Die Regierung in Islamabad hat zusammen mit China Vorschläge für eine politische Lösung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran präsentiert. Warum ausgerechnet die Atommacht Pakistan zum Mediator dieses Krieges wurde
Die überwiegend muslimische und schiitische Bevölkerung Pakistans zeigte Solidarität mit den Iraner:innen
Foto: Farooq Naeem/Getty Images
Was verhilft Pakistan dazu, gegenwärtig Drehscheibe der Iran-Diplomatie zu sein, dass es geradezu alternativlos wirkt? Denn wo sonst sollten sich Iraner und Amerikaner treffen, sofern sie das vorhaben, wenn nicht in Islamabad?
Mögliche Verhandlungsorte im Nahen Osten entfallen, da sie gegen Ausläufer des Iran-Krieges kaum gefeit sind. Die Europäische Union ist wie gewohnt bei Krisen dieses Kalibers ein Ausfall. Istanbul käme in Betracht, gäbe es auf türkischem Boden mit Incirlik, Izmir Air Station und Diyarbakır Air Base keine US-Stützpunkte. In deren Schatten kann einer iranischen Delegation ein Treffen mit US-Gesandten nicht zugemutet werden. Nordafrika ist mit potenziellen Emissären wie Algerien oder Tunesien zu israelkritisch, als dass Donald Trump es sich leisten könnte, seinen stets reisefertigen und -willigen Vizepräsidenten dorthin in Marsch zu setzen.
In Pakistan lebt eine schiitische Minderheit
Für Pakistan spricht vorrangig aus Sicht Teherans einiges. Auf dessen Territorium sind keine US-Militärverbände disloziert. Es handelt sich um einen Atomstaat, der mit Kernwaffen ausgerüstet sein will, um verteidigungsfähig zu sein. Ein vertrauensbildender Umstand, der es erleichtern kann, die nuklearen Ambitionen des Iran in eine Mediation einzubeziehen, wenn etwa für die Uran-Anreicherung ein „überwachter Rahmen“ vorgeschlagen wird.
Weiter fällt ins Gewicht, dass im muslimischen Pakistan unter den 250 Millionen Einwohnern neben der sunnitischen Mehrheit eine schiitische Minderheit lebt. Sie hat viel emotionale Solidarität und Empathie mit den Iranern gezeigt, als am 28. Februar deren geistliches Oberhaupt Ali Chamenei aus der Luft gezielt getötet wurde. Auch um dieser Verrohung Einhalt zu gebieten, hat Islamabad zusammen mit Saudi-Arabien, Ägypten und der Türkei, vor allem aber an der Seite Chinas diplomatische Vorleistungen erbracht. Sie könnten für einen Kompromiss zwischen dem Iran und den USA ebenfalls alternativlos sein.
Seit dem 31. März gibt es eine Fünf-Punkte-Agenda, die Außenminister Ishaq Dar in Peking ausgehandelt hat. Darin enthalten ist die Aufforderung an die USA und Israel, jeglichen Angriff auf zivile Infrastruktur des Iran zu unterlassen. Gleichzeitig erging an alle Kriegsparteien der Appell, die Straße von Hormus freizugeben und sich an die UN-Charta zu halten. Über das iranische Atomprogramm müsse gesondert verhandelt werden, fanden Pakistan und China. Da sie offenließen, durch wen, lag die Vermutung nahe, dass ihnen der multilaterale Ansatz sympathisch ist, wie er einst bei den Joint-Comprehensive-Plan-of-Action-Gesprächen Erfolgsgarant für das Atomabkommen von 2015 war.
Variante Doha
Nachdem Donald Trump im Mai 2018 während der ersten Amtszeit diesen Vertrag kündigte, war das iranische Volk erneut verschärften Sanktionen ausgesetzt, ohne dass es dafür einen Anlass gab. Teheran hatte seinerzeit das „Zusatzprotokoll“ für die Überwachung nuklearer Aktivitäten unterzeichnet. Im Unterschied zum „Standardprotokoll“ erlaubte es der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) gegebenenfalls unangekündigte Inspektionen überall im Iran. Trumps Sabotage verhinderte, dass Teheran diese Übereinkunft ratifizierte.
Es gibt im Übrigen eine Gewissheit, die der diplomatischen Exklusivität Islamabads besonders zuträglich ist. Die Stadt kann nicht durch Israel bombardiert werden, wie das Doha am 9. September 2025 widerfuhr. Angeblich sollten dadurch hochkarätige Hamas-Exilanten getroffen werden, doch erschien der Angriff ebenso als feindlicher Akt gegen Katar, das sich als diplomatischer Anwalt der palästinensischen Verteidiger des Gazastreifens verstand und als Vermittler agierte.
Die Rollen von Premier Shehbaz Sharif und Armeechef Asim Munir
Dass Pakistan für seinen Dialog mit dem Iran derart abgestraft wird, verhindern schlichtweg die Entfernungsparameter. Liegen zwischen Tel Aviv und Doha 2.200 Kilometer, sind es von Tel Aviv nach Islamabad 4.720 Kilometer Luftlinie. Da israelische Kampfjets unterwegs nach Pakistan den Flug über Afghanistan vermeiden dürften, weil Kabul die Erlaubnis verweigert, stiege die Distanz auf 5.500 bis 6.000 Kilometer, was die Reichweite israelischer Jets nicht hergibt.
Allerdings verbietet sich die Variante Doha gegen Pakistan auch deshalb, weil die US-Regierung auf Parlamentäre wie Pakistans Premier Shehbaz Sharif und Armeechef Asim Munir angewiesen ist. Es sei denn, sie will den Krieg mit aller Härte fortsetzen und die Weltökonomie dafür mehr denn je als Geisel nehmen.
yarbakır Air Base keine US-Stützpunkte. In deren Schatten kann einer iranischen Delegation ein Treffen mit US-Gesandten nicht zugemutet werden. Nordafrika ist mit potenziellen Emissären wie Algerien oder Tunesien zu israelkritisch, als dass Donald Trump es sich leisten könnte, seinen stets reisefertigen und -willigen Vizepräsidenten dorthin in Marsch zu setzen.In Pakistan lebt eine schiitische MinderheitFür Pakistan spricht vorrangig aus Sicht Teherans einiges. Auf dessen Territorium sind keine US-Militärverbände disloziert. Es handelt sich um einen Atomstaat, der mit Kernwaffen ausgerüstet sein will, um verteidigungsfähig zu sein. Ein vertrauensbildender Umstand, der es erleichtern kann, die nuklearen Ambitionen des Iran in eine Mediation einzubeziehen, wenn etwa für die Uran-Anreicherung ein „überwachter Rahmen“ vorgeschlagen wird.Weiter fällt ins Gewicht, dass im muslimischen Pakistan unter den 250 Millionen Einwohnern neben der sunnitischen Mehrheit eine schiitische Minderheit lebt. Sie hat viel emotionale Solidarität und Empathie mit den Iranern gezeigt, als am 28. Februar deren geistliches Oberhaupt Ali Chamenei aus der Luft gezielt getötet wurde. Auch um dieser Verrohung Einhalt zu gebieten, hat Islamabad zusammen mit Saudi-Arabien, Ägypten und der Türkei, vor allem aber an der Seite Chinas diplomatische Vorleistungen erbracht. Sie könnten für einen Kompromiss zwischen dem Iran und den USA ebenfalls alternativlos sein.Seit dem 31. März gibt es eine Fünf-Punkte-Agenda, die Außenminister Ishaq Dar in Peking ausgehandelt hat. Darin enthalten ist die Aufforderung an die USA und Israel, jeglichen Angriff auf zivile Infrastruktur des Iran zu unterlassen. Gleichzeitig erging an alle Kriegsparteien der Appell, die Straße von Hormus freizugeben und sich an die UN-Charta zu halten. Über das iranische Atomprogramm müsse gesondert verhandelt werden, fanden Pakistan und China. Da sie offenließen, durch wen, lag die Vermutung nahe, dass ihnen der multilaterale Ansatz sympathisch ist, wie er einst bei den Joint-Comprehensive-Plan-of-Action-Gesprächen Erfolgsgarant für das Atomabkommen von 2015 war.Variante DohaNachdem Donald Trump im Mai 2018 während der ersten Amtszeit diesen Vertrag kündigte, war das iranische Volk erneut verschärften Sanktionen ausgesetzt, ohne dass es dafür einen Anlass gab. Teheran hatte seinerzeit das „Zusatzprotokoll“ für die Überwachung nuklearer Aktivitäten unterzeichnet. Im Unterschied zum „Standardprotokoll“ erlaubte es der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) gegebenenfalls unangekündigte Inspektionen überall im Iran. Trumps Sabotage verhinderte, dass Teheran diese Übereinkunft ratifizierte.Es gibt im Übrigen eine Gewissheit, die der diplomatischen Exklusivität Islamabads besonders zuträglich ist. Die Stadt kann nicht durch Israel bombardiert werden, wie das Doha am 9. September 2025 widerfuhr. Angeblich sollten dadurch hochkarätige Hamas-Exilanten getroffen werden, doch erschien der Angriff ebenso als feindlicher Akt gegen Katar, das sich als diplomatischer Anwalt der palästinensischen Verteidiger des Gazastreifens verstand und als Vermittler agierte.Die Rollen von Premier Shehbaz Sharif und Armeechef Asim MunirDass Pakistan für seinen Dialog mit dem Iran derart abgestraft wird, verhindern schlichtweg die Entfernungsparameter. Liegen zwischen Tel Aviv und Doha 2.200 Kilometer, sind es von Tel Aviv nach Islamabad 4.720 Kilometer Luftlinie. Da israelische Kampfjets unterwegs nach Pakistan den Flug über Afghanistan vermeiden dürften, weil Kabul die Erlaubnis verweigert, stiege die Distanz auf 5.500 bis 6.000 Kilometer, was die Reichweite israelischer Jets nicht hergibt.Allerdings verbietet sich die Variante Doha gegen Pakistan auch deshalb, weil die US-Regierung auf Parlamentäre wie Pakistans Premier Shehbaz Sharif und Armeechef Asim Munir angewiesen ist. Es sei denn, sie will den Krieg mit aller Härte fortsetzen und die Weltökonomie dafür mehr denn je als Geisel nehmen.