Falls Sie auch zu den Leuten gehören, die langsam das Gefühl haben, Supermärkte seien weniger Verkaufsstätten für Obst, Gemüse, Nahrungsmittel im Allgemeinen, sondern eine Mischung aus Apotheke, Chemieunternehmen und Junk-Food Restaurant, dann ist das ein Text, den Sie lesen sollten, wenn Sie sich ihre Meinung bestätigen wollen. Falls nicht, dann ist es noch viel wichtiger, dass Sie diesen Text lesen.

Äpfel, Birnen, Tomaten, vieles, was man an Gemüse im Supermarkt kauft, hat diese erstaunlichen Eigenschaften in Gewicht und Größe nahezu identisch zu sein, FRISCHE auszustrahlen, glänzende Äpfel, optimal gereifte Bananen, Tomaten, die keinerlei Schaden auf der Außenhaut aufweisen, ganz im Gegensatz zu denen, die man selbst zieht… Es ist, ein Schlaraffenland-Wunder.

Indes, kaum ist die Banane zuhause, geht sie in einer Geschwindigkeit den Gang alles Verderblichen, die erstaunlich ist, während die Äpfel oft auch nach Wochen keinerlei Anzeichen natürlicher Alterung aufweisen, um dann, innerhalb von Stunden eine Form der Fäulnis oder des Schimmels zu entwickeln, die selbst spezialisierte Fruchtfliegen ratlos zurücklässt.

Ein Grund für dieses unnatürliche Reifungsverhalten trägt den Namen 1-Methylcyclopropen, ein Kohlenwasserstoff, der aus Erdöl gewonnen wird, mit einem Prozess, der zudem Chloro-2-Methylpropen, Heptane und Methylcyclohexane hervorbringt, die zuletzt Genannten bekannte karzinogene Stoffe.

1-Methylcyclopropen ist unter Handelsnamen wie

  • SmartFresh,
  • AgroFresh,
  • Harvista,
  • Ripe Lock,
  • Ethylbloc,
  • Fysium

zu erhalten, wird nach der Ernte (alle außer Harvista, das vor der Ernte eingesetzt wird, vornehmlich bei Mais) auf das Obst „gegast“ und sorgt dafür, dass das Obst, das so frisch aussieht, als käme es gerade vom Baum oder aus dem Strauch, Tomaten oder Avocados den Eindruck erwecken, sie seien gerade gepflückt, obschon sie bis zu 12 Monate, zuweilen auch mehr, auf ihren Einsatz im Supermarkt gewartet haben, oft genug als Spekulationsobjekt behandelt wurden, das aus dem Lager verkauft wird, wenn die Preise steigen …

Der frische Apfel ist also nicht frisch.
Die glänzende Tomate ist alt.

Birnen, Beeren und Bananen sind in ihrem natürlichen Alterungsprozess gestoppt, denn 1-Methylcyclopropen stoppt im Wesentlichen die Produktion von Ethylen, über Monate hinweg und arretiert damit den Reifungsprozess. Das führt dazu, dass das behandelte Obst oder Gemüse fest bleibt, nicht schrumpeling wird und austrocknet. Die Entgrünung der Schale wird bei z.B. Äpfeln und Birnen verhindert. Die Umwandlung von Stärke in Zucker und der Säureabbau werden verzögert, sodass die Säure und oft auch die löslichen Feststoffe besser erhalten bleiben. Oberflächenschorf und Fleischbräunung wird verhindert und das Ganze dadurch erkauft, dass der für Äpfel, Birnen, Aprikosen, Pfirsiche usw., für Tomaten, Avokado, Paprika so typische Geruch und Geschmack der geschmacklichen und olfaktorischen Wahrnehmung entzogen wird. Falls Sie sich schon einmal darüber gewundert haben, dass Äpfel, egal, welcher Sorte sie angehören, den gleichen, mehr oder minder flachen, kaum an Apfel erinnernden Geschmack haben und allesamt nicht riechen, hier haben Sie die Erklärung für diesen Umstand: 1-Methylcyclopropen.

In der EU ist 1-Methylcyclopropen seit Mitte der 2000er Jahre zugelassen. Wann genau es zugelassen wurde, ist nicht herauszufinden [vermutlich wurde die SMS gelöscht], aber es war um 2005. Damals mit den Lücken in der Sicherheitsprüfung, die man mittlerweile gewohnt ist. Was die Toxikologie angeht, ist nicht viel analysiert worden. 1-Methylcyclopropen gilt als unbedenklich. Wozu also testen? Bedenklich sind Chloro-2-methylpropene, Heptane und Methylcyclohexane, die bei der Produktion von 1-Methylcyclpropen anfallen. Aber, hey, deren Ausbeute ist so gering, dass es auch hier keinen Grund gibt, sich Sorgen zu machen.

Auch darüber, dass sie ein Zulassung erteilt haben, ohne zu wissen, was aus den Metaboliten, den Zwischenprodukten der 1-Methylcyclopropen Zugabe zu Obst und Gemüse, die dem Stoffwechsel des behandelten Obstes oder Gemüses entspringen, wird, welche Metabolite überhaupt enstehen und welche Gefahr von ihnen ausgeht, hat man sich keine Sorgen gemacht, die groß genug gewesen wären, die Zulassung von 1-Methylcyclopropen nicht zu erteilen. Noch im Jahr 2018, also rund 13 Jahre nach Zulassung, steht in einem Sachstandsbericht der European Food Safety Authority (EFSA), die für die Zulassung verantwortlich ist:

„The metabolism of 1-methylcyclopropene in plants was not investigated. Instead, a laboratory-scale study mimicking commercial practice and applying 1.2 ppm radiolabelled 1-methylcyclopropene (equivalent to ca 0.00264 g a.s./m3 or an 1.2 N rate) to apples was presented. Information on possible metabolites was not provided as the total radioactive residue (TRR) in apples amounted to maximal 0.0091 mg eq/kg.“

Radioaktive Spuren, die in einem (EINEM) Experiment gefunden wurden, waren so gering, dass die Suche nach Metaboliten eingestellt wurde.

Wie üblich sind die Fehlstellen ganz problemlos und kein Grund, die Zulassung zu verweigern. Dasselbe gilt für den Effekt, den 1-Methylcyclopropen auf die Umwelt, die Nahrungskette hat, den Boden, die Gewässer, die Trinkwasser, in die es freigesetzt wird. Keine Daten = Keine Gefahr.

„No data on the route and rate of degradation of 1-methylcyclopropene in soil were submitted. Where required, a conservative default aerobic soil degradation DT50 value of 1,000 days was used in the exposure assessment for 1-methylcyclopropene. Studies of the adsorption, desorption and mobility of 1-methylcyclopropene in soil were not available. In the absence of measured values and the uncertainty of the quantitative structure–activity relationship (QSAR) estimates, very conservative default values (i.e. Koc = 0 mL/g for the groundwater exposure and the aquatic phase of the surface water exposure and Koc = 1,000 mg/L for the sediment phase of the surface water exposure, and 1/n = 1.0) have been applied in the exposure assessment.“

SciFi-Supt

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Dessen ungeachtet haben die Autoren des Sachstandsberichts aus dem Jahre 2018 10 Fehlstellen zusammengestellt, deren Schließung sie 13 Jahre nach Zulassung von 1-Methylcyclopropen angeraten haben, darunter:

  • Eine detaillierte Prüfung der wissenschaftlichen Studien, mit denen die Hersteller die Unschädlichkeit von 1-Methylcyclopropen nachweisen wollen, um ausschließen zu können, dass es sich dabei um Junk Studien handelt.
  • Daten, die zeigen, dass die Methoden, die genutzt wurden, um die Ungefährlichkeit von 1-Methylcyclopropen zu belegen, auch geeignet sind, die Ungefährlichkeit von 1-Methylcyclopropen zu belegen.
  • Die Entwicklung von Methoden, die es ermöglichen, die Verbreitung von 1-Methylcyclopropen in Wasser, Boden und Nahrungskette zu überwachen.
  • Die Entwicklung einer Methode, um 1-Methycyclopropen in Körperflüssigkeit und -gewebe auffinden zu können;
  • Eine Zusammenstellung der per Anwendung von 1-Methylcyclopropen entstehenden Metabolite nebst der von ihnen ausgehenden Gefahr.

Das soll ausreichen, um den Umfang der Wissenslücken, die noch 13 Jahre nach Zulassung bestanden haben, deutlich zu machen. Letztlich gibt es kaum etwas, das man noch weniger wissen könnte und man fragt sich, auf Basis welcher Informationen bei EFSA eigentlich Zulassungen erteilt werden. Aber das fragen wir uns des öfteren.

Bleibt noch nachzutragen, dass der Markt für 1-Methylcyclopropen von AgroFresh Solutions und Janssen beherrscht wird, denen jedoch derzeit erhebliche Konkurrenz aus China erwächst, mit Unternehmen wie AWOWEITE, Jinglong Biotechnologies oder Bee Chems. Der Weltmarkt für 1-Methylcyclopropen hat einen Wert von derzeit rund 340 Millionen US-Dollar; Tendenz steigend.

Abschließend ein Video, das das Gesagte in Bilder packt, wobei die Aufmachung etwas reißerisch ist, indes, nichts, was im Video gesagt wird, ist falsch, manches etwas übertrieben, das perfekte Mittel um die weit untertriebene Position der EFSA zu balancieren und einen einigermaßen korrekten Blick auf 1-Methylcyclopropen zu ermöglichen.

 

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