In Kürze:
- Milei besucht Israel zum dritten Mal seit Amtsantritt und bekräftigt Partnerschaft.
- Neue „Isaac Accords“ sollen Kooperation in Wirtschaft und Sicherheit vertiefen.
- Direkte Flugverbindung zwischen Tel Aviv und Buenos Aires geplant.
- Argentiniens Reformkurs zeigt erste wirtschaftliche Stabilisierung.
Am Montag, 20.4., ist Argentiniens Präsident Javier Milei zu seinem mittlerweile dritten Israel-Besuch seit seinem Amtsantritt im Dezember 2023 in Jerusalem eingetroffen. Unmittelbarer Anlass dazu war der Yom HaAtzmaut 2026, den der jüdische Staat am 21. und 22. April begeht. Es handelt sich dabei um einen Tag der Freude über die Wiedererstehung Israels als unabhängiger Staat – und des Gedenkens an die gefallenen Soldaten des Unabhängigkeitskrieges.
Israel sieht die USA und Argentinien als wichtige Verbündete gegen den Iran
Dies sei umso bedeutender in einer Situation, in der sich Israel gemeinsam mit den USA „in einer Schlacht gegen die große Tyrannei des Iran“ befände, der die „Zerstörung der westlichen Zivilisation, wie wir sie kennen“, anstrebe. Neben Ministern Israels und Argentiniens war auch der US-Botschafter in Jerusalem, Mike Huckabee, bei der Zusammenkunft anwesend. Milei kündigte einen zeitnahen Beginn der Verlegung der argentinischen Botschaft nach Jerusalem an.
Im Rahmen des Besuchs von Milei und mehreren seiner Minister unterzeichneten beide Regierungen eine Reihe von Verträgen mit weitreichenden Konsequenzen. So sollen bereits in diesem Jahr direkte Flugverbindungen zwischen Tel Aviv und Buenos Aires aufgenommen werden. Diese sollen von Israels Fluggesellschaft El Al bedient werden. Die Flugzeit soll dabei 15 bis 16 Stunden betragen.
„Isaac Accords“ und „Allianz der Freiheit“
Netanjahu sprach von einer „Allianz der Freiheit“, die sich in Lateinamerika abzeichne. Die Initiative solle Nationen mit christlicher und jüdischer Tradition zusammenführen – „zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie sowie im Kampf gegen Terrorismus, Antisemitismus und Drogenhandel“. In der Praxis habe das eine gemeinsame Abstimmung zur Abwehr iranischer Einflussversuche zur Konsequenz. Bereits jetzt operierten terroristische Netzwerke und Strukturen auch in Lateinamerika.
Zwei blutige und mutmaßliche iranische Anschläge in Argentinien weiter ungesühnt
Auch Milei ging auf dieses Thema ein und betonte in diesem Kontext seine volle Unterstützung für Israel und die USA. Allein bei den Terroranschlägen auf die israelische Botschaft in Buenos Aires 1992 und das jüdische Gemeindezentrum AMIA im Jahr 1994 starben mehr als 100 Menschen.
Argentinische Gerichte machen den Iran und die Hisbollah verantwortlich, Teheran verweigert jedoch die Auslieferung von Tatverdächtigen. Milei äußerte, dass sein Land „bis heute Gerechtigkeit“ suche. Mit etwa 300.000 Mitgliedern verfügt Argentinien über die größte jüdische Gemeinde Lateinamerikas.
Weitere Verträge, die Argentinien und Israel miteinander unterzeichneten, betreffen Bereiche wie KI, Wasserwirtschaft, Technologieaustausch und Humankapital. So wolle man internationale Kooperationen ausbauen und gemeinsame Modelle zur Ausbildung von Fachkräften entwickeln. Das wirtschaftliche Reformprogramm, das Milei in Argentinien in die Gänge gesetzt hat, wird auch in Israel mit großem Interesse verfolgt.
Wo die Wirtschaften ähnliche Herausforderungen sehen – und wo sie sich unterscheiden
In Israel ist es vor allem der Mehrfrontenkrieg, der den Haushalt unter Druck setzt. Gleichzeitig verfügt der jüdische Staat über eine geringere Inflation, eine robustere Hightech-Basis und eine gegenüber anderen Industriestaaten deutlich intaktere Geburtenrate. Zudem ist das Kreditrating Israels ebenso wie seine Währung trotz des Krieges stabiler als jene in Argentinien.
Javier Milei hat es mithilfe einer Schocktherapie geschafft, seit seinem Amtsantritt die argentinische Wirtschaft zu stabilisieren. Die Inflationsrate hatte im Dezember 2023 bei 211 Prozent gelegen. Seither ist es gelungen, sie in einen niedrigeren zweistelligen Bereich zu steuern. Im Jahr 2025 hatte sie zwischen 32 und 40 Prozent gelegen, für 2026 sind 20 bis 33 Prozent prognostiziert.
Kürzungen und Deregulierungen als zentrale Bausteine der Radikalreform
Während der Haushalt mittlerweile stabil Überschüsse produziert, bleiben Armut und geringe Binnenkaufkraft Herausforderungen, die Milei in den Griff bekommen muss. Bei den Zwischenwahlen im Vorjahr ist es ihm immerhin gelungen, eine hinreichende Mehrheit von Verbündeten für eine Fortsetzung seines Kurses hinter sich zu vereinen.
Zu den Rezepten, auf die Milei am stärksten setzte, gehörten drastische Ausgabenkürzungen von bis zu 30 Prozent im Staatshaushalt. Zudem strich er Subventionen in Bereichen wie Energie und Transport, strich Regierungsposten und entließ massenhaft Staatsbeamte. Diese Kürzungen und Deregulierungen trugen zum ersten Haushaltsüberschuss seit 15 Jahren und zum Ende der Hyperinflation bei.
Argentinien als Schlüsselfaktor für eine Pro-USA- und Pro-Israel-Wende in Lateinamerika
Soziale Spannungen, strukturelle Schwächen und die Folgen der Rezession für die Industrie der Jahre zuvor bleiben Faktoren, die Mileis Reformmodell gefährden könnten. Andererseits hat Milei nach wie vor das Vertrauen einer Mehrheit der Bevölkerung, die Rückendeckung der USA und die Sympathie Israels – wo man darauf hofft, auch in Lateinamerika wieder verlässliche Verbündete zu finden. Der Milei-Erfolg bei den Zwischenwahlen und die Regierungswechsel in Bolivien und Chile wecken auch in Jerusalem die Zuversicht.