US-Präsident Donald Trump hat eine Reise von US-Vertretern zu neuen Gesprächen in Islamabad über ein Ende des Iran-Krieges abgesagt. Er habe seinen Unterhändlern gesagt, dass sie keine weiteren „18-Stunden-Flüge“ zu den Gesprächen in Pakistan unternehmen sollten, „um dort herumzusitzen und sinnlos herumzureden“, sagte Trump am Samstag dem Sender Fox News. Stattdessen könnten die iranischen Vertreter „uns jederzeit anrufen“.
Zuvor hatte das Weiße Haus eine Reise der US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner nach Pakistan angekündigt.
Unterschiedliche Signale aus Teheran
Laut dem iranischen Außenamtssprecher Ismail Baghai ist bislang jedoch kein Treffen mit der US-Seite geplant. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi ist nach Gesprächen mit pakistanischen Regierungsvertretern aus Islamabad abgereist, wie iranische Staatsmedien berichteten.
Araghtschi betonte auf der Plattform X, er wolle sich lediglich mit den pakistanischen Partnern abstimmen. Aus Sicherheitskreisen in Pakistan verlautete, der iranische Chefdiplomat wolle einen Gegenvorschlag für die Verhandlungen mit den USA erörtern.
Experten argwöhnen jedoch, dass der Minister gar nicht den nötigen Handlungsspielraum habe. Es wird vermutet, dass die einflussreichen Revolutionsgarden und mit ihnen verbündete Politiker die Verhandlungslinie in Teheran maßgeblich bestimmen. Die Revolutionsgarden haben nach Einschätzung vieler Iran-Kenner derzeit das Sagen in Teheran.
Araghtschi diente während des Iran-Irak-Kriegs in den 1980er Jahren in den Revolutionsgarden. Der heute 63-Jährige machte danach Karriere im Außenministerium unter anderem als Diplomat, Botschafter und Außenminister. Er gilt als erfahrener Atomunterhändler mit belastbaren Kontakten in Teherans Machtapparat.
Blockierte Seewege und Atomstreit
Zentrale Streitpunkte im laufenden Konflikt bleiben das iranische Atomprogramm und die Sperrung der Straße von Hormus.
- Atomprogramm: Die USA fordern eine Garantie, dass der Iran keine Atomwaffen entwickelt. Teheran lehnt die Forderung ab. Kritisch bewertet der Westen insbesondere die Bestände von rund 440 Kilogramm Uran, das auf 60 Prozent angereichert wurde und bei Weiterverarbeitung für den Bau mehrerer Atomwaffen dienen könnte.
- Straße von Hormus: Wegen iranischer Angriffe und einer US-Seeblockade ruht der Schiffsverkehr in der strategisch wichtigen Meerenge fast vollständig. Die USA fordern freie Durchfahrt ohne Wegzölle; der Iran beharrt auf der Kontrolle über das Gewässer, das als Transportweg für große Teile des weltweiten Öl- und Gashandels dient.
- Finanzen: Teheran fordert als Vorbedingung die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte im Ausland.
Trump hatte am Dienstag die Waffenruhe mit dem Iran unbefristet verlängert. Kurz zuvor hatte der Iran einer Teilnahme an weiteren Verhandlungen in Pakistan eine Absage erteilt. Das Nachbarland des Irans vermittelt in dem Konflikt. Verhandler der Konfliktparteien hatten sich in Islamabad für eine erste Gesprächsrunde getroffen, die ohne Ergebnis endete.
Pistorius lässt Minensucher ins Mittelmeer verlegen
Zur Vorbereitung eines möglichen Einsatzes in der Straße von Hormus kündigte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius an, deutsche Marineeinheiten zu mobilisieren. „Wir werden einen Minensucher ins Mittelmeer verlegen und ihm ein Führungs- und Versorgungsschiff zur Seite stellen“, sagte der SPD-Politiker der „Rheinischen Post“. Wann genau sie aufbrechen sollen, sagte er nicht.
Pistorius betonte, Voraussetzung für einen Einsatz sei ein Ende der Kämpfe im Krieg der USA und Israels mit dem Iran. Zudem erinnerte er daran, dass ein solcher Einsatz nur mit einem Mandat des Bundestags möglich sei. (dpa/red)