die Stärke der Strahlung an: Es wird in hoch- und in schwach- bis mittelradioaktiven Müll unterschieden. Beim hochradioaktiven handelt es sich um abgebrannte Brennelemente aus den AKWs, die aktuell in fast 1.500 Lagerbehältern – sogenannten „Castoren“ – in 16 Zwischenlagern aufbewahrt werden. Jeder dieser Behälter hat eine Bruttomasse von bis zu 125 Tonnen, insgesamt handelt es sich also um 187.000 Tonnen hochradioaktiven Müll.Das Problem: Etliche dieser Castoren sind in die Jahre gekommen, die dickwandigen zylindrischen Körper aus Sphäroguss oder Schmiedestahl sind aber nur für 40 Jahre sicher. Beim schwachradioaktiven Müll handelt es sich um Reste von AKWs, verstrahlter Beton beispielsweise. Solcher Müll fällt auch in Medizin und Forschung an: Dafür wird seit 2008 im „Schacht Konrad“ ein Endlager mit gut 303.000 Kubikmetern Kapazität gebaut: Das ehemalige Eisenerz-Bergwerk liegt nahe Salzgitter.4. Wie wird denn jetzt nach einem Endlager gesucht?Nach dem Aus von Gorleben begann der Deutsche Bundestag 2013 ein neues Suchverfahren: mit einer weißen Landkarte. Seit 2020 war klar: 54 Prozent des bundesdeutschen Untergrunds sind prinzipiell geeignet. Seitdem werden 90 sogenannte „Teilgebiete“ untersucht. Einige davon konnten mittlerweile ausgeschlossen werden, aktuell kommen noch 44 Prozent des Untergrunds der Republik als Atomklo infrage.5. Wann wird denn nun das Endlager in Deutschland fertig sein?„Prognosen sind schwierig“, sagte Karl Valentin, „besonders wenn sie die Zukunft betreffen“. Ursprünglich war im „Standortauswahlgesetz“ von 2014 geplant, im Jahr 2031 den Bauplatz gefunden zu haben. Weil die Materie aber extrem komplex ist – es geht um ein Bauwerk, dass 1.000.000 Jahre bestehen muss – verzögert sich das nun: Einem Gutachten zufolge wird der Standort frühestens 2074 gefunden sein. Dann muss aber noch gebaut werden.6. Und wer zahlt das Ganze?Theoretisch die Atomkonzerne. Allerdings haben die die Politik übers Ohr gehauen und sich freigekauft: Sie zahlten 24 Milliarden Euro im Jahr 2017 in den „Fonds zur Entsorgung kerntechnischer Anlagen“ ein, der theoretisch alle Kosten abdeckt. Dass diese Summe ausreicht, ist allerdings schwer vorstellbar: Für Schacht Konrad für den schwachradioaktiven Müll waren ursprünglich 900 Millionen Euro kalkuliert, bislang wurden für den Bau aber 6,4 Milliarden Euro ausgegeben.