Was Blumenerde mit der Erderhitzung zu tun hat? Einiges, wenn Torf darin steckt. Seine Verwendung geht zu Lasten des Klimas. Dabei wächst eine perfekte Alternative heran, wie jetzt ein Ratgeber zeigt
Auch ein grüner Daumen kann schlecht für die Umwelt sein
Foto: Tobias Nicolai / Connected Archives
Hobbygärtnerinnen und Gärtner schleppen derzeit säckeweise Erde aus Baumärkten, Discountern oder Gärtnereien. Kartoffeln und Salat, Narzissen und Tulpen sollen darauf wachsen. Nur: Erde ist nicht gleich Erde: Enthält sie Torf, dann schädigt sie das Klima. Denn Torf kommt aus Mooren – und die sind für den Kampf gegen die Erderhitzung entscheidend.
Moore bedecken auf der Welt nur drei Prozent der Landfläche, speichern dem Bundesamt für Naturschutz zufolge aber doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde zusammen. Über Jahrzehnte sind sie trockengelegt worden, um Straßen zu bauen, Felder und Weiden anzulegen. Für den Abbau von Torf werden sie weiter zerstört. Damit entscheidet sich auch im Blumentopf, ob die Welt den Klimawandel in den Griff bekommt. Moorwissenschaftler wie Matthias Krebs von der Universität Greifwald arbeiten längst an Lösungen für die Zeit nach dem Torf. Nur wird es ihm nicht einfach gemacht. Ein Anruf bei ihm.
„Torf ist fürs Gärtnern das beste Ausgangsmaterial, das es derzeit in benötigter Menge und Qualität gibt“, sagt er. Torf hat viele Poren, kann so Wasser und Luft speichern. Er enthält so gut wie keine Nährstoffe, keine Schadstoffe, keine Krankheitserreger. Das mache ihn zu einer, so Krebs, „zuverlässigen Substrat-Grundlage vor allem für die Gärtnereien oder Gemüseerzeuger, die termingenau ihre Früchte und Topfpflanzen produzieren und millionenfach an Supermärkte liefern müssen“. Das Substrat kann ganz nach Bedarf der Pflanze gedüngt und gekalkt werden – perfekt für die hochindustrialisierten Gewächshäuser.
1.000 Jahre Wachstum nötig – für einen Meter
Torf besteht aus Torfmoosen. Die oberen Teile wachsen auf einem Moor stetig in die Höhe, drücken die unteren Teile mit ihrem Gewicht nach unten, dort sterben sie im Moorwasser ab und werden unter Sauerstoffabschluss nicht vollständig zersetzt. Das braucht alles viel Zeit, eine 1-Meter-Torfschicht etwa 1.000 Jahre. „Unsere Idee: Wir bauen Torfmoos an“, sagt Krebs.
Geht es nach ihm, liegt die Zukunft auf einem Feld nördlich von Oldenburg, nicht weit entfernt von der Nordseeküste. Dort, im Hankhauser Moor, pflanzen er und seine Mitstreitenden nun Torfmoose, lateinisch Sphagnum, und damit so etwas wie die oberste Schicht eines Moores. „Jetzt im Frühling werden die Moose wieder richtig schön grün, im Winter sind sie so ein wenig blass“, sagt Krebs.
Die Torfmooskultur wächst, wo vor rund 15 Jahren noch eine Weide war, hier schwarz-bunte Kühe liefen, dort Rinder. Das Vieh konnte grasen, weil unzählige Gräben und Rohre durch das einstige Hochmoor gezogen worden waren, die das Wasser wegleiteten. Jetzt ist das Wasser im Hankhauser Moor zurück, es wird jetzt über die Gräben wieder reingepumpt.
Das „Torfwerk Moorkultur Ramsloh“ unterstützt die Forschung, arbeitet mit den Wissenschaftlern mittlerweile auf 20 Hektar Fläche zusammen. Über die Jahre haben diese getestet, welche Torfmoos-Art sich besonders gut eignet, welche Maschinen mit dem nassen Boden zurechtkommen, wie der Ertrag erhöht werden kann. Derzeit tüfteln sie noch an der besten Erntetechnik, auch an der Produktion des Saatgutes.
Entscheidend aber, so Krebs: „Die Torfmoose können im Schnitt alle fünf Jahre geerntet werden, kurz am Feldrand für den Transport trocknen und dann genauso verarbeitet werden wie Torf. Es geht.“ Die Moose können die klimafreundlichen Nachfolger im Pflanzentopf sein. Theoretisch. Sie werden etwa für die Orchideenzucht schon eingesetzt. Noch ist diese Paludikultur – abgeleitet vom Lateinischen palus für Sumpf – aber teurer als Torf. Dabei ist der Bedarf enorm.
„Deutschland ist neben den Niederlanden weltweit der größte Hersteller und Endverbraucher von Torf-Substraten“, erklärt Krebs. In Deutschland selbst werde nur noch auf wenigen Flächen Niedersachsens Torf abgebaut, die letzten Genehmigungen dafür liefen auch aus, neue gebe es nicht. Er komme vor allem aus dem Baltikum und Skandinavien. Bis zu 9 Millionen Kubikmeter Torf würden in Deutschland jedes Jahr verarbeitet.
Der BUND gibt Orientierung
„Fingen wir mit dem Ersatz von 3 Millionen Kubikmetern Torf an, müssten bis zu 35.000 Hektar Torfmoos auf bisherigem Hochmoorgrünland gepflanzt werden“, sagt Krebs. Allein: Für die Wiesen und Weiden erhielten Bauern EU-Agrarsubventionen, aber nicht für die klimafreundlichen Paludikulturen. Das mache den Moorschutz wenig „attraktiv“, meint Krebs. „Die Politik muss Bauern mehr Anreize geben als bisher und dies ändern.“ Zeit wird es.
Deutschland hat sich vor vier Jahren mit einer Torfminderungsstrategie vorgenommen, ab 2026 auf Torf im Hobby- völlig und ab 2030 im Profi-Gartenbau weitestgehend zu verzichten. Doch selbst in Bau-, Supermärkten und Gartencentern, wo Hobbygärtner einkaufen, liegen noch immer Erden mit Torf. Verbraucher können trotzdem vorangehen.
Meist gibt es – das zeigt ein Einkaufsführer des Umweltverbandes BUND – neben den Säcken mit Torf auch welche ohne. Nicht mit Torfmoos. Das habe „großes Potenzial“, sagt Krebs, gebe es bisher aber nur in kleinen Mengen, etwa direkt beim Moorwerk Ramsloh. Dafür aber mit Holzfasern oder Kompost, die sich für das Gartenbeet oder den Balkonkasten auch gut eigneten, nur etwas öfter und in kleineren Mengen gewässert werden müssten.
Für den Abbau von Torf werden sie weiter zerstört. Damit entscheidet sich auch im Blumentopf, ob die Welt den Klimawandel in den Griff bekommt. Moorwissenschaftler wie Matthias Krebs von der Universität Greifwald arbeiten längst an Lösungen für die Zeit nach dem Torf. Nur wird es ihm nicht einfach gemacht. Ein Anruf bei ihm. „Torf ist fürs Gärtnern das beste Ausgangsmaterial, das es derzeit in benötigter Menge und Qualität gibt“, sagt er. Torf hat viele Poren, kann so Wasser und Luft speichern. Er enthält so gut wie keine Nährstoffe, keine Schadstoffe, keine Krankheitserreger. Das mache ihn zu einer, so Krebs, „zuverlässigen Substrat-Grundlage vor allem für die Gärtnereien oder Gemüseerzeuger, die termingenau ihre Früchte und Topfpflanzen produzieren und millionenfach an Supermärkte liefern müssen“. Das Substrat kann ganz nach Bedarf der Pflanze gedüngt und gekalkt werden – perfekt für die hochindustrialisierten Gewächshäuser.1.000 Jahre Wachstum nötig – für einen MeterTorf besteht aus Torfmoosen. Die oberen Teile wachsen auf einem Moor stetig in die Höhe, drücken die unteren Teile mit ihrem Gewicht nach unten, dort sterben sie im Moorwasser ab und werden unter Sauerstoffabschluss nicht vollständig zersetzt. Das braucht alles viel Zeit, eine 1-Meter-Torfschicht etwa 1.000 Jahre. „Unsere Idee: Wir bauen Torfmoos an“, sagt Krebs.Geht es nach ihm, liegt die Zukunft auf einem Feld nördlich von Oldenburg, nicht weit entfernt von der Nordseeküste. Dort, im Hankhauser Moor, pflanzen er und seine Mitstreitenden nun Torfmoose, lateinisch Sphagnum, und damit so etwas wie die oberste Schicht eines Moores. „Jetzt im Frühling werden die Moose wieder richtig schön grün, im Winter sind sie so ein wenig blass“, sagt Krebs.Die Torfmooskultur wächst, wo vor rund 15 Jahren noch eine Weide war, hier schwarz-bunte Kühe liefen, dort Rinder. Das Vieh konnte grasen, weil unzählige Gräben und Rohre durch das einstige Hochmoor gezogen worden waren, die das Wasser wegleiteten. Jetzt ist das Wasser im Hankhauser Moor zurück, es wird jetzt über die Gräben wieder reingepumpt. Das „Torfwerk Moorkultur Ramsloh“ unterstützt die Forschung, arbeitet mit den Wissenschaftlern mittlerweile auf 20 Hektar Fläche zusammen. Über die Jahre haben diese getestet, welche Torfmoos-Art sich besonders gut eignet, welche Maschinen mit dem nassen Boden zurechtkommen, wie der Ertrag erhöht werden kann. Derzeit tüfteln sie noch an der besten Erntetechnik, auch an der Produktion des Saatgutes. Entscheidend aber, so Krebs: „Die Torfmoose können im Schnitt alle fünf Jahre geerntet werden, kurz am Feldrand für den Transport trocknen und dann genauso verarbeitet werden wie Torf. Es geht.“ Die Moose können die klimafreundlichen Nachfolger im Pflanzentopf sein. Theoretisch. Sie werden etwa für die Orchideenzucht schon eingesetzt. Noch ist diese Paludikultur – abgeleitet vom Lateinischen palus für Sumpf – aber teurer als Torf. Dabei ist der Bedarf enorm.„Deutschland ist neben den Niederlanden weltweit der größte Hersteller und Endverbraucher von Torf-Substraten“, erklärt Krebs. In Deutschland selbst werde nur noch auf wenigen Flächen Niedersachsens Torf abgebaut, die letzten Genehmigungen dafür liefen auch aus, neue gebe es nicht. Er komme vor allem aus dem Baltikum und Skandinavien. Bis zu 9 Millionen Kubikmeter Torf würden in Deutschland jedes Jahr verarbeitet.Der BUND gibt Orientierung„Fingen wir mit dem Ersatz von 3 Millionen Kubikmetern Torf an, müssten bis zu 35.000 Hektar Torfmoos auf bisherigem Hochmoorgrünland gepflanzt werden“, sagt Krebs. Allein: Für die Wiesen und Weiden erhielten Bauern EU-Agrarsubventionen, aber nicht für die klimafreundlichen Paludikulturen. Das mache den Moorschutz wenig „attraktiv“, meint Krebs. „Die Politik muss Bauern mehr Anreize geben als bisher und dies ändern.“ Zeit wird es.Deutschland hat sich vor vier Jahren mit einer Torfminderungsstrategie vorgenommen, ab 2026 auf Torf im Hobby- völlig und ab 2030 im Profi-Gartenbau weitestgehend zu verzichten. Doch selbst in Bau-, Supermärkten und Gartencentern, wo Hobbygärtner einkaufen, liegen noch immer Erden mit Torf. Verbraucher können trotzdem vorangehen. Meist gibt es – das zeigt ein Einkaufsführer des Umweltverbandes BUND – neben den Säcken mit Torf auch welche ohne. Nicht mit Torfmoos. Das habe „großes Potenzial“, sagt Krebs, gebe es bisher aber nur in kleinen Mengen, etwa direkt beim Moorwerk Ramsloh. Dafür aber mit Holzfasern oder Kompost, die sich für das Gartenbeet oder den Balkonkasten auch gut eigneten, nur etwas öfter und in kleineren Mengen gewässert werden müssten.