„So viele Menschen haben mir geholfen, diesen Abend zu erleben. Einige von euch sind hier, einige sind weit weg, einige sind sogar im Himmel. Wir alle haben besondere Menschen, die uns mit Liebe ins Leben hineinbegleitet haben. Würden Sie sich einfach zusammen mit mir 10 Sekunden Zeit nehmen, um an die Menschen zu denken, die Ihnen geholfen haben, der zu werden, der Sie sind? An diejenigen, denen Sie am Herzen lagen und die das Beste für Sie im Leben wollten? 10 Sekunden Stille. Ich werde auf die Zeit achten.“
Während der damals 69-Jährige auf seine Uhr schaute, zoomte die Kamera ins Publikum. Mehrere Personen hatten Tränen in den Augen. Und Rogers fuhr fort:
„An wen auch immer Sie gerade gedacht haben – wie glücklich muss diese Person wohl sein, zu wissen, welchen Unterschied sie Ihrer Meinung nach bewirkt hat. Sie wissen, dass genau diese Art Mensch, das Fernsehen unserer Welt bieten kann. Ein besonderer Dank gilt meiner Familie, meinen Freunden und meinen Kollegen bei Public Broadcasting Family Communications sowie dieser Akademie dafür, dass sie mich all die Jahre ermutigt und mir ermöglicht haben, Ihr Nachbar zu sein. Möge Gott mit Ihnen sein. Vielen Dank.“
Obwohl er das Wort nie erwähnte, sprach Rogers natürlich über Dankbarkeit.
Dankbarkeit – eine bescheidene Kardinalstugend
Mut, Gerechtigkeit und all die anderen Tugenden werden uns als Geschenke anderer zuteil, ebenso wie das Leben, die Freiheit und das Streben nach Glück. Diese drei letzten sind natürliche Grundrechte, aber genau wie die Tugenden haben unsere Vorfahren sie geschützt und bewahrt und an uns weitergegeben. Ihrer Fürsorge gebührt unser Dank.
Dankbarkeit ist das Anerkennen des Guten in unserem Leben, selbst an jenen Tagen, an denen alles durcheinander zu sein scheint. Dankbarkeit ist sozusagen ein Stärkungsmittel für Herz, Seele und Verstand, das uns hilft, diese drei bei guter Gesundheit zu erhalten.
Andererseits wirkt sie auch wie ein kraftvolles Gegenmittel zu Wut oder Frustration, wenn die Dinge schiefgehen. Dankbarkeit kann uns durch einen harten Tag bringen und den nächsten Morgen mit einem Paukenschlag einleiten, wenn wir daran denken, „Danke“ zu sagen.
Wenn Dankbarkeit Mangelware ist, nur sporadisch hervorgerufen wird oder, schlimmer noch, gar nicht vorhanden ist, ist die Welt ein trostloser und viel öderer Ort.
30 Jahre blind gekämpft – und dann …
Das kann ich aus Erfahrung bestätigen. In den ersten 30 Jahren meines Erwachsenenlebens begann ich meine Tage mit einer To-do-Liste und zu schlagenden Schlachten. Sobald ich aus dem Bett war, stürzte ich mich in meine Verpflichtungen und Aufgaben. Ich betrieb zwei Unternehmen, half dabei, vier Kinder aufzuziehen und zu Hause zu unterrichten, und rannte dem Geld hinterher.
Nur selten hielt ich inne, um für meine Frau, meine wunderbaren Kinder, meine Freiheit, mein Leben in Amerika und das Leben selbst dankbar zu sein.
Ich betrachtete sie als selbstverständlich.
Das änderte sich schlagartig im Jahr 2004, als meine Frau an einem Gehirn-Aneurysma starb. Ihr Verlust entriss mir meine blinde Selbstgefälligkeit. Es dauerte einige Jahre, doch schließlich wurde die Dankbarkeit für die Menschen und Dinge, die ich liebe, zu einem vertrauten Begleiter.
10 alles verändernde Sekunden
Seit vielen Jahren beginne ich nun jeden Tag mit einem Kaffee und einem gesprochenen Gedanken, der nicht einmal 10 Sekunden dauert: „Danke, Herr, für einen weiteren Tag. Hilf mir, das zu tun, was ich tun soll.“
In letzter Zeit hat dieser Gedanke für mich eine noch tiefere Bedeutung bekommen. Wenn man mein Alter erreicht hat, ist das Wertschätzen eines weiteren Tages kein leeres Gebet mehr.
Diese tägliche Übung hat, glaube ich, mein Leben verändert. Natürlich bin ich manchmal immer noch entmutigt oder niedergeschlagen, aber nicht mehr so wie früher. Einmal verinnerlicht, scheint Dankbarkeit ein fester Bestandteil zu sein, ein Bollwerk gegen die tieferen Verwüstungen vergänglicher Gefühle und Enttäuschungen.
Was die Wissenschaft dazu sagt
Für diejenigen, die nicht daran gewöhnt sind, Dankbarkeit zu praktizieren, und dies ändern möchten, empfiehlt der Artikel mehrere Fragen, die sie sich selbst stellen könnten. Hier sind vier davon:
- Was ist heute Gutes passiert?
- Was halte ich für selbstverständlich, wofür ich eigentlich dankbar sein könnte?
- Für welche Menschen in meinem Leben bin ich dankbar?
- Was war das Freundlichste, das jemand in letzter Zeit gesagt oder getan hat?
Zu dieser Liste können wir eine beliebige Anzahl von Gründen für Dankbarkeit hinzufügen, vom Dach über dem Kopf bis hin zur Wertschätzung des Landes, in dem wir leben. Was den letztgenannten Grund betrifft, so ist die diesjährige Feier zum 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung der perfekte Anlass, um für die vielen Vorteile und Segnungen zu danken, die uns durch das Opfer und die harte Arbeit vergangener Generationen zuteil wurden. [Respektive auf andere Länder anzuwenden, Anm. d. Red.]
Erinnern Sie sich wieder an den Zauber im Leben
Nun zurück zu Chesterton, dem Meister des Aphorismus: „Ich würde behaupten, dass Dank die höchste Form des Denkens ist; und dass Dankbarkeit Glückseligkeit ist, verdoppelt durch Wunder.“
Probieren Sie die Methode von Mr. Rogers einmal aus. Beginnen Sie mit 10 Sekunden, in denen Sie sich an eine Person erinnern, die Ihnen geholfen hat, das zu werden, was Sie sind.
Versuchen Sie es am nächsten Tag erneut, und gehen Sie dann zu anderen Segnungen in Ihrem Leben über. Geben Sie diesem Experiment etwa einen Monat lang täglich 10 Sekunden. Wenn Sie möchten, können Sie es auch drei- oder viermal pro Tag tun – und die Chancen stehen gut, dass sich Ihre Glückseligkeit bald durch Wunder verdoppeln wird.
Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers oder des Interviewpartners dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.