Testlabore für Elektronik müssen bisher aufwendig vor Ort betreut werden. Ein Gründerteam aus Leipzig will sie stattdessen ans Netz bringen – und bewirbt sich um den Gründerpreis „Start-up 2026“.

Leipzig.

Kabel kringeln sich, LEDs und Messgeräte leuchten: Im Leipziger Coworking-Office „Basislager“ läuft ein Teststand für Elektronik auf Hochtouren. Es ist das schlagende Herz des Start-ups Honeysuckle, das für eine Mission angetreten ist: Bislang müssen solche Testlabore für Elektronik von Fachleuten vor Ort betreut werden. Die Leipziger Gründer bringen diese Prüfstände nun ins Netz. Mit ihrer Plattform können Tests per Laptop oder sogar Smartphone aus der Ferne ausgelesen, aktualisiert und nachgesteuert werden – bequem aus dem Büro oder Homeoffice und für diverse Gerätehersteller. „Unsere Lösung bedeutet eine deutliche Arbeitserleichterung und Zeitersparnis“, sagt Nicolas Brendel, Gründer und einer der Köpfe des jungen Unternehmens. Die Wand in seinem Rücken ist mit grünen Kunststoffpflanzen und dem gelb leuchtenden Schriftzug „Honeysuckle“ bedeckt – das immergrüne Geißblatt. „So wie diese Pflanze wollen auch wir für enge Verknüpfungen sorgen“, sagt Brendel. „Wir wollen aus Sachsen heraus ein Hightechprodukt bauen, das ein reales und teures Problem in Branchen der kritischen Infrastruktur löst.“

Machbarkeitstests mit Airbus sind gelaufen

Für den Aufbau des Unternehmens bedeutete das vorige Jahr einen Durchbruch: Das Team hat einen Prototypen fertiggestellt und auf der AFCEA in Bonn präsentiert – dem wichtigsten Branchentreffen der IT-Community der Bundeswehr. Spitzname: „Mini-Cebit in Oliv“. Insbesondere Rüstungsunternehmen hätten aktuell großes Interesse und die nötigen Mittel, sagt Brendel. Eine zweite Säule der Gründung ist die Medizintechnik, die neue Geräte wie etwa für die Krebstherapie entwickelt. Machbarkeitstests mit Airbus, Verteidigungsunternehmen und Firmen im Lufthansa-Umfeld sind gelaufen. Jetzt stehen erste Verträge mit Kunden ins Haus. „Wir haben in einem großen Markt unsere Nische gefunden und wollen Ende des Jahres kostendeckend arbeiten“, sagt der Geschäftsführer. Parallel laufen Gespräche mit Industrieunternehmen, die bei Honeysuckle als Partner mit einsteigen könnten. Auf Risikokapital von Investoren verzichtet das Team bewusst – es finanziert sich lieber durch Dienstleistungsaufträge für Dritte. Umsatz voriges Jahr: 350.000 Euro.

Die Anzahl der Kunden soll wachsen, das Team nicht

Die Gründer sind keine Neulinge im Geschäftsleben: Der Deutsch-Amerikaner Brendel, 38, der aus Gießen stammt, hat nach seiner Ausbildung zum Fluggerätemechaniker bei Lufthansa für Air Canada und als Manager bei DHL in Leipzig gearbeitet. Parallel absolvierte er ein Fernstudium für Aviation Business Administration an einer US-Hochschule und einen Business-Master an der Leipziger Management-Hochschule HHL. Als Vertriebler bei einem Technologiedienstleister lernte er David Neumair kennen – einen Experten für Angewandte Informatik. Der gebürtige Bayer hatte an der TU Freiberg studiert und im Bosch-Konzern Motorsteuerungsgeräte entwickelt. Eine ideale Symbiose. Im Frühjahr 2022 gründeten sie Honeysuckle. Mit zwei weiteren IT-Mitarbeitern, die in Berlin leben und arbeiten, feilt das Team seither am Produkt. „Unser Wachstumspotenzial ist groß, weil der Bedarf an sicheren Entwicklungs- und Testumgebungen in Remote-Arbeit stark steigt“, sagt Brendel. Die Anzahl der Kunden und Anwendungen soll schnell wachsen – das Team selbst aber nicht. Mehr als ein Dutzend Leute wollen sie nicht werden. „Wir wollen“, sagt Brendel, „ein Speedboot bleiben.“ (lvz)

Der Wettbewerb „Sachsens Unternehmer des Jahres“ ist eine Initiative von „Sächsischer Zeitung“, „Freier Presse“, „Leipziger Volkszeitung“, MDR SACHSEN, Volkswagen Sachsen, Schneider + Partner, Sächsischer Lotto-GmbH, So geht sächsisch und AOK PLUS.

Mehr zum Wettbewerb und zu den Nominierten: www.freiepresse.de/unternehmerpreis



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