Heute beginnt der Transport des Wals in die Ostsee. Bereit steht unter anderem ein spezieller 50 Meter langer und tauchbarer Lastkahn. Um den Wal in den Kahn zu bringen, wird auf seine Mitarbeit gehofft – und auf Manpower gesetzt. Ein Gurtsystem nach australischem Vorbild kommt zum Einsatz.
Anschließend wird der Lastkahn Richtung Nordsee gezogen, vorgesehen ist eine Route über die Nordsee bis in Richtung Skagen, gegebenenfalls weiter in den Atlantik. Dazu sind bisher drei Tage vorgesehen.
Die aktuellen Entwicklungen am 28. April:
Der Lastkahn ist vorbereitet
Auch das Netz, das hinter dem Wal auf dem Lastkahn heruntergelassen wird, ist vorbereitet. Das grüne Netz ist am Lastkahn im Livestream zu sehen.
Nun liegt der Wal richtig
Die erste Zwischenstation ist geschafft: der Wal zeigt mit dem Kopf in die richtige Richtung.
Zeitweise ziehen und schieben über 20 Helfer
Zeitweise ziehen 16 Helfer an einer Seite des Walt und sechs weitere schieben an der anderen Seite, um ihn zu drehen – bisher zeigte er nicht mit dem Kopf zum Lastkahn. Sie warten jeweils, bis der Wal ausgeatmet hat, bevor gemeinsam begonnen wird. Dann dürfte das Verletzungsrisiko geringer sein.
Der Wal brummt und gibt hin und wieder ein Blas ab. Auch Flossenbewegungen sind zu sehen. Die Helfer sind schon ein gutes Stück bei der Drehung vorwärtsgekommen.
Wal schaut derzeit in die falsche Richtung
Derzeit wird versucht, den Wal zu drehen, damit der Kopf in Richtung Lastkahn zeigt. Nach einigen ergebnislosen Versuchen wird überlegt, wie das am besten geschehen kann.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus sagte heute vormittag: „Bis Sonnenuntergang sollte es möglichst gelungen sein, den Wal auf der Barge zu haben“.
Auch Karin Walter-Mommert, eine Geldgeberin der privaten Initiative, sagte: „Wir wollen heute fertig werden.“
Finanziell wird die Aktion von MediaMarkt-Mitgründer Walter Gunz und Trabrennsportunternehmerin Karin Walter-Mommert getragen.
„Tauziehen“ mit Wal beginnt
Viele Helfer bemühen sich nun auf beiden Seiten des Buckelwals im Wasser, den Wal zu bewegen – mithilfe der Gurte bzw. Feuerwehrschläuche. Zunächst wurde einer der Gurte um die Brustflosse gelegt.
Erste Versuche, den Wal zu bewegen, wirken – in kleinen Schritten – erfolgreich. Der Wal blieb ruhig, buckelte ein paar Mal und brummte dabei. Doch es scheint leicht vorwärts zugehen. Der Lastkahn ist geflutet und bereit, den Wal aufzunehmen.
Unklar ist, ob der Peilsender, den der Wal derzeit trägt, noch gewechselt wird. Der aktuell angebrachte ist für küstennahe Gebiete geeignet, jedoch nicht für eine Ortung unter Wasser im Atlantik. Ein neuer, technisch etwas anderer, Peilsender war in den USA bestellt worden.
Helfer und DLRG beginnen die Arbeiten am Wal
Nach der Freigabe für die Arbeiten vom Ministerien sind nun Helfer und DLRG mit den ersten Gurten zum Wal unterwegs. Walexperte Jeff Foster und Tierärztin Anne Herrschaft sind beteiligt.
Es sollen Feuerwehrschläuche unter die Flossen und den Bauch des Wals gebracht werden, um ihn dann mit dessen Hilfe in den Lastkahn zu bewegen.
Backhaus gibt grünes Licht
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) will den geplanten Abtransport des Buckelwals ins offene Meer begleiten. „Ich werde es auf jeden Fall begleiten“, sagte Backhaus am Morgen vor Ort auf eine Frage, ob er auf einem Schiff mitfahren werde.
Es sei seine „absolute Priorität“, den Wal lebend zu bergen. Er versuche, „alles zu tun, um dem Tier zu helfen“.
Backhaus: Ein einmaliges Vorhaben
„Laut Einschätzung der Tierärztinnen ist der Wal transportfähig. Er atme regelmäßig, der Herzschlag sei normal. Festgestellt wurde eine leichte Bindehautentzündung, die von Schwebteilchen im Wasser herrühren könnte. Wir werden daher den Versuch, das Tier zu retten weiter dulden“, sagte Umweltminister Dr. Till Backhaus nach der heutigen Untersuchung durch die Tierärzte in einer Pressemitteilung des Ministeriums.
Nun plane das Rettungsteam, den Wal mittels breiter Gurte durch einen gespülten Kanal zu dem Lastkahn zu führen, in dem er anschließend verschifft werden soll. „Auch dieses Vorgehen werden wir dulden, durch unsere Veterinäre vor Ort jedoch genau beobachten. Oberstes Gebot bleiben der Tierschutz und das Tierwohl. Dafür trägt die Initiative die Verantwortung.“
Wie lange das Manöver dauern werde, könne man nicht abschätzen, sagt Backhaus:
„Es hat ein solches Vorhaben noch nie in Deutschland gegeben. Deshalb gibt es auch keine Erfahrungswerte. Klar ist: Wir alle hoffen, dass es glückt, das Tier wieder in die Freiheit zu bringen. Mir ist aber wichtig, nochmals darauf hinzuweisen, dass uns das Schicksal dieses einen Tieres natürlich alle bewegt. Doch ich sehe es als unsere Pflicht an, auch den Zustand unserer Meere und der darin lebenden Tiere als Ganzes im Blick zu behalten. Der Wal vor Poel sollte uns mahnen, mehr für den Schutz der Artenvielfalt und wichtigen Ökosysteme zu unternehmen.“
Aktuell treffen sich alle Beteiligten zu einer Lagebesprechung. Parallel sind Ärzte und Fachleute beim Wal und schauen nach seinem Zustand.
Geplant ist, mittels eines Gurtsystems und viel Muskelkraft den Wal in den Lastkahn zu bewegen. Dazu sollen Feuerwehrschläuche unter die Flossen und den Bauch des Wals gebracht werden. Feuerwehrschläuche sind sehr dehnbar und reißfest. Zumindest war dies bisher der Plan, der sich an einem australischen System orientiert.
Die Schläuche wurden bereits im Hafenbecken positioniert, die Boote beladen.
Backhaus ist optimistisch
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus ist für den heutigen Tag optimistisch und hofft vor der Presse auf ein glückliches Ende der Aktion. Der Buckelwal zeige, dass Menschen sich allgemein mit der Lage der Ozeane auseinandersetzen sollten. Dieses Tier sei ein wildes Tier und gehöre nicht in diesen Lebensraum.
Backhaus erinnerte zudem an den Anfang der Aktion. Es habe zunächst überhaupt kein Konzept gegeben, wie man das Tier bergen konnte. „Die Entscheidung der Initiative, ein Konzept vorzulegen und die Verantwortung zu übernehmen, ist anzuerkennen.“ Backhaus fügt an: „Wir haben ein gemeinsames Ziel: Das Tier zu bergen und es in einen lebenswerten Lebensraum zurückzubringen.“
Für ihn ist heute der „Tag der Entscheidung“. Derzeit stünde man noch vor der Entscheidung, ob man das veränderte Rettungskonzept, dass Gurte vorsähe, um den Wal in einen Lastkahn zu ziehen, zulasse, sagte Backhaus am Hafen von Poel.
„Wenn es hilft, diesem Tier aus dieser Situation zu helfen und das gering invasiv ist, dann prüfen wir das“, so der Minister. „Wir brauchen heute Ruhe, wir brauchen heute Glück (…) für mich wäre es mit eines meiner schönsten Erlebnisse in meinem Leben.“
Das erste Team macht sich zum Wal auf: Die Kirchsee ist ruhig, der Wasserstand wieder etwas gesunken. Der Wal bewegt sich langsam auf und ab. Von den Big Bags, die vor einigen Tagen um ihn herum versenkt worden, schauen einige aus dem Wasser. Die Arbeitsplattform und der 50-Meter-Lastkahn warten in der Nähe auf ihren Einsatz.
DLRG: Wal wird nicht auf Sand aufliegen
Tierärztin Kirsten Tönnies gab bekannt, das der Wal vorwärts mittels eines Gurtes durch eine eigens im flachen Wasser geschaffene Rinne zur und in die Barge gelenkt werden soll.
„Wir versuchen, das so schonend wie möglich zu machen, und das ist nur eine Unterstützung.“ Der Wal werde nicht überbeansprucht, versicherte Tönnies.
Oliver Bartelt von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, die die Initiative unterstützt, sagte, der Wal werde sich „floatend bewegen“. Das Tier werde nicht aufliegen. „Er wird über keinen Sand gezogen.“
Bis zum späten Nachmittag des 27. April wurden nach Angaben des Schweriner Umweltministeriums trotz mehrfacher Nachfragen keine Unterlagen für den Einsatz des Gurtes eingereicht. Das Ministerium hatte in der Vergangenheit betont, dass es bei der Abstimmung entsprechender Maßnahmen nicht um Genehmigungen, sondern die Frage der Duldung gehe.
Deutsches Meeresmuseum: Wal größtmöglich in Ruhe lassen
Das Deutsche Meeresmuseum sprach sich gestern nochmals dafür aus, dem Tier statt der Rettung die größtmögliche Ruhe zu lassen. Die wiederholten Strandungen des Wales wiesen auf ein ernsthaftes Gesundheitsproblem hin.
Wie der Wal letztendlich reagiert, könne niemand sagen, hieß es von der Wal- und Delfin-Schutzorganisation WDC. Die wenigen vorhandenen Daten wiesen darauf hin, dass Interaktionen mit Menschen bei wildlebenden Groß- beziehungsweise Bartenwalen Stress auslösten.
„In freier Natur sind Wale keine Situationen gewohnt, in denen sie eingesperrt sind. Am wahrscheinlichsten ist, ganz allgemein gesprochen, dass die ungewohnte Situation einen Wal zusätzlich in Stress, möglicherweise auch Angst und Panik versetzen würde.“ Dies gelte insbesondere, da der Wal nicht seinem natürlichen Fluchtinstinkt nachkommen könne.
Wenn der Wal die Energie aufbringe, seien etwa heftigen Flossenschlägen und damit Risiken für das Tier und Einsatzkräfte denkbar. Es könne aber auch sein, dass das Tier in eine Fangmyopathie verfällt, „also in eine Art Schockstarre, bei der sich die Muskeln verkrampfen“. Es könne auch schon zu geschwächt sein, um starke Reaktionen zu zeigen. „So könnte es dann wirken, als würde er den Einsatz freiwillig mitmachen oder über sich ergehen lassen.“
Wetter laut Vorhersagen günstig
Sollte der Transport trotz aller Widrigkeiten starten, ist laut Vorhersagen immerhin das Wetter günstig. Richtung Schleswig-Holstein könnte es Dienstag Wind höchstens bis zur Windstärke 4 geben, hieß es vom Seewetteramt.
Der Mittwoch werde in der Region „total schwachwindig“, sagte ein Meteorologe. Laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie werden demnächst zudem keine außergewöhnlichen Pegelschwankungen vor Poel erwartet.
Der Lastkahn für die geplante Bergung des Wals Timmy kam am 27. April im Wismarer Hafen an, ebenso zwei Schlepper. Die Aktion soll am Dienstag starten.
Mit Material der Nachrichtenagenturen












