Die Zahl der Kriegsopfer in der Ukraine steigt, gleichzeitig rekrutiert das Militär verstärkt Frauen. Drei Frauen erzählen, warum sie sich für den Einsatz in einem brutalen Kampfgebiet gemeldet haben


Diese Drohne wird mit zunehmender Wahrscheinlichkeit von einer Frau geflogen

Foto: Chris McGrath/Getty Images


Frauen sind bereits seit den ersten Monaten der großangelegten russischen Invasion an den Drohneneinsätzen der Ukraine beteiligt, aber angesichts des zunehmenden Mangels an Militärpersonal hat ihre Zahl zugenommen. Das gilt insbesondere in FPV (First-Person-View)-Angriffseinheiten, bei denen die Pilot:innen per Kamera sehen, als säßen sie in der Drohne.

Die ukrainischen Opferzahlen werden nicht bekannt gegeben, gelten jedoch allgemein als hoch. Die Ukraine ist daher zunehmend darauf angewiesen, dass Zivilisten Aufgaben übernehmen, die früher von ausgebildetem Militärpersonal wahrgenommen wurden. Für den Einsatz an der Front absolvieren angehende Drohnen-Pilot:innen einen kurzen, aber intensiven 15-tägigen Kurs – ein Schritt, der den dringenden Bedarf widerspiegelt.

Es gibt keine offiziellen Zahlen darüber, wie viele Frauen als Drohnenoperateurinnen tätig sind, doch Ausbilder und Einheitskommandeure schätzen, dass derzeit mehrere Dutzend im Einsatz oder in der Fortbildung sind, wobei jeden Monat weitere hinzukommen.

Die Operateurinnen sind erheblichen Gefahren ausgesetzt, da sie nahe an der Front arbeiten – oft nur wenige Kilometer von russischen Stellungen entfernt – und häufig Ziel von Artilleriefeuer, Drohnen und Lenkbomben sind.

Dasha, 37: Drohnenkommandantin an der Front im Osten

Dasha hätte nicht gedacht, dass sie Militärdienst leisten würde. In den ersten Monaten nach der Invasion half sie als Freiwillige. Sie wechselte dann aber zur Drohnenbedienung, als immer mehr Männer aus ihrer Region getötet oder einberufen wurden. „Es ging nicht darum, ob ich bereit war“, erzählt sie. „Der Punkt war, dass immer weniger Leute übrigblieben.“

Ihre Motivation, betont sie, sei ganz einfach. Ihre beiden Kinder leben mittlerweile im europäischen Ausland, und sie möchte, dass sie in eine sichere Ukraine zurückkehren können. Ihr eigener, 89-jähriger Vater hat den Zweiten Weltkrieg überlebt. Die Bürde dieser Geschichte lastet auf ihr. „Ich möchte nicht, dass meine Kinder die nächste Generation von Kriegskindern werden. Das ist die einzige Motivation, die ich brauche.“

Sie leitet nun eine Einheit aus Frauen und Männern, die wenige Kilometer von der östlichen Frontlinie entfernt im Einsatz ist. Die Stimmung ist eher von Erschöpfung als von Heldentum geprägt. „Es geht hier nicht darum, dass Frauen etwas beweisen“, sagt sie. „Es geht um die Notwendigkeit. Alle sind bis an ihre Grenzen belastet. Alle passen sich an.“

Elisabeth, 20: FPV-Drohnenpilotin

Elisabeths erste Erfahrung mit dem Krieg war akustisch. Ihre Stadt wurde 2022 wiederholt bombardiert. Über Wochen musste sie immer wieder in Treppenhäusern und Kellern schlafen. „Nach einer Weile fragt man sich nicht mehr, was man tun kann“, sagt sie. „Man fragt sich, was noch möglich ist.“

Als sie die FPV-Ausbildung absolvierte, erlebte ihre Region gerade eine Phase schwerer Verluste, und mehrere Mitglieder ihres Teams wurden innerhalb weniger Monate nach ihrem Einsatz verletzt.

Die Dynamik innerhalb der Einheiten veränderte sich schnell. „Es war niemandem mehr wichtig, wer eine Frau ist und wer nicht“, sagt sie. „Es ging nur noch darum, wer eine Drohne steuern konnte.“

Am meisten zu kämpfen hat sie mit der psychischen Belastung: den langen Arbeitszeiten, der ständigen Gefahr, von russischen Drohnen entdeckt zu werden, und dem Wissen, dass jede Mission mit dem Tod oder dem Verlust eines ihr nahestehenden Menschen verbunden sein könnte. „Es wird nicht leichter“, sagt sie. „Man gewöhnt sich einfach daran, diese Last zu tragen.“

Ilona, 24: Trainee an einer Drohnen-Flugschule in der Nähe von Kiew

Nachdem Ilona monatelang miterlebt hatte, wie sich die russischen Luftangriffe in der Umgebung ihres Zuhauses verschärften, meldete sie sich bei einer Drohnenschule an, die auch Zivilisten aufnimmt. Sie hatte keinerlei militärische Erfahrung und war eigentlich kaum davon überzeugt, dass sie reinpassen würde. „Ich dachte, Drohnen seien etwas für Profis“, erklärt sie. „Für Leute, die mit Technologie groß geworden sind. Nicht für jemanden wie mich.“

Das Ausbildungszentrum hält sich bedeckt und wechselt immer wieder den Standort, nachdem es mehrfach ins Visier geraten ist. Die Auszubildenden nehmen dies als Teil des Alltags hin. „Man begreift sehr schnell, dass Drohnenpiloten gejagt werden“, erzählt Ilona. „Das spürt man vom ersten Tag an.“

Was ihr am meisten auffällt, ist nicht die Gefahr, sondern der Bedarf. Jeden Monat tragen sich Hunderte von Menschen – darunter viele Zivilisten – in die Wartelisten für die Ausbildung ein. „So viele Männer in meinem Alter sind bereits nicht mehr da“, sagt sie. „Jemand muss ihren Platz einnehmen.“

nnen einen kurzen, aber intensiven 15-tägigen Kurs – ein Schritt, der den dringenden Bedarf widerspiegelt.Es gibt keine offiziellen Zahlen darüber, wie viele Frauen als Drohnenoperateurinnen tätig sind, doch Ausbilder und Einheitskommandeure schätzen, dass derzeit mehrere Dutzend im Einsatz oder in der Fortbildung sind, wobei jeden Monat weitere hinzukommen.Die Operateurinnen sind erheblichen Gefahren ausgesetzt, da sie nahe an der Front arbeiten – oft nur wenige Kilometer von russischen Stellungen entfernt – und häufig Ziel von Artilleriefeuer, Drohnen und Lenkbomben sind.Dasha, 37: Drohnenkommandantin an der Front im OstenDasha hätte nicht gedacht, dass sie Militärdienst leisten würde. In den ersten Monaten nach der Invasion half sie als Freiwillige. Sie wechselte dann aber zur Drohnenbedienung, als immer mehr Männer aus ihrer Region getötet oder einberufen wurden. „Es ging nicht darum, ob ich bereit war“, erzählt sie. „Der Punkt war, dass immer weniger Leute übrigblieben.“Ihre Motivation, betont sie, sei ganz einfach. Ihre beiden Kinder leben mittlerweile im europäischen Ausland, und sie möchte, dass sie in eine sichere Ukraine zurückkehren können. Ihr eigener, 89-jähriger Vater hat den Zweiten Weltkrieg überlebt. Die Bürde dieser Geschichte lastet auf ihr. „Ich möchte nicht, dass meine Kinder die nächste Generation von Kriegskindern werden. Das ist die einzige Motivation, die ich brauche.“Sie leitet nun eine Einheit aus Frauen und Männern, die wenige Kilometer von der östlichen Frontlinie entfernt im Einsatz ist. Die Stimmung ist eher von Erschöpfung als von Heldentum geprägt. „Es geht hier nicht darum, dass Frauen etwas beweisen“, sagt sie. „Es geht um die Notwendigkeit. Alle sind bis an ihre Grenzen belastet. Alle passen sich an.“Elisabeth, 20: FPV-DrohnenpilotinElisabeths erste Erfahrung mit dem Krieg war akustisch. Ihre Stadt wurde 2022 wiederholt bombardiert. Über Wochen musste sie immer wieder in Treppenhäusern und Kellern schlafen. „Nach einer Weile fragt man sich nicht mehr, was man tun kann“, sagt sie. „Man fragt sich, was noch möglich ist.“Als sie die FPV-Ausbildung absolvierte, erlebte ihre Region gerade eine Phase schwerer Verluste, und mehrere Mitglieder ihres Teams wurden innerhalb weniger Monate nach ihrem Einsatz verletzt.Die Dynamik innerhalb der Einheiten veränderte sich schnell. „Es war niemandem mehr wichtig, wer eine Frau ist und wer nicht“, sagt sie. „Es ging nur noch darum, wer eine Drohne steuern konnte.“Am meisten zu kämpfen hat sie mit der psychischen Belastung: den langen Arbeitszeiten, der ständigen Gefahr, von russischen Drohnen entdeckt zu werden, und dem Wissen, dass jede Mission mit dem Tod oder dem Verlust eines ihr nahestehenden Menschen verbunden sein könnte. „Es wird nicht leichter“, sagt sie. „Man gewöhnt sich einfach daran, diese Last zu tragen.“Ilona, 24: Trainee an einer Drohnen-Flugschule in der Nähe von KiewNachdem Ilona monatelang miterlebt hatte, wie sich die russischen Luftangriffe in der Umgebung ihres Zuhauses verschärften, meldete sie sich bei einer Drohnenschule an, die auch Zivilisten aufnimmt. Sie hatte keinerlei militärische Erfahrung und war eigentlich kaum davon überzeugt, dass sie reinpassen würde. „Ich dachte, Drohnen seien etwas für Profis“, erklärt sie. „Für Leute, die mit Technologie groß geworden sind. Nicht für jemanden wie mich.“Das Ausbildungszentrum hält sich bedeckt und wechselt immer wieder den Standort, nachdem es mehrfach ins Visier geraten ist. Die Auszubildenden nehmen dies als Teil des Alltags hin. „Man begreift sehr schnell, dass Drohnenpiloten gejagt werden“, erzählt Ilona. „Das spürt man vom ersten Tag an.“Was ihr am meisten auffällt, ist nicht die Gefahr, sondern der Bedarf. Jeden Monat tragen sich Hunderte von Menschen – darunter viele Zivilisten – in die Wartelisten für die Ausbildung ein. „So viele Männer in meinem Alter sind bereits nicht mehr da“, sagt sie. „Jemand muss ihren Platz einnehmen.“



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