Jeden Tag, wenn man die Nachrichten liest, steht man vor der Wahl: Soll man abstumpfen angesichts des Irrsinns im eigenen Land, der da auf einen hereinprasselt – oder soll man sich wieder aufregen? Als Journalist wird diese Wahl noch heikler: Soll man es einfach schweigend hinnehmen – oder soll man darüber schreiben? Erschwert wird die Entscheidung noch dadurch, dass der Irrsinn solche Ausmaße erreicht hat, dass man selbst beim besten Willen nur noch einen Bruchteil aufgreifen kann – auch wenn manche alternative Portale versuchen, mit großer Mannschaft alles aufzugreifen. Ich halte diesen Ansatz – wie soll ich es diplomatisch ausdrücken, ohne Kollegen zu schelten – für bemüht, aber sogar kontraproduktiv. Denn wenn man ständig die Empörungsspirale dreht, stumpft die sich zwangsläufig etwas ab.

Ich beschränke mich deshalb auf die Auswüchse des Irrsinns, die eine besondere Bedeutung haben – und/oder anhand derer ich die tiefer sitzenden psychologischen Mechanismen betrachten kann, und versuchen, sie zu verstehen.

So ein Fall ist der, den ich gerade in der „Jungen Freiheit“ gelesen habe, die für mich heute das ist, was früher die „Frankfurter Allgemeine“ war: Qualitativ hochwertiger Journalismus aus konservativer Warte. Der sich wohltuend abhebt von anderen Portalen, auch auf der eigenen Seite, die im Modus von Dauersirenen agieren.

Im konkreten Fall sind die Grünen im Nordrhein-westfälischen Arnsberg „entsetzt und wütend auf die Übermalung einer Regenbogentreppe mit den Nationalfarben, wie es in dem Bericht heißt: „Eine Regenbogentreppe über Nacht in schwarz-rot-gold übersprühen ist eine klare rechtsextreme Aussage gegen Vielfalt, Queers und eine bunte Gesellschaft, pro Nationalismus“, schrieb die Vorsitzende der Grünen in der Arnsberger Stadtvertretung, Verena Verspohl, auf Instagram.

In einem Video äußert sich die Dame ähnlich: „Malt euch zu Hause in Nationalfarben ein, hängt euch die Fahne in den Garten, macht, was ihr wollt.“ Dies sei ihr alles egal. „Aber das ist der öffentliche Raum, und das geht einfach überhaupt nicht.“

Der Hintergrund: Die Treppe wurde im Rahmen eines Projekts einer nahegelegenen Schule bereits im Juli 2025 mit den Regenbogenfarben bemalt – allerdings kurz darauf wieder mit schwarzer Farbe besprüht. Bürgermeister Ralf Bittner von der SPD sprach damals von einem „Angriff auf dieses sichtbare Zeichen des Miteinanders“, wie es in dem Bericht heißt. Und er ließ Strafanzeige erstatten.

Mehrmals haben Unbekannte die Treppe bereits mit Schwarz-Rot-Gold übermalt. Zuletzt am Wochenende. Die Stadt erstattete deswegen Anzeige bei der Polizei. Arnsbergs Bürgermeister Ralf Paul Bittner (SPD) sagte dem Bericht zufolge, die Regenbogentreppe stehe „für Offenheit, Vielfalt und gegenseitigen Respekt in unserer Stadt“.

Das zeigt wieder einmal: Das Neutralitätsgebot scheint nur noch selektiv zu gelten. Eine Regenbogentreppe im öffentlichen Raum gilt als unproblematisches „Zeichen des Miteinanders“. Man stelle sich vor, dieselbe Treppe wäre mit einer anderen politischen oder religiösen Symbolik bemalt worden – etwa mit einem Kreuz, einer Israel-Flagge oder einem klaren Bekenntnis zu Nation und Verfassung. Der Aufschrei über die „Politisierung des öffentlichen Raums“ wäre garantiert. Zu Corona-Zeiten wurden Leute festgenommen, weil sie demonstrativ das Grundgesetz vor sich hielten.

Dass es beim Regenbogen anders ist, zeigt: Er gilt nicht als politisches Symbol, sondern als moralisch privilegierte Staatsdeutung. Die rot-grünen „Woken“ haben die Bundesrepublik übernommen. Zumindest ideologisch.

Nur so lässt sich erklären, dass der Bürgermeister die Nationalfarben als „Beschädigung öffentlichen Eigentums“ bezeichnet. Auch wenn er als durchschaubares Feigenblatt hinzufügte, es sei für die Anzeige „unerheblich, mit welchen Motiven Wände, Straßen oder Gebäude bemalt oder besprüht werden“.

Es ist geradezu tragikomisch, wie der Sozialdemokrat einen Spagat versuchte zwischen traditioneller Wählerschaft und seinen rot-grün-woken Genossen – und dabei in eine unansehnliche Pose geriet. Einerseits betonte er, die Nationalfarben stünden „für Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Würde des Menschen“. Andererseits sagte er aber, die dürften nicht gegen „andere Werte“ ausgespielt werden. Offenbar deshalb ließ die Stadt zur „Reinigung“ der Treppe von den Deutschlandfarben extra einen Tankwagen anrollen.

Diese Allergie auf die Deutschlandfarben – auch wenn sie der Bürgermeister hier peinlich schönredet – ist keine Ausnahme. So hatte ich etwa im September hier darüber berichtet, wie die Bemalung verwitterter Bänke in Helmstedt mit Schwarz-Rot-Gold dort für Aufregung sorgte – und die Stadtverwaltung eine Abschleifung ankündigte (siehe hier).

Im Dezember sorgte eine Politikerin der „Linken“ für Aufsehen, weil sie Deutschlandfahnen an Häusern abriss – sie sah in unseren Nationalfarben ein Symbol für „Faschismus“ (siehe hier).

In meinen Augen ist all das ein Hass auf das eigene Land und damit auch Selbsthass, mit dem Deutschland ziemlich einzigartig dasteht auf der Welt.

Ich denke, ich kann hier ein bisschen zur Aufklärung beitragen: Als ich 1987 mit 16 Jahren auf den Spuren meines Urgroßvaters in die SPD eintritt, war ich verwundert, wie viel Hass auf das eigene Land ich dort bei den Jungsozialisten erlebte. Wohlgemerkt: Nicht bei den älteren Sozialdemokraten, die größtenteils mit ihrem Land verbunden waren, sondern bei der Nachwuchsorganisation.

Und auch ich habe mich damals anstecken lassen. Alles, was deutsch war, war mir peinlich. Ich schämte mich für mein eigenes Land. Offenbar waren viele Jahre in Russland – wohin ich mit 19 Jahren als Gaststudent zog und dort insgesamt 16 Jahre lebte – nötig, damit ich wieder ein normales Verhältnis zu meinem Land entwickeln konnte. Und stolz auf es wurde – wobei es heute wieder in die Richtung geht, dass ich mich schäme – allerdings nicht für mein Land, sondern die Politiker, die es zugrunde richten. Oft auch aus genau diesem Hass gegen das eigene Land, den ich gut kenne.

Ich würde folgende streitbare These wagen: Es handelt sich in Wirklichkeit auch um eine Form des Selbsthasses. Denn man kann nicht das eigene Land hassen und sich, als Produkt dieses Landes, lieben. Insofern fürchte ich, es ist eher ein psychologisches Problem als ein politisches.

Und so sehr ich für eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte bin und dafür, Verantwortung zu übernehmen: Dass unsere viel gelobte „Vergangenheitsbewältigung“ auf der einen Seite zu Selbsthass führt und auf der anderen dazu, dass etwa bei Corona sofort wieder autoritäre, ja totalitäre Denk- und Verhaltensmuster Überhand gewannen, zeigt: Aus einer notwendigen Aufarbeitung wurde ein Dauer-Ausnahmezustand.

Eine Kultur, die sich selbst misstraut, sich selbst umerzieht und sich selbst verachtet. Wer die eigenen Farben nur noch als Provokation erträgt, reagiert nicht sensibel – sondern allergisch auf Normalität und gesunde Selbstbejahung.

Nicht Schwarz-Rot-Gold ist gefährlich. Sondern die Entfremdung vom eigenen Land. Und möglicherweise erklärt genau diese Entfremdung, warum in diesem Land seit Jahren eine Politik betrieben wird, die es bis zur Unkenntlichkeit umbaut. Zumindest subjektiv nicht aus böser Absicht. Sondern weil man das, was man hat, nicht ertragen kann und weil man nur das ohne Skrupel preisgibt, zu dem man innerlich keinen Bezug mehr hat.

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