In Kürze:
- Das US-Start-up Objection soll Betroffenen gegen rufschädigende Medienberichte helfen
- KI-basiertes „Einspruchsgericht“ prüft Aussagen gegen Gebühr von 2.000 Dollar
- Unterstützt von Investoren wie Peter Thiel und Balaji Srinivasan
- Kritiker warnen vor Einschüchterung und Angriff auf Journalismus
Mithilfe eines neuen Start-ups beabsichtigt US-Investor Peter Thiel Betroffenen rufschädigender Medienberichte ein effektives Instrument zur Gegenwehr an die Hand zu geben. Fast genau zehn Jahre nach dem Ende des Blogs „Gawker“, der einen 140—Millionen-Dollar-Prozess gegen den mittlerweile verstorbenen Wrestler Hulk Hogan verloren hatte, geht Objection an den Start.
Mit Objection gegen „langsame Gerichte“ und „parteiische Faktenchecker“
„Gawker“ mag zwar Geschichte sein, das Grundproblem sei aber bestehen geblieben, so D’Souza. Journalisten veröffentlichten Behauptungen ohne formale Beweislast. Tech-Plattformen und KI verstärkten diese umgehend, sodass sie ein Milliardenpublikum erreichten. Die Angegriffenen hätten keine neutrale Instanz, dagegen vorzugehen. Widerrufe und Korrekturen kämen erst zu einem Zeitpunkt, da der Schaden bereits entstanden sei.
Einen fairen Prozess gebe es faktisch nicht, heißt es weiter. Gerichte arbeiteten zu langsam, Medien-Ombudsleute seien zahnlos, „Faktenchecker“ seien parteiisch und Social-Media-Plattformen seien keine Garanten für die Wahrheit.
Faktisch würde dadurch „Macht, nicht Beweiskraft“ entscheiden, was die Menschen glauben, schreibt D’Souza, der in Jura und Politikwissenschaft promovierte. Aus dem Kampf gegen den „Gawker“ habe man jedoch gelernt, dass Fakten immer noch zählten, wenn jemand den Willen habe, ihnen Geltung zu verschaffen.
Frühere Agenten von CIA, FBI und MI6 als Spezialisten an Bord
D’Souza äußert sich zur Aufgabe, die sich sein mit mehreren Millionen US-Dollar an Startkapital gegründetes Unternehmen gesetzt hatte: „Objection ist die natürliche Fortsetzung dieser Motivation: diese Durchsetzung systematisch, neutral und für alle zugänglich zu machen.“
Für eine Gebühr von 2.000 US-Dollar könne jedermann einen Einspruch gegen eine bestimmte in Medien veröffentlichte Tatsachenaussage einlegen.
Nachdem der Autor benachrichtigt wurde, dass Objection eingeschaltet wurde, habe er die Möglichkeit, sich mit weiteren Beweisen oder einer Korrektur zu verteidigen. Dann werden Ermittler, die aus früheren Geheimdienstlern rekrutiert worden sein, eingeschaltet, die Beweise sammeln.
Schiedsgericht mit KI-„Richtern“
Am Ende steht ein Urteil und dafür setzt Objection auf Künstliche Intelligenz.
Ein KI-Einspruchsgericht „prüft alle Beweise und fällt ein unparteiisches, auf den Beweisen basierendes Urteil.“ Die Betreiber von Objection betonen, ihre KI sei frei von Emotionen, Voreingenommenheit, blinden Flecken und Ideologie. Es gebe interne Kreuzverhör-Mechanismen, neutrale Überprüfungsinstanzen und alle Schritte würden protokolliert.
Am Ende soll eine öffentliche Bewertung der Glaubwürdigkeit der Tatsachenaussage sowie eine Bewertungsnote, die „misst, wie sich Journalisten und andere Akteure verhalten, wenn ihre Behauptungen auf den Prüfstand gestellt werden“.
So sollen Privatpersonen oder Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens schneller und effizient gegen unbewiesene Anschuldigungen geschützt werden. Zudem beabsichtigt das Gründerteam, auf diese Weise dazu beizutragen, das Vertrauen in Medien wiederherzustellen.
Objection als Kampfansage an den Journalismus?
Das Geschäftsmodell funktioniert auf Grundlage der bezahlten Einsprüche – je mehr davon kommen, umso mehr nimmt Objection ein. Neben Thiel gehören Krypto-Investor Balaji Srinivasan sowie Fonds wie Social Impact Capital und Off Piste Capital zu den Geldgebern.
Schon jetzt richten Kritiker schwerwiegende Vorwürfe an die Gründer von Objection. So schreibt das US-Medium „Coda“, das KI-Schiedsgericht sei „ein Versuch, die Grundsätze der Rechenschaftspflicht zu unterlaufen und sie gegen den Journalismus zu richten“. Zwar sei kein Journalist verpflichtet, sich zur Teilnahme an einem solchen Verfahren bereitzuerklären. Dennoch könne „ein Telefonanruf oder Besuch an der Haustüre durch einen früheren FBI-Agenten oder Geheimdienstler“ einschüchternd wirken.