Analyse von Larry Johnson in der Sendung „Judging Freedom“ vom 20. April 2026
Im Video der aktuellen Folge von Judging Freedom mit Andrew Napolitano wird die zentrale Frage gestellt: Wer kontrolliert die Straße von Hormus?
Larry Johnson, ehemaliger CIA-Analyst und Nahost-Experte, gibt eine klare Antwort: Iran. Das Land kann die Meerenge nach Belieben öffnen oder schließen – und hat dies in den letzten Tagen erneut unter Beweis gestellt.
Die aktuelle Eskalation: US-Blockade und iranische Antwort
Die Ereignisse der letzten Tage sind nach Johnsons Einschätzung ein klassisches Beispiel für „undeclared wars“ – nicht erklärte Kriege, die die US-Regierung routinemäßig führt.
Am Freitag vor der Sendung erklärte Präsident Donald Trump die Blockade der Straße von Hormus. Iran reagierte sofort: Die Meerenge wurde wieder geschlossen.
Zuvor hatte Teheran signalisiert, dass es Schiffe anderer Länder passieren lassen würde – mit Ausnahme von US- und israelischen Schiffen oder solchen, die diese Länder versorgen.
Johnson betont: Dies sei keine leere Drohung. Über die Website MaritimeTraffic.com sei live zu beobachten, wie der Schiffsverkehr plötzlich zum Erliegen kommt – „wie ein Wasserhahn, der zugedreht wird“.
Die Straße von Hormus bleibt damit das entscheidende Druckmittel Irans. Rund 20 Prozent des weltweiten Öls und ein großer Teil des verflüssigten Erdgases passieren diese nur 33 Kilometer breite Engstelle zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman.
Wer sie kontrolliert, kontrolliert einen wesentlichen Teil der globalen Energieversorgung.
Hintergrund: Der Angriff auf das iranische Frachtschiff
Der unmittelbare Auslöser der aktuellen Blockade war ein Vorfall auf hoher See: Die US Navy griff ein iranisches Frachtschiff an, das unter iranischer Flagge aus China kommend auf dem Weg nach Iran war.
Es handelte sich um ein Containerschiff, beladen mit 40-Fuß-Containern – keine Waffen, kein Militärgerät.
Johnson spricht offen von „Akt der Piraterie“. Videos und Berichte auf Telegram zeigten, dass das Schiff im Maschinenraum getroffen und manövrierunfähig wurde.
Iran fordert seit zwei Wochen die Einhaltung von zehn klaren Punkten, darunter die sofortige Aufhebung der Blockade. Solange diese nicht erfüllt sind, wird Teheran nicht mit der US-Delegation unter Vizepräsident JD Vance, Mike Witoff und Jared Kushner in Islamabad verhandeln.
Pakistan bemüht sich intensiv, das Treffen zu retten – bislang vergeblich.
Interne US-Konflikte und Trumps chaotische Linie
Johnson zeichnet ein Bild tiefer Zerrissenheit im Weißen Haus. Nach Informationen aus Militärkreisen hatte es bereits eine Einigung gegeben, die iranischen Forderungen zu erfüllen.
Trump persönlich habe diese dann „gesprengt“.
Gleichzeitig berichtet Johnson von einer dramatischen Sitzung am Samstagabend: Trump soll den Einsatz der Atomwaffen-Codes gefordert haben. General Dan Kaine habe sich dagegen gestellt und den Raum mit gesenktem Kopf verlassen.
Trump selbst twitterte und sprach widersprüchlich: Mal behauptete er, Iran habe einem Friedensdeal zugestimmt und gemeinsame Bergung des angereicherten Urans sei geplant – Aussagen, die Johnson als reine Marktmanipulation einstuft.
Die Öffentlichkeit verliere zunehmend das Vertrauen: Trumps Beliebtheitswerte liegen bei nur noch 37 Prozent, über 52 Prozent der Amerikaner lehnen einen Krieg gegen Iran ab.
Militärische Pläne: Bomben auf Kraftwerke und Brücken
Trotz aller Signale für Verhandlungen bereitet das Pentagon nach Johnsons Quellen weiter einen massiven Luftangriff vor.
Zunächst war von einer gezielten Operation gegen hochangereichertes Uran die Rede (Spezialkräfte-Einsatz). Nun sei man wieder bei der ursprünglichen Linie: Bombardierung aller Kraftwerke, Brücken und der Stromversorgung Irans.
„Pizza-Index“ im Pentagon – also die Zahl der nächtlichen Pizza-Lieferungen – sei deutlich gestiegen.
Johnson warnt: Militärisch werde das nichts bringen. Es diene nur der „guten Gefühl“-Propaganda und der Hoffnung, die iranische Bevölkerung zum Aufstand zu treiben.
Tatsächlich habe der westliche Druck jedoch das Gegenteil bewirkt: Die junge Generation unter 30 in Iran sei durch den Angriff von außen erst recht hinter der Islamischen Republik geeint.
Iranische Gegenmaßnahmen und die Macht der Straße von Hormus
Iran hat unmissverständlich erklärt: Bei einem Angriff auf seine Infrastruktur werde es die Kraftwerke der Golfstaaten – Saudi-Arabien, Katar, Vereinigte Arabische Emirate – zerstören.
Die US-Basen in der Region (darunter die 5. Flotte in Bahrain) seien bereits schwer beschädigt und größtenteils nutzlos.
Die extremen Temperaturen („Pizzaofen“-Hitze) machen eine dauerhafte Stationierung zusätzlich schwierig.
Die Straße von Hormus bleibt Irans stärkste Waffe. Johnson: „Iran kann sie ein- und ausschalten.“
Selbst wenn andere Schiffe zunächst passieren durften – nach Trumps Blockade-Erklärung wurde sie sofort wieder geschlossen.
Das zeigt: Die Kontrolle liegt nicht bei der US-Navy, nicht bei Israel und nicht bei einer Koalition. Sie liegt bei Teheran.
Historischer Kontext: Wer hat eigentlich angefangen?
Johnson widerlegt die gängige Narrative, Iran sei seit 1979 der Aggressor.
Die USA hätten den Iran-Irak-Krieg 1980 aktiv unterstützt (inklusive Chemiewaffenlieferungen an Saddam Hussein).
Die Geiselnahme in der US-Botschaft sei eine Reaktion auf die US-Unterstützung des Schahs gewesen.
Seitdem reagiere Iran auf US-Aktionen – nicht umgekehrt.
Die aktuelle Eskalation sei nur die Fortsetzung einer langen Kette von US-Aggressionen.
Fazit: Wer wirklich kontrolliert
Larry Johnson schließt mit einer klaren Botschaft: Iran kontrolliert die Straße von Hormus – und kann dies auch weiterhin tun.
Solange die USA und Israel an der Strategie des Regime-Changes festhalten, bleibt die Meerenge geschlossen oder zumindest hochgefährlich.
Verhandlungen in Islamabad sind derzeit blockiert. Die militärischen Vorbereitungen laufen weiter.
Die Welt steht damit vor einer der gefährlichsten Eskalationsstufen seit Jahren.
Ob die Straße von Hormus offen bleibt oder nicht, entscheidet nicht Washington – sondern Teheran. Und Teheran hat in den letzten Tagen gezeigt: Es meint es ernst.
Der Artikel basiert ausschließlich auf den Aussagen Larry Johnsons im Gespräch mit Judge Andrew Napolitano vom 20. April 2026. Die Entwicklungen sind hochaktuell und können sich stündlich ändern – die Kontrolle der Straße von Hormus bleibt jedoch das zentrale strategische Faktum dieser Krise.