Man darf nicht damit beginnen, sich dem, was Nahrungsmittel sein soll, genauer zu widmen.

Es vergeht einem der Appetit.

Fludioxonil steht für  4-(2,2-difluoro-1,3-benzodioxol-4-yl)-1H-pyrrole-3-carbonitrile (IUPAC) – ein Mittel, das auf geerntetes OBST und Gemüse aufgebracht wird, um Pilzerkrankungen wie Botrytis oder Penicillium zu verhindern. Sie essen Fragmente davon oder von einem entsprechenden Konkurrenzprodukt, wann immer Sie Obst aus dem Supermarkt zu sich nehmen. Aber keine Sorge: Fludioxonil ist ungefährlich. Das hat, wer anders als die EFSA, die European Food Safety Agency 2007 festgestellt und Fludioxonil, als für Mensch, Tier und Umwelt unbedenklich zum 1. November 2008 zugelassen.

Schon zuvor war es in Gebrauch.
Seither ist es EU-weit zugelassen.

Seither wird es auf frisch geerntetest Obst und Gemüse gesprüht, damit das Obst und das Gemüse nicht von Fungi befallen wird. Für rund 900 verschiedene Anwendungen ist Fludioxonil zugelassen. Das Mittel teilt sich mit anderen, zu denen wir noch kommen werden (Imazalil, Thiabendazole, 2-Phenylphenol) einen Markt, der ein Gesamtvolumen von derzeit 11 Milliarden US-Dollar hat, ein Markt, der auf einen Gesamtwert von 25,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2033 gewachsen sein soll.

Fludioxonil ist ein wesentlicher Player auf diesem Gebiet. 1990 wurde das Mittel entwickelt, 1993 erstmals in Frankreich zur Anwendung gebracht und seither ist es im Umlauf, in der Umwelt, in der Nahrungskette und menschlichen und tierischen Organismen. Wie gesagt, das Zeug ist ungefährlich. Es ist kein Problem, frisch geerntetes Obst mit dem Fungizid zu besprühen.

Quelle

Dass Fludioxonil unbedenklich ist, hat die EFSA 2007 festgestellt, ungeachtet der vielen Datenlücken, die zu diesem Zeitpunkt bestanden haben. Datenlücken, die z.B. ein Zerfallsprodukt von Fludioxonil betreffen, das den schönen Namen „2-(2,2-difluorobenzo[d][1,3]dioxol-4-yl)-2-(nitrosomethylene)-4-oxobutanenitrile“ trägt. Ein Stoff, der bis heute in keinem Test auf Toxikologie im Zusammenhang mit Fludioxonil vorkommt. Dafür kommt er im folgenden Beitrag von Lasalle et al. (2015) vor.

Lassalle, Yannick, Édith Nicol, Christophe Genty, Sophie Bourcier, and Stéphane Bouchonnet. „Structural elucidation and estimation of the acute toxicity of the major UV–visible photoproduct of fludioxonil–detection in both skin and flesh samples of grape.“ Journal of Mass Spectrometry 50, no. 6 (2015): 864-869.

In diesem Beitrag zeigen Lassalle et al. (2015), dass das oben ausgeschriebene Zerfallsprodukt, das wir aus naheliegenden Gründen als DDNO abkürzen, das Ergebnis des Zerfalls von Fludioxonil ist. Ein Zerfallsprodukt, das sich fast ein Monopol geschaffen hat. Wo immer Sonne und Feuchtigkeit vorhanden wird, entsteht DDNO aus Fludioxonil. Eigentlich eine naheliegende Sache, die Hydrolyse von Fludioxonil in DDNO, ein grundlegender chemischer Prozess, der dessen ungeachtet in keinem der Experimente, die zeigen sollten, dass Fludioxonil gänzlich ungefährlich und vor allem ungiftig ist, Beachtung gefunden hat. Misslich: Denn DDNO, oder 2-(2,2-difluorobenzo[d][1,3]dioxol-4-yl)-2-(nitrosomethylene)-4-oxobutanenitrile ist um den Faktor 100 giftiger als Fludioxonil und somit das, was man als ein klassisches Gift für Mensch, Tier und Umwelt ansehen muss.

Die Entwicklungsgeschichte von Fludioxonil ist untrennbar mit den Namen Ciba-Geigy und Novartis verbunden, ehe eine Übernahme der Sparte durch Syngenta stattgefunden hat: 43 Milliarden Euro hat Syngenta investiert, um die Sparte von Novartis zu erwerben. Syngenta wiederum ist Teil von Sinochem Holdings, das sind Unternehmen, die sich allesamt im Besitz der Regierung von China befinden.

Mit jedem Apfel ein Stück China essen.
Was für ein Werbespruch…

Indes, die offenkundige Gefahr, die von DDNO ausgeht, in das Fudioxonil unter Mitwirkung von Sonne und Feuchtigkeit, beides soll es recht häufig geben, zerfällt, wurde 2019 von der US-Amerikanischen EPA ignoriert, die die Zulassung von Fludioxonil für die USA in diesem Jahr verlängert hat, und es findet sich bis heute kein Hinweis darauf, dass man bei der EFSA die Ergebnisse von Lasalle et al. (2015), die besorgniserregenden Ergebnisse von Lasalle et al. (2015) auch nur zur Kenntnis genommen hätte.

Das mag an den üblichen Informationslücken liegen, auf deren Grundlage bei der EFSA regelmäßig Zulassungen erteilt werden, nach dem Motto: Keine Daten = Keine Gefahr.

„The batches used in toxicity studies could not be concluded to be representative of the original and newly proposed reference specification for the active substance and associated impurities, leading to a data gap and an issue that could not be finalised (…). For some impurities, the applicant did not provide enough information to exclude their relevance from the toxicological point of view (…). Impurity SYN549129 is considered relevant.“

EFSA (2024).

Immerhin hat man bei der EFSA auch jenseits all der Fehlstellen in den Daten dennoch eine Verunreinigung gefunden, die im Herstellungsprozess von Fludioxonil anfällt und den anschaulichen Namen SYN549129 trägt. Das steht für das noch anschaulichere: „1-[2-cyano-1-(2,2-difluoro-2H-1,3-benzodioxol-4-yl)ethyl]-4-(2,2-difluoro-2H-1,3-benzodioxol-4-yl)-1H-pyrrole-3-carbonitrile“, eine andere Gefahr als das von Lasalle et al. (2015) identifizierte 2-(2,2-difluorobenzo[d][1,3]dioxol-4-yl)-2-(nitrosomethylene)-4-oxobutanenitrile. Fludioxonil scheint eine wahre Fundgrube für Gefahren zu sein. Aber lassen Sie sich nicht kirre machen.

Das Zeug ist sicher.
Wäre es sonst zugelassen?

SciFi-Supt

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Spaß Beiseite und zur Ehrenrettung der EFSA: Dass die Ergebnisse von Lasalle et al. (2015) nicht berücksichtigt wurden, mag an weiteren Datenlücken liegen, die eine entsprechende Feststellung verhindert haben:

„In view of the identified data gaps to finalise the residue definitions for risk assessment in primary and in rotational crops, a provisional dietary intake calculation has been carried out considering the risk assessment input values for fludioxonil for the representative uses respectively on pome fruit (apples, pears), strawberries, table and wine grapes, wheat and oats and for milk and ruminants‘ tissues.“

EFSA (2024).

Auch hier gilt: Keine Daten = keine Gefahr.
Auch für Trinkwasser gibt es keine Gefahr, denn, Sie ahnen es schon: Es gibt keine Daten:

„The applicant did not provide appropriate information to address the effect of water treatment processes on the nature of the residues that might be present in surface water and groundwater, when surface water or groundwater are abstracted for drinking water. This has led to the identification of a data gap and results in the consumer risk assessment not being finalised (…)“

EFSA (2024).

Trotz aller fehlender Daten kommt selbst die EFSA zu der Feststellung, dass für Vögel und Wasserlebewesen von Fludioxonil eine moderate bis erhebliche Gefahr ausgeht. Die Grenze zwischen moderat und erheblich verläuft in der Regel bei einer Zahl, die die Menge toter Tiere, die noch akzeptabel ist, angibt.

Information als Appetitzügler…

Aber, das Beste kommt zum Schluss: Fludioxonil mischt ihren Hormonhaushalt auf. Es wirkt wie ein Antiandrogen, blockiert oder schwächt die Wirkung männlicher Hormone wie Testosteron ab, hat eine „feminisierende“ Wirkung auf männliche Föten. Es stört zudem die Steroidhormonproduktion, also sowohl die Herstellung von Testosteron als auch die von Östrogen, indem es den Testosteronspiegel senkt und den Östradiolspiegel (eine Form von Östrogen) erhöht. Eine verzögerte sexuelle Reifung ist eines der Ergebnissse, Fruchtbarkeitsstörungen ein anderes.

Ein Apfel, ungeahnte Nebenwirkungen.
Wir haben Nebenwirkungen bislang immer unter dem Rubrum medizinischer Intervention diskutiert. Man muss langsam dazu übergehen, Nebenwirkungen als Ergebnis von Nahrungsaufnahme zu diskutieren.

Die berichteten Störungen hormoneller Integrität bei denen, die Fludioxonil ausgesetzt sind, hat EFSA in ihrer neuesten Bewertung des seit Jahrzehnten munter auf gerade geerntetes Obst und Gemüse versprühten Fungizids ausgeführt.

Von einem völlig unbedenklichen Fungizid über ein giftiges Zerfallsprodukt bis zu einem Produkt, das Vögel und Wasserlebewesen schädigt und menschliche und tierische Hormonsysteme aufmischt: Fludioxonil ist ein Mittelchen voller Überraschungen und wenn man liest, wie viele Fehlstellen den Mannen bei der EFSA immer noch Kopfzerbrechen bereiten, dann kann man sicher sein, dass das Schädigungspotential von Fludioxonil nicht einmal ansatzweise bekannt ist.

Denn, so steht zum Ende des unten verlinkten Dokuments der EFSA aus dem Jahre 2024 zu lesen:

  • Es sei besorgniserregend, dass es keine Daten gebe, um die Gefahren, die von einem Normalgebrauch von Fludioxonil auf Mensch, Tier und Umwelt ausgehen, zu bestimmen.
  • Es sei, so liest man weiter, bedenklich, dass nicht genug Daten zur Verfügung ständen, um die Unbedenklichkeit der Anwendung von Fludioxonil auf Mensch, Tier und Umwelt zu bestimmen.
  • Und, schließlich, stellen die EFSAs fest, dass sie mittlerweile zu dem Schluss gekommen seien, dass Fludioxonil, nachdem es jahrzehntelang im Huckepack mit Obst und Gemüse auf den Tisch der EU-Bürger gekommen ist, aufgrund der vorhandenen Datenlücken nicht weiter zugelassen werden könne:

    „An issue is also listed as a critical area of concern if, in the light of current scientific and technical knowledge using guidance documents available at the time of application, the active substance is not expected to meet the approval criteria provided for in Article 4 of Regulation (EC) No 1107/2009.“

Bis auf weiteres, ist Fludioxonil aber weiter Bestandteil ihrer Nahrung.
Lassen Sie es sich schmecken!


Falls Sie noch nicht genug haben, lesen Sie hier über Methylcyclopropen, einen anderen Bewohner von Obst und Gemüse, der dort nach Ernte heimisch gemacht wird.

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