Kaum hat Viktor Orbán seine 16-jährige Amtsperiode verloren und Péter Magyar mit seiner Tisza-Partei die Parlamentswahl gewonnen, da meldet sich der inhaftierte deutsche Linksextremist Simeon T. alias Maja zu Wort. Aus dem Gefängnis lässt er mitteilen, er hoffe, „dass es nun besser wird“. Der Wahlausgang gebe der „Zivilgesellschaft Luft zum Atmen“, so die übermittelte Botschaft an die taz. Für den verurteilten Täter, der sich „non-binär” nennt, scheint der Machtwechsel wie ein Geschenk.
Acht Jahre für die Hammerbande
Simeon T. alias Maja sitzt in Budapest eine achtjährige Haftstrafe ab. Das Budapester Gericht hatte im Februar 2026 seine Beteiligung an der sogenannten Hammerbande als erwiesen angesehen. Die Gruppe hatte im Februar 2023 in Budapest mutmaßliche Rechte gezielt mit Schlagstöcken, Hämmern und anderen Gegenständen überfallen. Das Urteil lautete auf versuchte lebensgefährliche Körperverletzung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Ungarische Richter sahen darin keine politische Verfolgung, sondern brutale, koordinierte Gewalt gegen politische Gegner.
Der deutsche Linksextremist selbst sieht sich bis heute als Opfer der Orbán-Justiz. Sein Anwalt drängt die Bundesregierung jetzt, die Gespräche über eine Rücküberstellung nach Deutschland wieder aufzunehmen. Konkret wandte er sich an Außenminister Johann Wadephul (CDU). Aus dem Auswärtigen Amt kam jedoch die klare Ansage: An der rechtlichen Lage habe sich durch den Regierungswechsel in Budapest nichts geändert.
Peter Magyars erste Zerreißprobe
Genau hier wird es für Péter Magyar spannend. Der Wahlsieger hatte im Wahlkampf klare Signale in Richtung Rechtsstaatlichkeit und Ordnung gesendet. Nun muss er zeigen, ob er diese Linie gegenüber Linksextremisten durchzieht oder ob die neue politische Luft in Budapest tatsächlich zu jener Narrenfreiheit führt, die Linkexetremist Simeon T. alias Maja sich erhofft.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte das Urteil gegen T. bereits im Februar ausdrücklich verteidigt. Er sprach von einer linksextremistischen Gruppe, die gezielt Jagd auf politische Gegner gemacht habe. Diese Haltung stand bisher im Einklang mit der harten Linie Orbáns gegen politische Gewalt von links. Ob Magyar diese Linie fortsetzt oder ob er der linken Szene in Deutschland und Ungarn nun Entgegenkommen signalisiert, wird zur ersten echten Bewährungsprobe seiner Regierung.