Die Eckwerte des Regierungsentwurfs zum Bundeshaushalt 2027 und der Finanzplanung des Bundes bis zum Jahr 2030 haben bei Oppositionsvertretern und Finanzfachleuten eine Welle der Kritik ausgelöst. Dennoch hat das Bundeskabinett am Vormittag des 29. April 2026 die Eckpunkte durchgewinkt. Nun müssen die Pläne noch den Bundestag passieren.

Sebastian Schäfer, der haushaltspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, bemängelte im „WELT“-Interview, dass Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) noch immer nicht wisse, wie er eine Finanzlücke von 20 Milliarden Euro für 2027 schließen solle. Diese Summe habe er hinter „Globalpositionen“ versteckt. Somit handele es sich um einen Haushalt „auf extrem wackeligen Füßen“.

Die Neuverschuldung von beinahe 200 Milliarden Euro für dasselbe Jahr werde bei dem schon seit 2019 ausbleibenden Wirtschaftswachstum nichts bewirken, sagte Schäfer voraus. Er begrüße den Ansatz, Tabak und Alkohol höher zu besteuern, „aber da kommen vielleicht zwei Milliarden rum“, so Schäfer.

AfD-Vize beklagt Zinslasten und absehbare Finanzlücken

Peter Boehringer, der stellvertretende Bundessprecher der AfD, monierte unter anderem, dass ein Drittel des Gesamthaushalts 2027 über neue Schulden finanziert werden solle – nämlich knapp 200 Milliarden Euro. Er gehe davon aus, dass die Neuverschuldung innerhalb von fünf Jahren auf 1 Billion wachsen werde. „Allein die daraus resultierenden Zinslasten werden künftige Generationen noch erdrücken“, so Boehringer. Überdies klaffe „trotz etlicher Finanztricks“ schon für 2027 erneut eine Lücke von 20 bis 30 Milliarden Euro.

„Daher müssen sich die Bürger auch auf Steuererhöhungen einstellen, womit die CDU auch ihr nächstes Wahlversprechen brechen wird“, sagte der Diplom-Kaufmann und -Informatiker voraus. Höhere Belastungen bei Zucker, Alkohol, Tabak, Plastik, Kryptowährungen, womöglich auch höhere Reichen- und Mehrwertsteuern halte er jedoch für „vollkommen kontraproduktiv“. Insgesamt werde die Regierung „einen finanzpolitischen Scherbenhaufen hinterlassen“.

Linke und BSW kritisieren zu hohe Militärausgaben

„In allen anderen Bereichen außer Rüstung wird zulasten der Menschen gespart und gekürzt“, fasste Sören Pellmann, der Fraktionschef der Linken im Bundestag, seinen Eindruck zusammen. Besser, als „Mondsummen“ für die Rolle eines „globalen militärischen Players“ Deutschland auszugeben, sei es seiner Meinung nach, „in großem Stil in öffentliche Infrastruktur zu investieren, um die schwächelnde Wirtschaft zu stabilisieren und das Leben der Menschen zu verbessern“. Dies könne auch durch eine höhere Belastung von „Superreichen“ erfolgen, meinte Pellmann.

Auch BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht kritisierte, dass rund 200 Milliarden Euro an neuen Schulden fast komplett in neue Waffen und in die „Durchmilitarisierung Deutschlands“ gesteckt werden sollten. Das komme einer „Abrissbirne“ für die Zukunft des Landes gleich.

Wagenknecht erinnerte daran, dass Kanzler Friedrich Merz vor seiner Wahl versprochen hatte, ohne zusätzliche Abgaben und neue Schulden auszukommen. Nun würden allein die Zinskosten jedes Jahr um 50 Milliarden steigen. Das sei „Steuergeldverbrennung in Reinform“. Den „Lügenkanzler“ und seinen Finanzminister halte sie für „noch unfähiger und planloser als ihre Vorgänger“.

Wirtschaftsweise Grimm: „besorgniserregend“

Zu den Kritikern des Entwurfs gehörten laut „WELT“ auch namhafte Ökonomen, etwa die Wirtschaftsweise Prof. Veronika Grimm. „Das ist alles überhaupt nicht gut… sehr besorgniserregend“, kommentierte sie auf ihrem X-Kanal eine Analyse des „Handelsblatts“, nach der die Ausgaben für Zinsen 2027 auf rund 43 Milliarden, 2030 sogar auf knapp 79 Milliarden steigen werden.

Bundeskanzler Friedrich Merz argumentierte dagegen, dass für bestimmte Bereiche mehr Geld „als ursprünglich geplant“ ausgegeben werden müsse – „insbesondere für unsere Verteidigungsfähigkeit und unsere Sicherheit im Bündnis“. Die Bundesregierung stehe bei der NATO „im Wort“, gleichzeitig gelte es, „Prioritäten“ zu setzen, verteidigte der Regierungschef die Planungen Klingbeils. Sparen müsse man woanders, etwa im Bereich der staatlichen Verwaltung.

Haushaltsvolumen von 543,3 Milliarden Euro

Klingbeil nannte seine Haushaltsplanungen während einer Pressekonferenz am Mittag „eine riesige Herausforderung“. Dennoch sei es im dritten Jahr hintereinander gelungen, Rekordinvestitionen auf den Weg zu bringen. Allein 2027 würden dafür 118 Milliarden bereitgestellt.
Nach seinen Plänen sind im kommenden Jahr im Kernhaushalt Rekordausgaben des Bundes in Höhe von 543,3 Milliarden Euro vorgesehen. Allein 105,8 Milliarden davon sollen für Verteidigungszwecke ausgegeben werden. Die Neuverschuldung für das Militär soll bis 2030 deutlich steigen. Wie die Haushaltslöcher ab 2028 gestopft werden sollen, ist unklar. Schon 2028 fehlen voraussichtlich mehr als 29 Milliarden Euro.

(Mit Informationen der Nachrichtenagenturen AFP und dts)



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