In einem hochaktuellen Live-Interview mit dem US-amerikanischen Richter Andrew Napolitano auf dessen Sendung Judging Freedom sprach der iranische Professor Mohammad Marandi – einer der bekanntesten politischen Analysten Irans und langjähriger Beobachter der US-iranischen Beziehungen – offen und ausführlich über die aktuelle Lage in Teheran, die gescheiterten Verhandlungen in Islamabad und die Gründe, warum die Islamische Republik keine weiteren Gespräche mit der US-Delegation unter Vizepräsident JD Vance führen will.

Marandi, der das Interview aus seiner Wohnung in der iranischen Hauptstadt führte, vermittelte ein Bild von Widerstandskraft, kultureller Stärke und strategischer Klarheit – fernab westlicher Narrative.

Alltag in Teheran während des Waffenstillstands

Professor Marandi beschrieb die Situation in Teheran als weitgehend normal, wenn auch angespannt. Die Stadt sei wieder voller Menschen, Geschäfte und Restaurants wirkten belebt. Dennoch sei unklar, ob die Käufe bereits das Niveau vor dem Krieg erreicht hätten.

In den Tagen zuvor hätten viele Bewohner die Stadt erneut verlassen, aus Sorge, dass der Waffenstillstand scheitern und US-Präsident Trump die Bombardierungen fortsetzen könnte. Marandi selbst habe jedoch in den letzten Nächten weiterhin eine hohe Bevölkerungsdichte beobachtet.

„Die Zahl der Menschen, die die Stadt verlassen haben, ist wahrscheinlich geringer als während des Krieges.“

Napolitano fragte nach einem typisch iranischen Phänomen: Während israelische Bürger bei iranischen Raketenangriffen auf Tel Aviv Schutzräume aufsuchen würden, gingen Menschen in Teheran bei US-Bombardements mit Flaggen auf die Straße.

Marandi erklärte dies mit der tiefen Verwurzelung in der schiitischen Kultur und der Geschichte von Imam Hussein, dem Enkel des Propheten Mohammed.

„Er erhob sich gegen Unterdrückung und Tyrannei – das prägt die iranische Gesellschaft bis heute: Gerechtigkeit, Widerstand gegen Unterdrücker und soziale Gerechtigkeit.“

Während der nächtlichen Versammlungen hätten die Menschen trotz Explosionen weder geschrien noch Panik gezeigt, sondern weiter gesungen und ihre Position gehalten.

„Es ist ein außergewöhnliches Gefühl, unter ihnen zu sein.“

Öffentliche Kundgebungen und militärische Präsenz

Der Richter zeigte Aufnahmen von Reuters, die riesige Menschenmengen auf dem Taj-Platz in Teheran zeigten – von etwa 20 Uhr bis nach Mitternacht, mit ständigem Kommen und Gehen. Dort seien sogar Raketen öffentlich ausgestellt worden.

Marandi bestätigte, dass solche Versammlungen an mehreren Plätzen stattfänden und die emotionale Verbundenheit der Bevölkerung mit der Verteidigung des Landes widerspiegelten.

Gleichzeitig kommentierte er einen Vorfall mit zwei Schiffen im Golf von Hormus, die angeblich von iranischen Kräften gestoppt worden seien.

Er vermutete eine direkte Reaktion auf einen US-Angriff auf ein iranisches Schiff, auf dem sich Seeleute und deren Familien befunden hätten.

„Die Iraner haben die Schiffe geentert und vermutlich an die eigene Küste gebracht – als Vergeltung.“

Die Verhandlungen in Islamabad

Ein zentraler Punkt des Gesprächs waren die direkten Verhandlungen in Islamabad in der Vorwoche, an denen Marandi teilnahm.

Die iranische Delegation unter Leitung von Parlamentssprecher Dr. Bali – mit voller Autorität von Ayatollah Khamenei – sei entscheidungsbefugt gewesen.

Auf US-Seite saßen laut Marandi Vizepräsident Vance, Steve Witkoff und Jared Kushner.

Marandi schilderte, Vance habe mehrfach telefoniert, unter anderem mit Netanyahu, der später öffentlich erklärt habe, hochrangige US-Beamte würden ihm täglich Bericht erstatten.

„Ein sehr seltsamer Satz.“

Es sei klar gewesen, dass die US-Seite keine endgültige Entscheidungsbefugnis gehabt habe.

Gegen Ende des Tages seien die Amerikaner schwieriger geworden und hätten die für den nächsten Morgen geplanten Gespräche plötzlich abgesagt.

„Es wirkte nicht ernsthaft.“

Seitdem laufe die Kommunikation nur noch über Vermittler.

Die Behauptung westlicher Medien, die iranische Regierung spreche nicht mit einer Stimme, wies Marandi entschieden zurück.

„Dr. Arakchi hat volle Autorität. Die Akte liegt in seinen Händen. Es gibt keine Uneinigkeit.“

Der Streit um die Straße von Hormus

Marandi erklärte den Zusammenhang mit der Straße von Hormus ausführlich.

Im Rahmen des Waffenstillstands habe Iran zugestimmt, mehr Schiffe passieren zu lassen – auch aus Golfstaaten wie Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien, die die USA im Krieg unterstützt hätten.

Israel habe jedoch den Waffenstillstand durch massive Bombardements im Libanon gebrochen.

Nach zehn Tagen sei Israel selbst zum Waffenstillstand gezwungen worden, und Iran habe die Vereinbarung weiterhin einhalten wollen.

Trump hingegen habe die Blockade iranischer Häfen und des Persischen Golfs aufrechterhalten.

„Das war ein klarer Verstoß.“

Iran habe daraufhin zur früheren Politik zurückgekehrt.

„Nicht Iran hat eine Entscheidung zurückgenommen, sondern Trump hat den Waffenstillstand verletzt.“

Wirtschaftliche Blockade und globale Folgen

Marandi warnte eindringlich vor den Konsequenzen der US-Blockade.

Sie treffe nicht nur Iran, sondern die gesamte Weltwirtschaft. Der Mangel an Öl, Flüssiggas, Düngemitteln, Helium und Petrochemikalien verschärfe sich minütlich.

Preise für Lebensmittel und Treibstoff stiegen bereits.

„Das ist erst die Spitze des Eisbergs.“

Sollte Trump einen iranischen Öltanker mit zwei Millionen Barrel Ladung für China stoppen, würde Iran mit der Beschlagnahmung von Tankern aus Saudi-Arabien, den Emiraten, Kuwait, Bahrain und Katar reagieren.

„Ohne ihre Kooperation hätten die USA diesen Krieg nicht führen können.“

Strategische Zurückhaltung Irans

Trotz 3.400 iranischer Toter habe Iran gezielt militärische Ziele und US-Einrichtungen angegriffen und zivile Opfer auf der Gegenseite weitgehend vermieden – im Gegensatz zu den massiven israelischen Angriffen.

„Niemand in Iran will, dass Menschen auf der anderen Seite des Golfs sterben. Wir wollen Normalisierung und die Öffnung der Straße von Hormus unter iranischer Kontrolle.“

Warum keine weiteren Treffen?

Abschließend kam Marandi zur Kernfrage.

Iran sei weiterhin zu Gesprächen bereit gewesen, doch die USA hätten den Waffenstillstand durch die fortgesetzte Blockade verletzt.

„Wie sollen wir über neue Verpflichtungen sprechen, wenn ihr die alten nicht einhaltet?“

Eine Fortsetzung der Verhandlungen würde die USA nur ermutigen, auch zukünftige Abkommen zu brechen.

Die Wahrnehmung in Iran sei, dass Netanyahu mehr Einfluss auf Trump habe als umgekehrt – durch die zionistische Lobby und möglicherweise kompromittierendes Material.

Schlusswort

Marandi empfahl abschließend das Buch Going to Tehran, das bereits vor Jahren vor den Gefahren einer Konfrontation mit Iran gewarnt habe.

Richter Napolitano beendete das Gespräch mit großem Lob:

„Mohammad Marandi, mein lieber Freund, Sie sind so intellektuell ehrlich und persönlich mutig. Vielen Dank.“

Das Interview liefert einen seltenen direkten Einblick in die iranische Perspektive – nüchtern, faktenbasiert und von tiefer kultureller Überzeugung getragen.

Es zeigt, warum Teheran derzeit keine weiteren Verhandlungen mit einer US-Delegation führen will, die aus iranischer Sicht letztlich Rücksprache in Tel Aviv halten muss: weil der Waffenstillstand aus Sicht Teherans bereits von US-Seite gebrochen wurde und echte Diplomatie etwas anderes voraussetzt als Marionettenpolitik.



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