Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nutzt ein aktuelles Interview mit dem Spiegel, um sich über die ihm entgegengebrachte Kritik auf Social Media zu beschweren. Er sei nur gelegentlich dort unterwegs und schildert:

„Aber wenn Sie mal schauen, was dort über mich verbreitet wird, wie ich da angegriffen und herabgewürdigt werde – kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen.“

Mit diesen Worten positioniert sich Merz in dem am 29. April veröffentlichten Interview als Märtyrer einer angeblich beispiellosen Hetze.

Koalition bröckelt, Merz will Verständnis

Merz betont zugleich, er spreche offen aus, was er für richtig halte, und nehme kontroverse Debatten in Kauf. Er wolle sich nicht verbiegen. Merz selbst räumt im Spiegel-Gespräch ein, dass die Koalition oft mit „gequältem Gesicht“ um Positionen ringe und gesteht damit einen starken Bruch zwischen den Koalitionspartner CDU und SPD ein.

Historisches Umfrage-Desaster als Hintergrund

In einer aktuellen Forsa-Umfrage für RTL und ntv liegen die Zufriedenheitswerte für Merz bei nur noch 15 Prozent, 83 Prozent sind unzufrieden. Das INSA-Politikerranking für die Bild sieht ihn erstmals auf dem letzten Platz. Im ARD-Deutschland-Trend sank die Zufriedenheit mit seiner Arbeit auf 21 Prozent. International rangiert Merz sogar mit 76 Prozent Unzufriedenheit an der Spitze der unbeliebtesten Regierungschefs.

Der Widerspruch zu Merz’ eigener Digitalpolitik

Besonders ironisch wird es, wenn man Merz’ eigene Vorstöße zur Einschränkung der Meinungsfreiheit betrachtet. Mitte Februar 2026 forderte er auf dem CDU-Bundesparteitag eine Klarnamenpflicht in den sozialen Netzwerken. Er habe „viel Sympathie“ für ein Social-Media-Verbot für Minderjährige bis 16 Jahre und warnte vor Persönlichkeitsdefiziten durch zu viel Bildschirmzeit. Nun, da die Kritik ihn selbst trifft, klingt das für einige Kritiker wie: Die Plattformen sollen gebändigt werden, aber bitte nicht, wenn es um mich geht.



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