Streit und Selbstbeschäftigung – dafür stand Die Linke jahrelang. Jan van Aken und Ines Schwerdtner beendeten das mit starker Führung. Nun fordern einige mehr innerparteiliche Demokratie. Das kann beim Parteitag in Potsdam noch Folgen haben


Wer folgt ihm oder ihnen nach? Die Linke-Parteivorsitzenden Jan van Aken und Ines Schwerdtner beim Parteitag im Mai 2025 in Chemnitz

Foto: Amrei Schulz/Imago/Photothek


„Die Linke als Steinhaus bauen“, so lautet der Titel eines gerade vom Parteivorstand beschlossenen Leitantrags. Er soll dem Parteitag vorgelegt werden, der bald, im Juni, in Potsdam zusammentreten wird. Das Steinhaus dient als Metapher für das Vorhaben, die Erfolge der jüngsten Zeit zu verstetigen und zu befestigen: Comeback nach drohender Bedeutungslosigkeit, unerwartet gutes Bundestagswahlergebnis, Verdoppelung der Mitgliedschaft, Inhalte setzen statt öffentlichem Streit. Das soll die Partei in der Gesellschaft verankern.

Damit das, was der Linken im zurückliegenden Jahr gelungen ist, kein Hype bleibt, der dann wieder abflacht, sondern zu echten Veränderungen führt: mehr Geld für die „kleinen Leute“, weniger Miete, ein bezahlbares Leben, Umverteilung.

Jan van Aken wird auf der Baustelle des Steinhauses nicht mehr als Vorarbeiter mitwirken. Der 64-Jährige, der seit Herbst 2024 im Team mit Ines Schwerdtner Vorsitzender der Linken war, hat überraschend seinen Rückzug von der Parteispitze angekündigt. Als Grund nannte er, sich um seine Gesundheit kümmern zu wollen. Es bestehe „kein Grund zu größerer Sorge“, aber er müsse aufpassen.

Bereits kurz darauf hatte die Parteiführung einen Nachfolgekandidaten parat: Luigi Pantisano aus Baden-Württemberg, seit 2025 Mitglied des Bundestags, und aus dem gleichen politischen Lager wie van Aken. Der Wunsch ist offenbar, an der Spitze der Partei – dazu gehört auch das Fraktionsführungsduo aus Heidi Reichinnek und Sören Pellmann im Bundestag – den eingeschlagenen Weg weiterzugehen: Schwerdtner soll einen Ko-Vorsitzenden an die Seite bekommen, mit dem es ähnlich gut funktionieren könnte wie mit van Aken.

Schwerdtner und van Aken haben die Partei wieder aufgerichtet

In der Linken wird das, was da so gut funktioniert hat in den vergangenen eineinhalb Jahren, auch als „strategisches Zentrum“ bezeichnet. Früher hätte man vielleicht „starke Führung“ gesagt. So oder so: Es fehlte der Partei tatsächlich lange. Vor der Abspaltung des BSW konkurrierten verschiedene Machtzentren, ließen über die Medien gegeneinander austeilen, sprachen aber kaum noch miteinander, bis die Partei nahezu handlungsunfähig war und drohte, in die Bedeutungslosigkeit abzurutschen.

Nach der Spaltung dauerte es eine Weile, bis sich die erschöpfte Linke auch an der Spitze wieder zurechtfand; Schwerdtner und van Aken hatten daran, sie aufzurichten, großen Anteil. Die Existenz eines strategischen Zentrums heißt unter anderem: Kommunikationsdisziplin, öffentliche Streitigkeiten einhegen, statt sie weiter anzufachen, Konzentration auf wenige Themenfelder, wie die Mietenpolitik, und nur noch mit diesen eigenen politischen Themen in die Öffentlichkeit zu gehen, nicht mit Nabelschau.

Disput gibt es in der Linken nicht nur über Israel und Palästina

Insofern ist der Rückzug van Akens eine Herausforderung, denn Personalangelegenheiten bedeuten immer auch ein wenig Selbstbeschäftigung. Die rasche Bekanntgabe der Kandidatur von Pantisano ist ein Ausdruck des Versuchs, öffentliche und chaotische Personaldebatten zu vermeiden. Angesichts der jüngeren Geschichte der Partei ist das verständlich. Andererseits: „Die Linke als Steinhaus bauen“, das ließe sich auch als Metapher für Panzerung und Abschottung, Versteinerung eben, lesen.

Diese Mehrfachbedeutung des „Steinhauses“ verweist auf einen Widerspruch, mit dem Die Linke es unvermeidlich zu tun hat: Ihre Wiederaufrichtung war auch einer durchsetzungsfähigen und planvollen Führung zu verdanken; doch existieren in der Partei weiterhin sehr unterschiedliche Vorstellungen nebeneinander, sowohl in programmatisch-inhaltlichen Feldern – siehe den Disput um Nahost – als auch bei der Frage, was für eine Organisation man eigentlich sein will.

Beim Parteitag im Juni könnte das Duo Schwerdtner/Pantisano Konkurrenz bekommen

Diese Debatten benötigen Raum, ohne dass die Linke dabei wieder zur „Streitpartei“ oder handlungsunfähig wird. Denn: Kriege, Inflation und Sozialstaatsabbau erfordern unmittelbare (Re)Aktion. Und der Herbst wird weitere Herausforderungen mit sich bringen, wenn in Berlin um das Amt der Regierenden Bürgermeisterin gekämpft und in Sachsen-Anhalt die AfD möglicherweise in Kooperation mit der CDU verhindert werden soll.

Zunächst einmal muss sich aber auf dem Parteitag im Juni zeigen, ob das Duo Schwerdtner/Pantisano eine Mehrheit oder vielleicht doch noch Konkurrenz bekommt. Der Termin hatte schon vor van Akens Rückzugsankündigung für eine gewisse Nervosität an der Spitze gesorgt: Seit der Verdopplung der Mitgliedschaft wird dies der erste Bundesparteitag sein, bei dem sich die neue Mitgliederstruktur auch bei den Delegierten niederschlägt, die nur alle zwei Jahre neugewählt werden.

Die Kräfteverhältnisse in Potsdam sind daher kaum vorhersehbar. Wer also mitbauen wird am Steinhaus – und wie seine Architektur genau aussieht –, das alles ist in der „neuen“ Linkspartei noch gar nicht ausgemacht.

Das soll die Partei in der Gesellschaft verankern.Damit das, was der Linken im zurückliegenden Jahr gelungen ist, kein Hype bleibt, der dann wieder abflacht, sondern zu echten Veränderungen führt: mehr Geld für die „kleinen Leute“, weniger Miete, ein bezahlbares Leben, Umverteilung.Jan van Aken wird auf der Baustelle des Steinhauses nicht mehr als Vorarbeiter mitwirken. Der 64-Jährige, der seit Herbst 2024 im Team mit Ines Schwerdtner Vorsitzender der Linken war, hat überraschend seinen Rückzug von der Parteispitze angekündigt. Als Grund nannte er, sich um seine Gesundheit kümmern zu wollen. Es bestehe „kein Grund zu größerer Sorge“, aber er müsse aufpassen.Bereits kurz darauf hatte die Parteiführung einen Nachfolgekandidaten parat: Luigi Pantisano aus Baden-Württemberg, seit 2025 Mitglied des Bundestags, und aus dem gleichen politischen Lager wie van Aken. Der Wunsch ist offenbar, an der Spitze der Partei – dazu gehört auch das Fraktionsführungsduo aus Heidi Reichinnek und Sören Pellmann im Bundestag – den eingeschlagenen Weg weiterzugehen: Schwerdtner soll einen Ko-Vorsitzenden an die Seite bekommen, mit dem es ähnlich gut funktionieren könnte wie mit van Aken.Schwerdtner und van Aken haben die Partei wieder aufgerichtetIn der Linken wird das, was da so gut funktioniert hat in den vergangenen eineinhalb Jahren, auch als „strategisches Zentrum“ bezeichnet. Früher hätte man vielleicht „starke Führung“ gesagt. So oder so: Es fehlte der Partei tatsächlich lange. Vor der Abspaltung des BSW konkurrierten verschiedene Machtzentren, ließen über die Medien gegeneinander austeilen, sprachen aber kaum noch miteinander, bis die Partei nahezu handlungsunfähig war und drohte, in die Bedeutungslosigkeit abzurutschen.Nach der Spaltung dauerte es eine Weile, bis sich die erschöpfte Linke auch an der Spitze wieder zurechtfand; Schwerdtner und van Aken hatten daran, sie aufzurichten, großen Anteil. Die Existenz eines strategischen Zentrums heißt unter anderem: Kommunikationsdisziplin, öffentliche Streitigkeiten einhegen, statt sie weiter anzufachen, Konzentration auf wenige Themenfelder, wie die Mietenpolitik, und nur noch mit diesen eigenen politischen Themen in die Öffentlichkeit zu gehen, nicht mit Nabelschau.Disput gibt es in der Linken nicht nur über Israel und PalästinaInsofern ist der Rückzug van Akens eine Herausforderung, denn Personalangelegenheiten bedeuten immer auch ein wenig Selbstbeschäftigung. Die rasche Bekanntgabe der Kandidatur von Pantisano ist ein Ausdruck des Versuchs, öffentliche und chaotische Personaldebatten zu vermeiden. Angesichts der jüngeren Geschichte der Partei ist das verständlich. Andererseits: „Die Linke als Steinhaus bauen“, das ließe sich auch als Metapher für Panzerung und Abschottung, Versteinerung eben, lesen.Diese Mehrfachbedeutung des „Steinhauses“ verweist auf einen Widerspruch, mit dem Die Linke es unvermeidlich zu tun hat: Ihre Wiederaufrichtung war auch einer durchsetzungsfähigen und planvollen Führung zu verdanken; doch existieren in der Partei weiterhin sehr unterschiedliche Vorstellungen nebeneinander, sowohl in programmatisch-inhaltlichen Feldern – siehe den Disput um Nahost – als auch bei der Frage, was für eine Organisation man eigentlich sein will.Beim Parteitag im Juni könnte das Duo Schwerdtner/Pantisano Konkurrenz bekommenDiese Debatten benötigen Raum, ohne dass die Linke dabei wieder zur „Streitpartei“ oder handlungsunfähig wird. Denn: Kriege, Inflation und Sozialstaatsabbau erfordern unmittelbare (Re)Aktion. Und der Herbst wird weitere Herausforderungen mit sich bringen, wenn in Berlin um das Amt der Regierenden Bürgermeisterin gekämpft und in Sachsen-Anhalt die AfD möglicherweise in Kooperation mit der CDU verhindert werden soll.Zunächst einmal muss sich aber auf dem Parteitag im Juni zeigen, ob das Duo Schwerdtner/Pantisano eine Mehrheit oder vielleicht doch noch Konkurrenz bekommt. Der Termin hatte schon vor van Akens Rückzugsankündigung für eine gewisse Nervosität an der Spitze gesorgt: Seit der Verdopplung der Mitgliedschaft wird dies der erste Bundesparteitag sein, bei dem sich die neue Mitgliederstruktur auch bei den Delegierten niederschlägt, die nur alle zwei Jahre neugewählt werden.Die Kräfteverhältnisse in Potsdam sind daher kaum vorhersehbar. Wer also mitbauen wird am Steinhaus – und wie seine Architektur genau aussieht –, das alles ist in der „neuen“ Linkspartei noch gar nicht ausgemacht.



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