In Kürze:

  • Der Irankrieg verschärft globale Wirtschaftsrisiken.
  • Verbündete Staaten melden steigenden Bedarf an US-Dollar.
  • Die USA prüfen Währungsswap-Linien zur Stabilisierung der Finanzmärkte.
  • Das Instrument stärkt die Rolle des US-Dollar im globalen Finanzsystem.
  • China baut parallel sein eigenes Swap-Netzwerk aus.

 

Der seit mittlerweile neun Wochen anhaltende Krieg im Iran sorgt weiterhin für Erschütterungen in der Weltwirtschaft. Zu steigenden Energiepreisen kommen Währungsschwankungen und in einigen mit den USA verbündeten Ländern auch eine Dollar-Knappheit hinzu. Vor diesem Hintergrund haben vor allem in Asien und in den Golfstaaten mehrere Verbündete bei den USA um sogenannte Währungsswap-Linien angefragt.

US-Finanzminister Scott Bessent hat dies bestätigt. Vereinbarungen dieser Art können im beiderseitigen Interesse liegen und der Stabilisierung der Dollar-Finanzmärkte dienen. Vor einer Haushaltsanhörung im Senat äußerte Bessent in der Vorwoche: „Swap-Linien, egal ob von der Federal Reserve oder dem Finanzministerium, sollen die Ordnung auf den Dollar-Finanzierungsmärkten aufrechterhalten. Außerdem verhindern sie einen ungeordneten Verkauf von US-Vermögenswerten.“

Der Dollar als historischer Stabilisierungsfaktor

Ein Währungsswap funktioniert so, dass Zentralbanken vorübergehend Währungen tauschen – mit festgelegten Konditionen für den Rücktausch. Ziel ist es, nationale Banken, die diese nicht selbst drucken können, mit dringend benötigten Fremdwährungen zu versorgen. Der US-Dollar ist historisch und aktuell für viele Länder ein bedeutsamer Faktor als Ersatzwährung – etwa im Fall von Turbulenzen der Landeswährung.

Historische Beispiele, in denen der US-Dollar zumindest temporär zum De-facto-Zahlungsmittel wurde, gibt es einige. Dies war vor allem in Zeiten von Hyperinflation und Wirtschaftskrisen der Fall. In den 1980er-Jahren wurden Länder wie Israel, Brasilien oder Peru zumindest zeitweise faktisch „dollarisiert“. Später gab es ähnliche Erscheinungen in Georgien oder Simbabwe.

In Argentinien hat Javier Milei bereits im Präsidentschaftswahlkampf erklärt, den US-Dollar zur Landeswährung machen zu wollen. Dollar-Bestände zu halten, gilt jedoch nicht nur in Krisen als hilfreicher „Plan B“, sondern ist für viele Länder auch eine präventive Absicherung.

Trump erwägt Swap-Abkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten

Erst 2025 hatte eine Swap-Linie im Umfang von 20 Milliarden US-Dollar die Märkte in Argentinien in einer Phase politischer Unsicherheit stabilisiert. Dies half Präsident Milei, die für ihn wichtigen Zwischenwahlen zu gewinnen und sich damit ein Mandat für die Fortsetzung seines Reformkurses zu verschaffen. Bereits im Januar hatte Argentinien den im Zusammenhang mit der Swap-Linie entstandenen Wertverlust zurückbezahlt.

Auch im Kontext der Corona-Krise, der Finanzkrise 2008, nach 9/11 sowie in den 1960er-Jahren zur Stabilisierung des Bretton-Woods-Systems waren Währungsswaps gängig. Organisiert wurden diese in den meisten Fällen von der US-Notenbank (Fed).

Erst in der Vorwoche hatte US-Präsident Donald Trump über eine mögliche Vereinbarung mit den Vereinigten Arabischen Emiraten gesprochen. Dies erklärte er auch in einem Fernsehauftritt bei CNBC. Auf die Frage nach einem möglichen Dollar-Dirham-Swap-Abkommen sagte der US-Präsident: „Könnte ich ihnen damit helfen, würde ich es tun. Sie sind immer ein gutes Land und ein guter Verbündeter für uns gewesen.“

Emirate vermeiden Eindruck wirtschaftlicher Schwäche

Der emiratische Botschafter in den USA, Yousef Al Otaiba, wies das Ansinnen schnell zurück. Die Emirate benötigten keine finanzielle Stabilisierung von außen. Analyst Padhraic Garvey von der ING Bank erklärte, dass Länder nicht gerne im Vorfeld über solche Vereinbarungen sprächen. Dies würde nach außen signalisieren, dass Schwierigkeiten in Sicht sein könnten. Dass über das Thema gesprochen werde, deute jedoch darauf hin, dass man zumindest mit dem Gedanken spiele.

Es sei davon auszugehen, erklärte er gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times, dass ein Bedarf an Geld bestehe. Jedoch handele es sich wahrscheinlich um eine vorbeugende Maßnahme und nicht um ein zentrales Problem: „Es zeigt, dass der Zugang zu Dollar weiterhin eine dringliche Angelegenheit für das globale System ist, zweifellos verstärkt durch höhere Energiepreise.“

Für die USA haben die Swap-Linien auch eine geopolitische Bedeutung. Sie gelten als Machtinstrument zur Sicherung der globalen Rolle des US-Dollars. Der Dollar bleibt die zentrale Weltwährung für Reserven, Handel und Finanztransaktionen. Gleichzeitig schaffen der Irankrieg und die dadurch bedingten Störungen im Ölhandel Risiken für die Verbündeten in den Golfstaaten.

Alternativen zum Dollar haben derzeit wenig Konjunktur

Der Zufluss von US-Dollar könnte geringer werden. Dauert der Konflikt länger an, erhöht dies die Liquiditätsrisiken. Dies könnte Ländern wie China oder Russland in die Hände spielen, die versuchen, die weltweite Machtposition des US-Dollar anzugreifen. Ohne US-Unterstützung könnten Staaten auf den Yuan ausweichen.

Daten des Council on Foreign Relations zufolge war China im Jahr 2025 in fast die Hälfte der weltweiten Währungsswap-Linien involviert. Es ist noch nicht absehbar, ob die Führung in Peking den Iran-Konflikt als Anlass sieht, hier eine neue Offensive zu starten. Wachsamkeit sei jedoch geboten, erklärt Jason Tuvey, stellvertretender leitender Ökonom für Schwellenländer bei Capital Economics.

Im Moment stehe der Dollar nicht unter erheblichem Druck und der Yuan werde im Golf nicht allgegenwärtig, erklärt Tuvey. Er betont: „Detaillierte Handelszahlen aus China für März lieferten frühe Anzeichen dafür, dass die inländische Nachfrage in der Golfregion im letzten Monat eingebrochen ist. Die saudischen BIP-Zahlen für das erste Quartal, die nächste Woche erscheinen werden, dürften dies wahrscheinlich bestätigen. Und die Daten für das zweite Quartal werden voraussichtlich deutlich schlechter ausfallen.“

Anträge der Golfstaaten auf US-Währungsswap-Linien scheinen darauf abzuzielen, die Dollar-Nachfrage zu decken, ohne Devisenreserven abzubauen. Dies sei kein Hinweis darauf, dass Dollar-Bindungen bedroht wären. Im Gegenteil: Auf dem Höhepunkt des Krieges stieg der US-Dollar-Index – ein Maß für den Dollar im Vergleich zu einem gewichteten Währungskorb – um bis zu 2 Prozent. Damit bestätigte der Dollar seinen Status als sicherer Hafen.



Source link

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert