In Kürze:
- Ex-NIAID-Berater Morens angeklagt
- Vorwurf: Dokumente gelöscht und FOIA umgangen
- Verbindungen zu EcoHealth und COVID-Debatte
Der frühere leitende Berater des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) in den USA, David Morens, muss sich vor einem Bundesgericht verantworten. Wie das US-Justizministerium am Dienstag, 28. April, bekannt gab, ließ eine Grand Jury eine Anklage gegen Morens zu.
Er war von 2006 bis 2022 für die renommierte immunologische Einrichtung tätig, die Teil der Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) ist. Deren langjähriger Leiter Dr. Anthony Fauci diente seit der Ära Reagan mehreren US-Präsidenten als Berater in Fragen des Umgangs mit Viren und biologischen Gefahren. Der 46. US-Präsident Joe Biden ernannte ihn zu seinem Chief Medical Advisor.
Anklagepunkte und Vorwürfe der Vertuschung
Bis zur Fortführung des Verfahrens bleibt Morens auf freiem Fuß. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm bis zu 54 Jahre Haft. Die Anklagebehörde wirft ihm unter anderem vor, Transparenzregeln umgangen zu haben. So soll er private Gmail-Konten für seine dienstliche Kommunikation genutzt haben.
Der Zweck dieses Vorgehens soll gewesen sein, mögliche Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz (FOIA) gezielt zu umgehen. Solche hatten beispielsweise Organisationen wie Judicial Watch gestellt. Die Kommunikation soll mit zwei nicht genannten mutmaßlichen Mitverschwörern erfolgt sein. Bei einem davon soll es sich um den Chef der sogenannten EcoHealth Alliance, Peter Daszak, gehandelt haben.
Verbindungen zur Forschung und Vorwürfe der Verschleierung
Die dritte involvierte Person soll mit dem Coronavirus-Forschungsprojekt in Verbindung stehen. Die EcoHealth Alliance ist eine in New York ansässige Nonprofit-Organisation. Das Forschungsprojekt arbeitete mit dem Wuhan Institute of Virology zusammen. Wuhan gilt als möglicher Ausgangsort der weltweiten COVID-19-Pandemie.
Morens soll unter anderem interne Informationen und Unterlagen des NIAID außerhalb offizieller Kanäle ausgetauscht haben. Er kommunizierte mit seinen mutmaßlichen Mitverschwörern dabei unter anderem über Fördermittel, aber auch über den Ursprung des COVID-19-Virus. Die Anklagebehörden gehen davon aus, dass die Nutzung privater Kommunikationskanäle der Verschleierung diente.
Fördergelder und Vorwürfe im Zusammenhang mit der Forschung in Wuhan
Das Labor in Wuhan erhielt über Jahre hinweg auch Fördermittel aus den USA. Diese wurden unter anderem für Forschung zu Infektionskrankheiten in Schwellenländern bereitgestellt. Dabei soll es sich auch um die umstrittene Gain-of-Function-Forschung an Viren in Wuhan gehandelt haben. Zwischen 2011 und 2020 lag der Jahresetat der EcoHealth Alliance eigenen Angaben zufolge zwischen 9 und 15 Millionen US-Dollar.
Vorwürfe, die Einrichtung habe dabei Sorgfaltspflichten verletzt und möglicherweise ein Entweichen des COVID-19-Virus aus einem Labor begünstigt, führten im April 2020 zur Einstellung der Finanzierung. Eine Wiederaufnahme erfolgte seither nicht.
Mögliche Interessenkonflikte stehen ebenfalls im Raum. So könnte Morens laut Anklage im Zusammenhang mit dem Erhalt von Fördermitteln Unterlagen manipuliert haben. In der Korrespondenz werden neben Wein und zugesagten Gourmet-Geschenken auch mögliche „Kickbacks“ als Gegenleistungen im Fall einer Förderzusage erwähnt.
Reaktionen, Vorwürfe und Einschätzungen der Behörden
Dr. Fauci ist nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Morens auf Distanz gegangen. Dieser selbst räumt zwar die Löschung von E-Mails ein, bestreitet jedoch, dass es sich dabei um aufzubewahrende „federal records“ gehandelt habe. Das NIH hat sich bislang nicht zu der Anklage geäußert.